Stoßstange an Stoßstange – auch in Waiblingen steht zur Rushhour der Verkehr. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Mehr Raum für Fußgänger und Radler, mehr Lebensqualität für alle: Studierende der FH Nürtingen-Geislingen haben den Verkehr in Waiblingen untersucht. Hier sind ihre Vorschläge, wie man die Situation verändern könnte.

Waiblingen - Dass wir in Waiblingen ein Verkehrsproblem haben, liegt auf der Hand“ – mit dieser Ansicht steht Iris Förster, Gemeinderätin der Fraktion Alternative Liste (Ali), offensichtlich nicht alleine da: Das Publikum strömte zuhauf in den großen Saal des Kulturhauses Schwanen. Dort haben auf Anregung der Ali-Fraktion Studierende der Fachrichtung „Nachhaltige Mobilität“ an der Hochschule Nürtingen-Geislingen die Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung präsentiert. Und Vorschläge gemacht, wie sich die Situation verbessern ließe.

Das hohe Verkehrsaufkommen in der 56 000-Einwohner-Stadt komme nicht von ungefähr, erläuterte Manuel Fiebiger: „Täglich pendeln rund 20 000 Autos raus aus Waiblingen und etwa 17 000 rein.“ Die meisten Pendler sitzen allein im Auto, folglich ließe sich die Zahl der Fahrzeuge im Berufsverkehr senken, wenn zwei, drei Menschen in einem Auto fahren. Daher schlagen Fiebiger und zwei Studienkollegen vor, eine App zu entwickeln, mit der Berufspendler schnell und unkompliziert Fahrgemeinschaften bilden können.

Eine App für Berufspendler

„Diese Lösung benachteiligt niemanden und stärkt sogar die sozialen Verbindungen, denn über die Fahrgemeinschaften lernen sich die Leute kennen“, erklärte Fiebiger. Wenn mehrere Unternehmen diese App nutzten, lasse sich ein Effekt erzielen, glaubt auch Sven Kesselring, Mobilitätsforscher und Professor an der Hochschule, der ankündigte, das App-Projekt werde man weiterverfolgen.

Eine weitere Studentengruppe hat das Thema Radfahren in Waiblingen untersucht. Das Ergebnis fasste Ying Wei Lee zusammen: Viele Leute nutzten das Rad, was schon die voll belegten Radabstellboxen am Bahnhof zeigten. Auch Leihstationen für E-Bikes sind vorhanden, die Studenten halten jedoch eine bessere Verteilung für dringend nötig. Gerade in der Innenstadt fehlten Leihmöglichkeiten.

Den wohl am deutlichsten spürbaren Vorschlag stellte Adrian Gunter für die dritte Gruppe vor. Die hatte sich Gedanken dazu gemacht, wie die als von vielen Waiblingern problematisch empfundene Fronackerstraße aufgewertet werden könnte. Die Empfehlung: der Straßenraum sollte gerechter verteilt werden, was bedeuten könnte, dass es für Autos nur noch eine Spur gibt, der frei gewordene Raum kommt Radlern und Fußgängern zugute. Shared Space heißt diese Art der Verkehrsberuhigung, die aus den Niederlanden kommt und in Stuttgart in der Tübinger Straße umgesetzt wurde.

Neues Leben in der Fronackerstraße

Die Studenten schlagen für die Fronackerstraße eine „Revitalisierung zwischen Blumenstraße und Postplatz auf 310 Metern Länge“ vor – mehr Grünflächen und Freiräume, auf denen etwa Cafés Platz finden könnten. Dabei wird wohl der ein oder andere Parkplatz verloren gehen, was aber mit einem Zugewinn an Lebensqualität einhergehe, so Kesselring. Natürlich müsse man ein Auge darauf haben, wie sich der Verkehr durch die Maßnahme verlagere, sagte er und forderte mehr Mut für solche Experimente. Erste messbare Effekte des Shared Space-Ansatzes – weniger Verkehr, Lärm und Abgase – gebe es nach rund zwei Jahren.

In Shared Space-Gebieten gebe es weniger Unfälle, weil Autofahrer aufmerksamer und langsamer unterwegs seien, sagte Valentin Gauß, der Referent des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). Auch für Läden bringe es Vorteile, weil Menschen sich gerne dort aufhielten – trotz oder wegen der geringeren Zahl an Parkplätzen und Verkehr. Angesprochen auf eine mögliche finanzielle Unterstützung sagte Gauß: „Das Verkehrsministerium ist empfänglich für gute Ideen.“

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