Ein immer häufigeres Bild: Ein Fahrrad liegt nach einem Verkehrsunfall auf der Straße Foto: dpa

Laut Innenministerium verunglückten im letzten Jahr 68 Radler tödlich – die meisten ohne Helm.

Stuttgart - Der Fahrradboom im Land schlägt sich auch in der Unfallstatistik nieder. Laut Stuttgarter Innenministerium sind im vergangenen Jahr mehr als 11 000 Radler verunglückt. Das sind über zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Noch dramatischer entwickelte sich die Zahl der tödlichen Unfälle: 68 Fahrradfahrer starben, 23 mehr als im Jahr zuvor.

Wenn Innenminister Thomas Strobl (CDU) an diesem Freitag seine Verkehrsunfallbilanz für 2018 vorstellt, bilden die Zweiradunfälle deshalb einen Schwerpunkt. Vor allem das Thema Helm werde er herausstellen, sagte er unserer Zeitung. Denn laut Statistik haben zwei von drei Radfahrern, die im vergangenen Jahr zu Tode kamen, keinen Kopfschutz getragen. Strobl: „Das dürfen wir nicht achselzuckend zur Kenntnis nehmen.“ Seine werbende ­Botschaft laute deshalb, dass es lebensrettend sei, Helm zu tragen. In 85 Prozent der Fahrradunfälle seien Personen zu Schaden gekommen.

Mehr Pedelecs – mehr Unfälle

Strobl betonte aber auch, dass das Sicherheitsbewusstsein beim Radfahrer selbst beginnen müsse: „Rund drei Viertel der verunglückten Radler setzten selbst die Ursache für ihren Schaden.“ Wer ein Pedelec oder ein noch schnelleres E-Bike benutze, müsse wissen, dass damit auch die Anforderungen an seine körperliche Fitness wachsen. Von den tödlich verunglückten Radlern seien 15 mit dem Pedelec unterwegs gewesen.

Die Bilanz der Radunfälle ist also düster – dabei investiert die Landesregierung eine Menge Geld und Ressourcen in diverse Präventionskampagnen. Strobl verweist etwa auf die Kampagnen www.helm-tragen-vorbild-sein.de und www.schuetze-dein-bestes, an der neben der Polizei auch das Landesverkehrsministerium, der ADAC, der Fahrlehrerverband und mehrere andere Institutionen mitwirken.

Auch das Verkehrsministerium hat sich die Sicherheit von Radlern auf die Fahne geschrieben und setzt vor allem auf ein besseres Radwegenetz. In dessen Aufbau fließen etwa staatliche Zuschüsse an Kommunen. „Wir halten an unserem Ziel fest, dafür zu sorgen, dass auf den Straßen deutlich weniger Menschen getötet oder schwer verletzt werden“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unserer Zeitung. Dazu gehörten weiterhin konsequente Verkehrskontrollen durch die Polizei.

Viele Vorbeugeaktionen

Außerdem würden Präventionsmaßnahmen wie das Pedelec-Training oder die Schulwegsicherung für Kinder und Jugendliche ausgebaut, sagte Hermann. So stelle das Land ein bundesweit einmaliges Tool zur Erstellung von Fahrrad-Schulwegeplänen bereit. Das Land unterstützt darüber hinaus mit 500 000 Euro die Umrüstung von 500 Lkw mit Abbiegeassistenzsystemen, um folgenschwere Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern zu vermeiden. Hermann: „In Baden-Württemberg werden mit diesem Feldversuch zum ersten Mal in Deutschland in Kooperation mit mehreren Speditionen verschiedene Abbiegeassistenten im Realbetrieb untersucht.“ Die Aktion soll Informationen für den Gesetzgeber liefern.

Hermann verweist aber auch auf die Aktion „Achtung: Toter Winkel!“, an der die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg, die Landesverkehrswacht und andere Institutionen beteiligt sind. Dabei geht es darum, Verkehrsteilnehmer für die Gefahren durch rechts abbiegende Lkw zu sensibilisieren – indem zum Beispiel Warn-Aufkleber im Sichtbereich der Radfahrer auf der Lkw-Rückseite angebracht werden.

Jetzt kommt der Tretroller

Trotz all dieser Maßnahmen steigt die Zahl der Radunfälle jedoch an. Mit gemischten Gefühlen blicken Verkehrsexperten auch auf den Trend der schnellen Elektro-Tretroller oder Elektro-Scooter. Für diese Fahrzeugklasse der „Elektrokleinstfahrzeuge“, wie es im Juristendeutsch heißt, gibt es bislang noch keine gesetzliche Regelung.

Die Bundesregierung plant laut Innen­ministerium jedoch noch für 2019 eine Verordnung. Strobl: „Diese Tretroller sind ­sicherlich nicht mit denen aus meiner ­Kindheit zu vergleichen.“ Für die Verkehrssicherheit sei das noch einmal eine ganz neue Herausforderung.

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