So nicht: Für eine Rettungsgasse müssten die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links fahren, die auf den anderen Spuren nach rechts. Sonst haben Retter keinen Platz. Foto: SDMG/Archiv

Weniger Unfälle, allerdings mehr Tote – so lautet die grobe Bilanz der Verkehrspolizei. Kein gutes Licht fällt dabei auf Senioren und Fahrradfahrer.

Ludwigsburg - Ein Kleinbus fährt auf der A 81 in Richtung Ludwigsburg im Baustellenbereich, als er kurz vor der Abfahrt Stuttgart-Zuffenhausen plötzlich Feuer fängt. Die Fahrstreifen sind verengt, die Autos fahren zudem dicht an dicht. Ein Löschzug der Ditzinger Feuerwehr bleibt auf der Anfahrt stecken, die Korntal-Münchinger Kollegen fahren über das Feld zur Unfallstelle. Inzwischen hat die Polizei die Autobahn abgesperrt. Dieser Vorfall im August vergangenen Jahres war nicht das einzige Mal, bei dem die Einsatzkräfte nicht zügig den Unfallort erreichten.

Dauerproblem Rettungsgasse

„Im Jahr 2018 haben wir mehr als 400 Verstöße gegen die Rettungsgasse notiert. Viele Autofahrer sollten sich auch klar machen, dass die Bergung von Unfallautos schneller geht, wenn es eine Rettungsgasse gibt – und dass daher auch der Verkehr schneller wieder laufen kann“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar Alexander Haug von der Führungsgruppe der Verkehrspolizeidirektion Ludwigsburg. Insgesamt registrierten die Beamten 420 Verstöße.

Deutlich mehr Verkehrstote

Das Polizeipräsidium hat im vergangenen Jahr 32 991 Unfälle in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen gezählt. Das sind 703 – oder 2,1 Prozent – weniger als im Jahr zuvor. Das Präsidium ist für beide Landkreise zuständig. Trotz der gesunkenen Zahl der Unfälle wurden mehr Verkehrsteilnehmer verletzt oder getötet. „Die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten hat deutlich zugenommen“, sagt der Polizeipräsident Frank Rebholz. Im Kreis Ludwigsburg wurden 16 Menschen getötet, fünf mehr als 2017. 324 wurden schwer verletzt – 91 mehr als 2017.

Mehr Senioren an Unfällen beteiligt

Die Beamten registrieren seit einigen Jahren eine steigende Tendenz von Verkehrsunfällen, an denen Senioren beteiligt sind. Zwar nahm auch der Anteil der über-65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung zu – allerdings stieg nicht nur die Zahl der Unfälle, auch die Folgen waren gravierender. „Sorgen bereiten uns vor allem die vielen Unfälle mit Senioren“, sagt daher Frank Rebholz. In knapp 97 Prozent aller Fälle waren die Senioren als Autofahrer an Kollisionen beteiligt. Um sieben Prozent – oder 104 Fälle – stieg auch die Zahl der Unfälle, die von Senioren verschuldet wurden.

Im Kreis Ludwigsburg wurden sechs Senioren bei Unfällen getötet, 14 im gesamten Bereich des Präsidiums. Neun dieser Unfälle hatten die Senioren selbst verursacht. Meistens hatten sie die Vorfahrt anderer Verkehrsteilnehmer nicht beachtet.

Anstieg bei Fahrradcrashs

Die Polizei verzeichnete außerdem mehr Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren. Gleichwohl lag der Anstieg um 11,7 Prozent unter der Entwicklung im Land (12,4 Prozent). Die Fahrradfahrer waren laut der Polizei vorwiegend zwischen 20 und 64 Jahre alt. Sie waren meist wohl auf dem Weg von beziehungsweise zur Arbeit.

Die Zahl der Radunfälle im Kreis Ludwigsburg stieg von 401 auf 447, im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums von 721 auf 805. „80 Prozent der Fahrradfahrer sind ohne Helm unterwegs“, sagt der Polizeipräsident Frank Rebholz. 160 Radler wurden schwer verletzt, 114 von ihnen hatten den Unfall verursacht. Bei den Kollisionen wurden sechs Radfahrer getötet. Das sind doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs stieg von 43 auf 129.

Mehr Verkehr im Landkreis

Zurückgegangen ist im vergangenen Jahr die Zahl der Unfälle mit Lastwagen. „Auch auf den Autobahnen hat es weniger Unfälle gegeben. Das hat vor allem damit zu tun, dass einige Großbaustellen abgebaut und beendet sind. Sie waren in den vergangenen Jahren oft Unfallschwerpunkte, fielen 2018 aber nicht mehr so stark ins Gewicht. Ein Beispiel dafür sei die beendete Baustelle vor dem Engelbergtunnel, sagt der Experte Alexander Haug.

Auf den Autobahnen wurden 792 Unfälle registriert, 245 weniger als im Jahr zuvor. Ein Lastwagenfahrer starb. Hauptunfallursachen waren überhöhte Geschwindigkeit und ein nicht eingehaltener Sicherheitsabstand. Auch wenn die Zahl der Unfälle sank: „Wir verzeichnen trotzdem eine weiter steigende Verkehrsmenge, auch im Kreis Ludwigsburg“, konstatiert Haug.

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