Weil das Ordnungsamt nicht aktiv wird, initiiert die Schulleiterin eine Protestaktion gegen Elterntaxis zur Sophie-Scholl-Schule. Viele Schüler fühlen sich durch die Autos gefährdet.
„Laufen ist gesund!“, „Geht weg, ihr Autos“ – rufen rund 30 Schülerinnen und Schüler der Sophie-Scholl-Schule in Leonberg. Damit protestieren sie gegen die Gefahr, die entstehen kann, wenn Eltern ihre Kinder direkt vor das Schulgebäude fahren: das Phänomen der sogenannten Elterntaxis.
Die Schule liegt direkt in einem Wohngebiet. Die Viertklässler blockieren die direkte Zufahrtstraße, die Wiesensteiger Straße. Von dort sind es nur noch rund 100 Meter bis zur Schule. Dennoch fahren zahlreiche Eltern in die Wiesensteiger Straße – eine Sackgasse – , halten vor dem Gebäude und wenden dann. Entgegenkommende Autos müssen häufig auf den Gehweg ausweichen – und die Schüler sind irgendwo dazwischen.
Schule beklagt: Das Ordnungsamt reagiert nicht
Das bringe die Kinder unnötig in Gefahr, meint die kommissarische Schulleiterin Sarah Becker. Sie hat die Aktion initiiert, da ihr das Thema selbst ein großes Anliegen ist. Ein Infobrief und Diskussionen auf Elternabenden hätten bislang wenig bewirkt. Daraufhin habe sie mehrfach das Ordnungsamt um einen Termin vor Ort gebeten, bisher jedoch ohne Erfolg.
Ihre nächste Idee sei die Demonstration gewesen, die auch im Elternbeirat positiv aufgenommen wurde. Im Unterricht sprach Becker viel mit den Kindern über ihre Sorgen rund um die Verkehrssituation.
Die vielen Schilder mit Aufschriften wie „Achtung, Kinder“ oder „Gas weg“ bastelten die Schüler ebenfalls im Unterricht. Becker erhofft sich von der Aktion endlich eine Reaktion der Behörde. „Wenn die betroffenen Kinder selbst dastehen, hat das einfach mehr Nachdruck“, sagt sie.
Verkehrssituation an der Schule macht Angst
Den anwesenden Viertklässlern ist es wichtig, etwas für ihre eigene Sicherheit im Straßenverkehr zu tun: „Ich finde es toll, dass wir das machen“, sagt Chloe aus der 4a, „viele Autos fahren so nah an die Schule und gefährden uns. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht verletzt werden.“ Annelie aus der 4b hat selbst schon einen solchen Moment erlebt: „Ein Auto ist mal mit zehn Zentimetern Abstand an mir vorbeigefahren, da bin ich total erschrocken.“
Die Präsenz der Schüler wirkt, denn die meisten Eltern halten schon an der Kreuzung, um ihre Kinder aussteigen zu lassen. Einige drehen dann angesichts der Blockade wieder um.
Leonberg: Demonstration gegen Elterntaxis wirkt
Zahlreiche Eltern, die ihre Kinder zu Fuß zur Schule bringen, geben den Schülern Zuspruch: „Das ist eine schöne Aktion“, ruft ein Vater, „aber da müsste auch die Stadt mal was tun!“
Sarah Becker will nun Fotos der Demonstration an das Ordnungsamt schicken. Sollte weiterhin nichts passieren, müssten die Kinder wohl jeden Morgen auf der Straße protestieren, sagt sie, und lacht dabei leicht verzweifelt.
Thema auch Teil landesweiter Aktion
Spannband-Aktion
Die Landesverkehrswacht Baden-Württemberg e.V., die Unfallkasse BW sowie das Land setzen sich gegen die steigende Zahl von Elterntaxis ein. Beim Projekt „Geh(t) doch! – Schulweg ohne Elterntaxi“ werben in den nächsten Wochen rund 2000 Banner vor Schulen für den Schulweg zu Fuß.
Startschuss
Ziele der Aktion sind die Erhöhung der Verkehrssicherheit im Schulumfeld, die Förderung der Eigenständigkeit von Kindern auf dem Schulweg und die Sensibilisierung für die Gefahren von Elterntaxis. Die Aktion startete am 1. Dezember an der Teichwiesenschule in Korntal-Münchingen.