Auf der Steinheimer Ortsdurchfahrt bleibt vorerst alles beim Alten. Sprich: Es muss weiter bei 40 der Fuß vom Gaspedal genommen werden. Foto: Archiv (avanti)

In Steinheim sollten aus Schutz vor Lärm auf den Ortsdurchfahrten die Vorgaben verschärft werden. Doch da spielt das Kreishaus nicht mit.

 
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Vor einigen Jahren hatten sich viele Kommunen noch die Zähne daran ausgebissen, über den Lärmaktionsplan für ihre Durchgangsstraßen Tempo 30 bewilligt zu bekommen. Doch zwischenzeitlich wurden die strengen Vorgaben gelockert, sodass eigentlich auch die Steinheimer Räte und die Verwaltungsspitze guter Dinge waren, für ihre Hauptverkehrsadern dieses Ziel in einem neuerlichen Anlauf erreichen zu können. Doch diese Hoffnung hat sich in den vergangenen Wochen mehr und mehr zerschlagen. Der Gemeinderat verabschiedete deshalb am Dienstagabend quasi notgedrungen einen Kompromiss, der mit den ursprünglichen Vorstellungen der Runde nicht mehr viel zu tun hat.

Teilerfolg für Höpfigheim

Im Entwurf für den Lärmaktionsplan hatte man noch eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von aktuell 40 auf künftig 30 in der Ludwigsburger Straße und der Marktstraße sowie in der Kleinbottwarer Straße und der Ortsdurchfahrt in Kleinbottwar gefordert. Darüber hinaus sollten Autofahrer auf der Hauptachse in Höpfigheim schon bei 30 und nicht erst bei 50 wie jetzt den Fuß vom Gaspedal nehmen müssen. Ferner war angedacht, auf der Höpfigheimer Straße zwischen Murrer Straße und Karlstraße die maximal zulässige Geschwindigkeit von 50 auf 30 zu senken. Tatsächlich beschlossen wurde nun aber lediglich, kurzfristig in Höpfigheim, auf der Höpfigheimer Straße zwischen Murrer Straße und Karlstraße sowie zusätzlich auf der Murrer Straße ein Tempo-40-Schild anbringen zu lassen.

Das Ziel bleibt unverändert

Bürgermeister Thomas Winterhalter machte keinen Hehl daraus, dass all das nicht unbedingt ein großer Wurf ist. „Das soll aber noch nicht das letzte Wort sein“, beteuerte er. Perspektivisch halte man weiter am Ziel fest, die Geschwindigkeit auf 30 zu drosseln. Im Moment sei aber nicht mehr herauszuschlagen gewesen. „Natürlich möchte man erst einmal das Maximum erreichen, was den Lärmschutz anbelangt“, erklärte er. Doch die ursprünglichen Forderungen, das habe sich in den Gesprächen mit dem Landratsamt Ludwigsburg zuletzt angedeutet, wären ohnehin kassiert worden. Diese Befürchtung teilte wohl auch das Gros der Runde. Denn für einen Antrag der Grünen, weiter an dem Maßnahmen-Katalog aus dem Entwurf festzuhalten, fand sich keine Mehrheit.

Angst vor zu großen Zeitverlusten

Jetzt war es aber auch nicht so, dass das Landratsamt die Bemühungen der Stadt nach Tempo 30 willkürlich ausgebremst hätte. Planerin Gutrun Bentele vom Büro Kurz und Fischer hatte zuvor darauf hingewiesen, dass in die Abwägung nicht nur die Lärmbelastung, sondern auch andere Faktoren mit hineinspielten – wie die Auswirkungen auf den ÖPNV. Und genau hier war für das Kreishaus und die betroffenen Busunternehmen der Casus knacksus. Der Tenor ihrer Rückmeldungen: Wenn die Fahrzeuge auf mehreren Abschnitten nur noch mit 30 statt wie jetzt mit 40 oder 50 unterwegs sein dürften und das dann auch in den Nachbarkommunen künftig so oder so ähnlich gehandhabt werden soll, summiere sich das unterm Strich zu einem zu großen Zeitverlust auf. „Deshalb bevorzugt der ÖPNV ganz klar Tempo 40 statt Tempo 30“, fasste Gutrun Bentele zusammen.

Grünen-Rat kann Argumentation nicht folgen

Eine Argumentation, die Rainer Breimaier von den Grünen nicht ohne Weiteres schlucken wollte. Er meinte, dass sich die Busse doch auch jetzt schon schwertäten, sich mit mehr als 30 Sachen durch die Straßen zu quetschen. Der Zeitverlust könne also in der Praxis gar nicht so gravierend sein – selbst auf das ganze Bottwartal bezogen.

Flickenteppich nicht erwünscht

Gutrun Bentele gab jedoch zu bedenken, dass auch aus reinen Lärmschutzgründen keinesfalls auf ganzen, längeren Strecken 30er-Schilder bewilligt worden wären, sondern nur punktuell. Das hätte dann aber bedeutet, in den betroffenen Straßen mit einem Flickenteppich von verschiedenen Geschwindigkeitszonen arbeiten zu müssen. Im Sinne der Einheitlichkeit sei es also momentan ebenfalls am besten, nicht auf eine Reduzierung auf 30 Sachen zu pochen.