Noch ist unklar, wie es zu dem schweren Unfall auf der A9 kommen konnte. Foto: dpa

Noch ist völlig unklar, wie es zum dem schweren Unfall auf der A9 kommen und der Reisebus so schnell in Brand geraten konnte. Wir haben einen Verkehrssicherheitsexperten gefragt, wie sicher Bahn und Busse als Verkehrsmittel sind.

Stuttgart/Münchberg - Bei demtragischen Busunglück auf der A9 in Nordbayernsind 18 Menschen ums Leben gekommen, 30 Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. Dabei gelten Busse eigentlich als sehr sicher. Wir sprachen mit dem Verkehrssicherheitsexperten des Internationalen Bustouristik Verbandes RDA, Johannes T. Hübner, über die Sicherheit im Bus-Reiseverkehr:

Herr Hübner, wie sicher ist der Bus-Reiseverkehr in Deutschland?
Die letzten zwei Jahre hatten wir keine Unfälle mit Getöteten. Die Unfallereignisse hatten mehr oder weniger mit Dritten oder den Außenbedingungen zu tun und nicht ursächlich mit den Busfahrern und den Fahrzeugen.
Wie wird diese Sicherheit gewährleistet?
Zum einen durch die Technik: Wir haben eine strikte Lenk- und Ruhezeiten-Überwachung in allen Bussen. Die sogenannten EC-Kontrollgeräte zeichnen alles auf, was technisch im Bus innerhalb von 31 Tage anfällt. Die Busunternehmen sind verpflichtet, diese Daten abzuspeichern und ein Jahr lang zu archivieren. Dasselbe gilt für die Fahrerkarte, die ebenfalls 31 Tage umfasst. Dadurch haben wir eine große Ruhe in das Thema Lenk- und Ruhezeiten reingekriegt. Wir haben keine übermüdeten Fahrer mehr.
Wie sieht mit der Kontrolle bei Busfahrten aus?
Die technische Kontrolle geschieht durch den Fahrer selbst nach jeder Ruhepause, indem er um den Bus läuft und feststellt, ob irgendwo was ausläuft oder zischt. Die Checklisten haben dazu geführt, dass wir keine Probleme mehr mit Bussen haben, die schon mit Defekten losfahren.

Und was ist mit Fahrern?
Laut EU-Verordnung müssen die Busfahrer alle fünf Jahre insgesamt fünf Fortbildungsmodule absolvieren, die bei der Führerscheinverlängerung vorgelegt werden müssen. Diese Module umfassen Themen wie Fahrsicherheit, Umgang mit Fahrgästen, Lenk- und Ruhezeiten, gesunde Ernährung sowie technische Fragen.
Pkws müssen alle zwei Jahre zum TÜV. Wie ist das bei Bussen?
Alle sechs Monate werden die Fahrzeuge von amtlicher Seite inspiziert werden. Diese halbjährliche Zwischenuntersuchung ist zwingend und wird mit einem Aufkleber am Bus dokumentiert. Hinzu kommt die jährliche Hauptuntersuchung durch den TÜV.
Wie alt sind die Fern- und Reisebusse im Durchschnitt, die auf deutschen Straßen herumfahren?
Im Reiseverkehr haben wir überwiegend neue Busse unter sechs Jahren. Die meisten Busse sind nicht älter als zehn Jahre. Seit 2007 gilt für alle Busse verpflichtend der Sicherheitsgurt für die Fahrgäste sowie moderne Sicherheitsstandards wie Scheibenbremsen. Das Problem mit alten Bussen haben wir weder im Fernverkehr noch im Reiseverkehr. Der Kunde sitzt heute nicht mehr in einem 20 Jahre alten Tetra-Bus.
Beruhigend zu hören. Wie verhält sich beim Busfahren mit dem Tempomat?
Das Abstandshaltung-System, das mit dem Tempomat gekoppelt ist, kann man in Bussen abschalten. Aber Busse fahren wenig mit Tempomat, weil sie immer in den 90-Stundenkilometer-Bereich des Lkw- Verkehrs mitfahren. Da ist der Tempomat nicht sehr hilfreich. Auch die Abstandswarnung kann man abschalten, aber nicht das Notbremssystem.
Was sagen Sie als Verkehrssicherheitsexperte zu dem Unglück bei Münchberg?
Es ist ganz furchtbar, was da passiert ist. Viele hatten befürchtet, dass es durch die Ausweitung des Fernlinienverkehrs zu einer Zunahme von Unfällen kommen könnte. Aber der Fernbus-Verkehr funktioniert gut. Das System Bus ist sicher. Diese Botschaft darf jetzt nicht verhallen.

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