Die Hemminger wollen eine Querungshilfe, damit ihre Kinder sicher über die Straße kommen, die Ditzinger den Ausbau einer Straße – in beiden Fällen können sie bisher nicht handeln. Foto: dpa


In Hemmingen hoffen besorgte Eltern auf einen Überweg, in Ditzingen ärgern sich Autofahrer täglich über Stau: Die Kommunen würden die Probleme gerne lösen, doch das Land lässt sich Zeit.

Strohgäu - Unter den Hemmingern hat sich viel Frust breitgemacht. Vor allem Eltern aus dem Neubaugebiet Hälde sind sauer. Sie sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Weg zur Grundschule. Dazu müssen die Mädchen und Jungen beim Bahnhof auf die andere Seite der viel befahrenen Hochdorfer Straße gelangen.Aus Sicht der Bürger ist ein Überweg, im Idealfall eine Ampel, dringend nötig, damit Kinder wie Erwachsene die Landesstraße gefahrlos queren können. Nadja Albrecht, Mutter einer achtjährigen Tochter, klagt: „Wir fühlen uns von der Politik nicht ernstgenommen.“ Die 42-Jährige geht sogar einen Schritt weiter: „Wir sind machtlos und fühlen uns ausgeliefert, weil wir einfach nichts tun können, obwohl wir von der Gemeinde eine richtig gute Rückendeckung haben.“

So deutlich hat es der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) nie ausgedrückt, wenngleich auch er bisweilen ungehalten wirkt. Er hat es regelmäßig mit genervten Autofahrern zu tun, die im Berufsverkehr auf dem Weg zu und von der A 81 im Stau stehen. Auch er wartet auf ein Votum des Landes für den Ausbau der Siemensstraße. Denn dafür muss zunächst eine Landesimmobilie weichen.

Verschiedene Gründe, ähnliche Folgen

Ob es wie in Hemmingen um die Sicherheit auf dem Weg zur Schule geht oder wie in Ditzingen um den Ausbau einer Straße – hier wie da tut sich nichts. Zwar gibt es Vorschläge zur Problemlösung. Doch den Rathauschefs sind die Hände gebunden, da die Entscheidung beim Land liegt. Und das lässt sich damit bisweilen sehr viel Zeit: Die Hemminger positionierten sich 2016, die Ditzinger gar schon 2014, als der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu Besuch kam.

Die Gründe für den Zeitverzug sind verschieden, die Folgen ähnlich: Die Entwicklung im Ort stockt, die Bürger sind unzufrieden.

Dem Hemminger Bürgermeister riss im Juli der Geduldsfaden. „Ich habe mehrfach im Verkehrsministerium nachgehakt und keine Antwort bekommen. Deshalb habe ich mich an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt, die nächsthöhere Stelle“, sagt Thomas Schäfer (CDU). „Mir blieb nichts anderes übrig.“ Daraufhin habe sich im August ein Mitarbeiter aus dem Staatsministerium gemeldet, mit dessen Unterstützung für Ende Oktober ein Termin im Verkehrsministerium vereinbart wurde. Den hatte sich der Rathauschef hart erkämpft.

Bürgermeister als Bittsteller, aber auch Ansprechpartner

Thomas Schäfer beschreibt die Warterei als frustrierend. „Man wird ungeduldig, so geht es einem doch schon, wenn eigene Projekte stocken“, sagt er. In Sachen Ampel sei er nicht nur Bittsteller, er sei auch Ansprechpartner für die genervten Gemeinderäte und Bürger. „Ich habe regelmäßig über den Stand informiert und vermittelt, dass die Gemeinde nicht schuld ist“, sagt Schäfer. Er ärgert sich. Der floskelhafte Ausdruck „Politik des Gehörtwerdens“ habe an dieser Stelle nicht zugetroffen. „Man will, dass die Bürger sich beteiligen. Dann muss man ihnen aber auch Gehör schenken“, findet Thomas Schäfer.

Dass es für die Jüngsten aus der Hälde keinen geeigneten Schulweg gibt, ist dem zuständigen Landratsamt Ludwigsburg seit einer Verkehrsschau vor zwei Jahren bekannt. Es tat sich nichts, die Hemminger wandten sich schließlich ans Verkehrsministerium als übergeordnete Behörde, das fast ein dreiviertel Jahr lang nicht auf das Anliegen reagierte. Auf die Petition mit 300 Unterschriften im Januar folgte nicht einmal eine Empfangsbestätigung.

Im Verkehrsministerium ist einiges schiefgelaufen

Auch die Stadt Ditzingen hätte gerne längst einen Gesprächstermin mit der Landesbehörde gehabt, dem Amt für Vermögen und Bau. Doch die Entscheidung des Landes steht aus, ob, wann und zu welchen Konditionen es sich von der Landesimmobilie trennt. Im Hemminger Fall deutet sich jetzt wenigstens Bewegung in der Sache an. Das Verkehrsministerium gab einen Fehler zu. „In der Verwaltung ist leider einiges schiefgelaufen“, teilt ein Sprecher mit. Dass keine Rückmeldung erfolgte, habe keine politischen Gründe. „Das Anliegen aus Hemmingen ist schlicht auf einem Schreibtisch liegengeblieben“, sagt er und verweist auf die vielen Ebenen, die Anträge im Ministerium durchlaufen. Mit dem Termin im Oktober mit allen Beteiligten wolle man nun „alle Enden in dieser vielschichtigen Kommunikation zusammenbinden“.

An der Haltung der Eltern ändert das nichts, solange es sich nur um eine Ankündigung handelt: „Wir sind sehr enttäuscht, dass es nicht vorangeht“, sagt die Mutter Nadja Albrecht. Zumal der Verkehr wegen der Baustelle auf der A 81 zugenommen habe, zumindest gefühlt. „In der Hälde gibt es zugleich immer mehr Kinder. Sobald dort der Kindergarten öffnet, haben auch die Eltern ein Problem, die aus Richtung Bahnhof kommen. Es geht hier um Menschenleben“, sagt die 42-Jährige. Und sie ist nicht allein mit dieser Ansicht. Jeder, der die Verkehrssituation an der Hochdorfer Straße kenne, sage, dass sie gefährlich sei.

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