Mit dem Kinderwagen sei der Weg an dieser Stelle durch die wild wuchernden Brennnesseln unpassierbar geworden – und das Ausweichen auf die Straße ist gefährlich, sagen Betroffene aus dem Dachswald. Foto: z/privat

Wildwuchs von Brennnesseln zwingt Fußgänger im Dachswald in Stuttgart, auf die Straße auszuweichen. Noch ist unklar, wer fürs Stutzen zuständig ist. Abgesehen von diesem Ärgernis haben Brennnesseln übrigens vor allem Vorteile.

Vaihingen - Die Natur wird im Allgemeinen gern gesehen – wenn sie sich nicht am falschen Ort befindet. Letzteres ist offenbar im Dachswald der Fall. Dort ragen Brennnesseln und Hecken auf den Gehweg. Ein Leser unserer Zeitung mahnt dies an und weist auf die Gefahren hin, die mit dem nötigen Ausweichen auf die Straße verbunden sind.

„Wie Sie vielleicht in den letzten Wochen selbst mitbekommen haben, ist der Weg vom Dachswaldweg zur Bushaltestelle Richtung Kaltental inzwischen so massiv mit Brennnesseln und Hecken zugewachsen, dass man den Bürgersteig kaum noch benutzen kann“, schreibt er unserer Zeitung. Mit einem Kinderwagen sei die Situation noch deutlich gefährlicher, weil man da in der unübersichtlichen Kurve auf die Straße ausweichen müsse. Die Kurve sei für vom Dachswaldweg kommende Fahrzeuge jedoch nicht einsehbar, der Bus müsse bei Gegenverkehr regelmäßig mit den Hinterrädern auf den Bürgersteig ausweichen. „Somit kommt es hier zu sehr gefährlichen Situationen, mit Kinderwagen gar lebensbedrohlichen Situationen“, schreibt der Mann.

Die Stadt ist in Kontakt mit dem Land

Diese Thema habe er bereits letztes und vorletztes Jahr angemahnt, woraufhin die Stadt aber nur kurzfristig tätig geworden sei. In diesem Jahr weise das zuständige Amt das Thema aber komplett ab, „mit der Begründung, dass es sich hier um Brennnesseln vom Land und nicht von der Stadt handele und dafür kein Budget vorhanden sei. Aus der Sicht unseres Lesers ist es besonders ärgerlich, dass das Forstamt circa 100 Meter weiter entfernt den Waldweg bis zum Waldheim Heslach „meterbreit gemäht hat und nicht in der Lange ist, auf zehn Meter Länge an dieser gefährlichen Stelle Brennnesseln zu entfernen und für die Sicherheit der Anwohner zu sorgen“.

Momentan ist noch nicht abschließend geklärt, in welche Zuständigkeit das betroffene Flurstück beziehungsweise die angrenzenden Flächen, auf denen die Pflanzen wachsen, fallen – Land, Stadt oder privater Grund, antwortet Ann-Katrin Keicher auf Anfrage unserer Zeitung.

Damit das gefahrlose Passieren so schnell wie möglich gewährleistet werden könne, sei das Garten-, Friedhofs- und Forstamt mit der Landesforstverwaltung in Kontakt. „Hier haben wir die Dringlichkeit des Anliegens betont. Sollte die Stadt zuständig sein, werden wir den Gehweg unverzüglich freischneiden.“, sagt Ann-Katrin Keicher.

Die Brennnessel brennt zwar, aber sie ist ökologisch wertvoll und sehr gesund

Dass Brennnesseln weichen müssen, wenn sie Fußgängern den Gehweg streitig machen, versteht sich von selbst. Die Brennnesseln an sich jedoch, von denen viele auf jenem Flurstück im Dachswald gedeihen, haben unter Naturschützern einen guten Ruf. Gerade in Zeiten, in denen das Insektensterben beklagt wird, bieten sie den Raupen von circa 50 Schmetterlingsarten Nahrung, darunter das Tagpfauenauge und der Admiral, die sogar auf die Brennnessel angewiesen sind.

Von den bis auf die Antarktis weltweit vorkommenden, zwischen rund zehn Zentimetern bis zu rund drei Meter hohen Brennnesselarten sind in Deutschland die Große Brennnessel, die Kleine Brennnessel, die Pillen-Brennnessel und die Röhricht-Brennessel am verbreitetsten. Die Große Brennnessel ist eine an Mineralen und Vitaminen reiche Heilpflanze, die etwa doppelt so viel Vitamin C enthält wie Orangen. Sie enthält zudem Vitamin A, viel Eiweiß, Eisen und Mineralstoffe wie Magnesium, Silizium und Kalzium. Weitere Inhaltsstoffe sollen sogenannte Antioxidantien sein, die den Alterungsprozess verlangsamen. Man kann Brennnesseln als Suppe, Tee oder Gemüse verzehren. Die Pflanze schmeckt ähnlich wie Spinat, hat aber einen etwas säuerlichen Touch.

Aus der Nessel lassen sich auch Klamotten machen

Heutzutage wenig bekannt ist, dass Brennnesseln einst zum Färben verwendet wurden und Rohstoff für Textilien waren. In China werden seit Jahrhunderten Stoffe aus der Pflanze hergestellt, und in der Zeit um 1900 galt in Deutschland Stoff aus Nesseln als Leinen der armen Leute. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Deutschland wegen Baumollknappheit Uniformen aus Nesselstoff produziert.

Brennnesseln sind also in vieler Hinsicht ein Gewinn, aber man sollte ihrer Brennhaare wegen, die die Pflanzen zum Schutz vor Fressfeinden haben, nicht in sie hineinfallen. Die ameisensäureartigen Substanz an den Nesselhaaren verursacht brennende und juckende Bläschen, was ihr einen schlechten Ruf eingebracht hat. Und freilich wenn sie den Weg versperrt.

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