Mit der Mobilität hapert’s in L.-E. dort, wo verschiedene Verkehrsarten aufeinandertreffen, sagt Bürgermeisterin Eva Noller. Foto: N. J. Leven

Der Gemeinderat in L.-E. gibt Gutachten für ein Mobilitätskonzept in Auftrag. Kurz vor der Wahl setzen sich die Verkehrsexperten noch einmal in Szene.

Leinfelden-Echterdingen - Die Ausganglage ist nach dem Eindruck der Ersten Bürgermeisterin Eva Noller „sehr gut“: Es gibt vier S-Bahn-Haltepunkte in der Stadt, die Stadtbahn fährt auch bis Leinfelden, die Radwegverbindungen sind gut. „Aber: Insgesamt gibt es zu viel Kfz-Verkehr. Es hapert dort, wo die verschiedenen Verkehrsarten aufeinandertreffen“, stellt sie fest. Und Versorgungslücken sind für die Stadtteile Musberg, Stetten und den Südwestzipfel von Echterdingen auch bereits eindeutig identifiziert.

Das sind einige von vielen Gründen, warum die OB-Stellvertreterin und der komplette Gemeinderat glauben, dass dem Verkehrsgeschehen in Leinfelden-Echterdingen in Zukunft nicht ohne eine Mobilitätsstrategie beizukommen ist. In den nächsten drei Jahren soll deshalb (wie bereits berichtet) ein ganzheitliches Mobilitätskonzept entwickelt werden. Der Anspruch dabei ist: den Menschen und der Wirtschaft gerecht zu werden und sowohl ökologische als auch städtebauliche Anforderungen zu erfüllen.

Aktuelle Daten fehlen

Um richtig loslegen zu können, werden jedoch aktuelle Daten benötigt. Die letzten Erhebungen für die Große Kreisstadt stammen von 2001, und so mancher Stadtrat äußert Zweifel daran, dass der Modal Split, die Verteilung der Menschen auf die verschiedenen Verkehrsmittel, von damals überhaupt stimmt. Acht Prozent soll beispielsweise der Anteil des Durchgangsverkehrs insgesamt betragen. Diese Zahl sehen einige als zu niedrig angesetzt an, während Judith Skudelny (FDP/LE-Bürger) sagt: „Diese acht Prozent reichen aber aus, um L.-E. morgens und abends lahmzulegen.“

Eine Verkehrsdiskussion ist kurz vor der Gemeinderatswahl (25. Mai) eine willkommene Gelegenheit für die Stadträte, sich in Szene zu setzen. So kommentiert der Freie-Wähler-Fraktionschef Hans Huber den Redebeitrag der CDU-Kollegin Ilona Koch mit einem hämischen Zwischenruf: „Schöner Aufsatz. Eins!“ Und die seit etwas mehr als sechs Monaten amtierende Bürgermeisterin wird mit detailverliebten Ratschlägen geradezu überschüttet. So fordern Huber und andere Kollegen, die Verkehrsmengen und -arten nicht hochzurechnen, sondern zu zählen und die Verkehrsteilnehmer zu Beginn, Ziel und Anlass ihrer Fahrt zu befragen. Wolfgang Haug vermisst in den Ansätzen Aussagen zu einem Parkraummanagement, holt sich damit aber bei der Initiatorin eine Abfuhr: „Wir werden bei der Mobilitätsstrategie nicht mit Parkraummanagement anfangen. Das geht gar nicht“, sagt Noller und klingt dabei erstmals sehr energisch.

„Steuern und Umlenken ist jederzeit möglich“

Die Bürgermeisterin verweist Kritiker, die eine Einbindung in die Abläufe anmahnen, auf den Entwurf des Konzepts. Darin steht ausdrücklich, dass Stadträte der Lenkungsgruppe angehören. Verkehrsexperten im Gemeinderat regen auch einen Dialog mit Nachbarkommunen an (FDP), vermissen die Auswirkungen des demografischen Wandels (SPD), mahnen Transparenz gegenüber Bürgern zur Frustvorbeugung an (LE-Bürger) oder erheben schon jetzt einen Verzicht auf den Ausbau des bestehenden Straßennetzes zum Lieblingsergebnis (Grüne). Darauf reagiert Noller cool und bleibt im Bild: „Steuern und Umlenken ist jederzeit möglich.“

Zunächst sind aber nun die Bürger am Zug. 2500 Haushalte werden in einer Stichprobe schriftlich zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Bahn- und Buspassagiere werden an den S-Bahnhöfen befragt. Im Juli beginnen Experten dann Diskussionen zum Thema Mobilität.

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