Die Ritterstraße wird zur Fußgängerzone: Die elektrisch versenkbaren Poller an der Zufahrt beim Technischen Rathaus werden am Dienstag, 13. April, hochgefahren. Damit ist die Einfahrt nur noch eingeschränkt möglich. Die Ritterstraße wird zur Festung – aber es ist eine Festung mit Lücken.
Esslingen - Die Ritterstraße wird weiter zu einer Fußgängerzone aufgerüstet. Die elektrisch versenkbaren Poller an der Zufahrt beim Technischen Rathaus werden nach Angaben der Stadt am Dienstag, 13. April, hochgefahren. Die Zufahrt in die Straße mit Amtsgericht, Württembergischer Landesbühne (WLB), vielen Geschäften und Einrichtungen wird damit eingeschränkt und ist nur noch bestimmten Berechtigten erlaubt.
Schikane und Terrorschutz
Poller: Alles Poltern gegen die Poller hat nichts genützt. Trotz Kritik von Geschäftsleuten, Einzelhändlern, Anwohnern und Anliegern werden sie am morgigen Dienstag ihren Betrieb aufnehmen. Insgesamt kommen nach Angaben des städtischen Pressereferats neun feste und zwei versenkbare Poller zum Einsatz. An der Zufahrt in die Ritterstraße auf Höhe des Technischen Rathauses sollen sie nach dem Willen der Stadt eine „terrorsichere Barriere“ und eine Schikane bilden, um die Zufahrt außerhalb der Lieferzeiten zu verhindern. Die Gesamtkosten für die Installation der Poller beziffert die Stadt mit etwa 275 000 Euro, geliefert wurden sie von einer Firma in Wassenberg.
Durchfahrt wird eingeschränkt
Ausnahmen: Damit wird die Ritterstraße zur Festung. Rettungskräfte und Polizei sowie Fahrzeuge der WLB und des Amtsgerichts haben eine Ausnahmegenehmigung erhalten und können die Poller somit selbstständig absenken. Diese berechtigten Nutzer werden laut Esslinger Stadtverwaltung an ihren im System hinterlegten Kennzeichen erkannt und können so jederzeit passieren. Auch mit dem Fahrrad ist ein Befahren der Ritterstraße ständig möglich. Anderen Gruppen ist das nur während der Lieferzeiten montags bis sonntags von 6 bis 11 Uhr sowie von 19 bis 22 Uhr gestattet, wenn die Poller automatisch heruntergefahren werden. „In dieser Zeit ist der Transport von Gütern durch Anwohner und Gewerbetreibende zulässig“, teilt die Stadt mit. Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen dürfen dann in die Ritterstraße gefahren und abgeholt werden.
Regelmäßige Kontrollen
Regeln: Diese eisernen Regeln für die Ritterstraße werden eisern überwacht. Der Vollzugsdienst werde regelmäßig kontrollieren, teilt die Stadt mit: „Gemäß dem bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog für Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr wird das unrechtmäßige Befahren einer Fußgängerzone mit einem Kraftfahrzeug mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro geahndet.“ Wer beim unberechtigten Einfahren mit dem Auto einen Fußgänger innerhalb der Fußgängerzone gefährdet, muss noch tiefer in die Tasche greifen und mit einem Bußgeld in Höhe von 70 Euro rechnen.
Lücken in der Festung
Anlieger: Ganz uneinnehmbar wird die Festung Ritterstraße aber trotz des Hochfahrens der Poller nicht sein. Abseits der Fußgängerzonen sei die Zu- und Ausfahrt in die östliche Altstadt möglich, erklärt Michael Botsch vom Pressereferat der Stadt. Anlieger und der Lieferverkehr bis 7,5 Tonnen könnten durchgängig den Landolinsplatz, die Urbanstraße und den Ottilienplatz nutzen. Und auch der Briefkasten in der Ritterstraße soll seinen Angaben zu Folge weiterhin für alle erreichbar sein: Darum wird er am derzeitigen Standort vor dem Rewe abgebaut und vor der Schikane neu aufgestellt. Und auch für Störfälle und Probleme sieht sich die Stadt gewappnet: Bei einem Defekt der Steuerung könnten die Poller über eine Handbedienung heruntergefahren werden. Bei Stromausfall gebe es eine manuelle Notentriegelung. Und sollten die Poller so beschädigt sein, dass kein Herunterfahren mehr möglich ist, könnten die drei festen Poller herausgenommen werden, um die Zufahrt wieder frei zu bekommen.
Lücken in der Festung
Einzelhandel: Geschäftsleute hatten Kritik an der ihrer Ansicht nach zu spartanischen Ausgestaltung der Ritterstraße als Fußgängerzone geübt. Doch Michael Metzler von der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) erklärt, er stehe hinter dem Projekt. Er sei für keine autofreie, aber für eine „autoarme“ Innenstadt, und es mache keinen Sinn, Menschen auf der Suche nach einem Parkplatz in die Ritterstraße einfahren zu lassen. Dort gebe es nämlich kaum Stellplätze. Und der City-Manager Thomas Müller verweist auf Ideen und Pläne zur weiteren optischen Aufwertung der Ritterstraße etwa durch Sitzmobiliar, Außengastronomie, Spielgeräte oder Open-Air-Veranstaltungen.
Mehr Informationen stehen auf den Internetseiten der Stadt unter https://unterwegs.esslingen.de/ritterstrasse.
Die Ritterstraße wird zur Fußgängerzone
Die Idee: Die Stadt Esslingen erhofft sich von der Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone ein Ende des Parksuchverkehrs, eine Verringerung der Verkehrsbelastung und eine Steigerung der Aufenthaltsqualität. Der Charme des Viertels soll mehr zur Geltung gebracht, das Quartier aufgewertet werden.
Der Zeitplan: Anfang Februar wurde die Ritterstraße als Fußgängerzone beschildert und eingeführt. Während einer sechsmonatigen Testphase sollen Verkehrsströme in der östlichen Altstadt gemessen und die Akzeptanz des Projekts erfasst werden. Im Herbst soll dann über das weitere Vorgehen entschieden werden.
Beteiligung der Bürger: Interessengruppen und Bürger können Ideen zur Ausgestaltung der Ritterstraße bei der Stadt einbringen. Bisher ist laut Pressereferat die Anfrage eines Gastronomiebetriebes mit dem Wunsch nach Außenbestuhlung eingegangen: „ Derzeit läuft dazu die Abstimmung mit dem dafür zuständigen Ordnungsamt.“ In einer weiteren Stellungnahme fordere ein Anwohner die Stadt auf, sich darum zu kümmern, dass von der Fußgängerzone Ritterstraße keine Störungen der Anwohnerinnen und Anwohner in Form von Lärm oder Verschmutzung ausgehen.
Die Ausgestaltung: Das Stadtplanungsamt hat laut Pressereferat ein Landschaftsarchitekturbüro mit der Ausarbeitung einer Freiflächenplanung als Grundlage für die künftige Neugestaltung der Ritterstraße beauftragt. Dazu wird es im Sommer ein Bürgerbeteiligungsverfahren geben, in dem interessierte Bürger ihre Ideen in den Planungsprozess einzubringen können.