Weinstadt will die Elektromobilität mehr in den Blick nehmen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Neue Wege bei der Verkehrsplanung in Weinstadt: Zwar sollen alle Verkehrsteilnehmer zusammengedacht werden, doch der Fokus soll künftig auf Fahrrad und Elektromobilität liegen.

Weinstadt - Weinstadt will dem Vorbild Herrenberg (Kreis Böblingen) folgen und eine sogenannte integrierte Mobilitätsentwicklungsplanung, kurz IMEP, aufstellen. „Das ist eine Konzeption, die jede Mobilitätsform berücksichtigt: Rad, Auto, Fußgänger, öffentlicher Nahverkehr“, erklärt Rita Banzhaf, die im Weinstädter Stadtplanungsamt für die Themen Radverkehr und Mobilität zuständig ist. „Wichtig dabei ist, dass das große Ganze formuliert ist“ – wobei der Schwerpunkt auf Radverkehr und Elektromobilität liegen solle.

Planfortschreibung ist überfällig

Der erste Schritt in Richtung IMEP sei, den Lärmaktions- und den Verkehrsentwicklungsplan fortzuschreiben, führt Banzhaf aus. Beides ist in Weinstadt ohnehin überfällig. Schließlich stammt Letzterer aus dem Jahr 2003, und für Ersteren musste eine aktuelle Datenerhebung in diesem Jahr wegen Corona auf das nächste verschoben werden. Den dritten Grundstein bildet ein Radverkehrsentwicklungskonzept.

Im IMEP sollen dann die Analysen der Bestandsdaten zusammengeführt und gemeinsam mit den Bürgern Ziele und Leitlinien für die Zukunft festgelegt werden. Für die Bürgerbeteiligung sollen Weinstädter Haushalte befragt werden – sofern der Gemeinderat sein Okay für die IMEP gibt. Bislang hat das Stadtparlament lediglich zugestimmt, dass die Verwaltung Angebote externer Fachplanungsbüros einholen darf.

Banzhaf verspricht sich viel von dem Konzept, etwa „eine gute Vernetzung der dezentralen Strukturen Weinstadts“ aufgrund seiner fünf Teilorte. Zudem erhofft sie sich Erkenntnisse für anstehende Projekte, beispielsweise die Anbindung neuer Wohngebiete wie der Halde V in Endersbach und des Bürgerparks Grüne Mitte. Oder darüber welche Auswirkungen Neuerungen auf den Verkehr in der Stadt haben könnten, etwa die Umgestaltung der Endersbacher Einkaufsstraße zu einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich oder die geplante Radschnellstrecke zwischen Fellbach und Schorndorf, die auch durch Weinstadt führen wird.

Die IMEP „ist eine Entwicklungsplanung aus dem Bestand heraus und macht Vorschläge, wie der Verkehr nachhaltiger und moderner geregelt werden kann“, erläutert Banzhaf. Welchen Anforderungen etwa müsse der Park-and-Ride-Platz an der S-Bahnhaltestelle Stetten/Beinstein entsprechen, auf dem derzeit oft ein großes Chaos herrsche? „Das wird ein Riesenwerk.“ Zwei Jahre werde es wohl dauern bis die IMEP fertig sei, schätzt Banzhaf. Doch angesichts dessen, dass man darin die Verkehrsplanung der kommenden 20 Jahre in Blick nehmen möchte, ist dies ein vergleichsweise kurzer Zeitraum.

Konzepte der anderen Großen Kreisstädte

Andernorts ist man in Sachen integrierter Mobilitätsentwicklung (IMEP) schon weiter. So habe man in Fellbach bereits Projekte umgesetzt, um verschiedene Formen der Mobilität besser zu vernetzen, wie die städtische Pressesprecherin Sabine Laartz auf Nachfrage mitteilt. Dazu zähle „der Bahnhof der Zukunft“. Hierfür habe man etwa eine Leihradstation und ein Fahrradparkhaus eingerichtet. Ein weiteres Parkhaus speziell für Drahtesel ist derzeit noch im Bau. Anfang des kommenden Jahres werde es voraussichtlich fertig, kündigt Laartz an. Weitere Konzepte wolle man zusammen mit örtlichen Unternehmern bearbeiten. Eine IMEP in der Gestalt, wie sie Weinstadt vorhabe, gebe es allerdings nicht. Vielmehr seien in der aktuellen Verkehrsentwicklungsplanung entsprechende Konzepte hinterlegt.

Ähnlich hält es Winnenden. Auch dort sind entsprechende Leitlinien bereits in der üblichen Verkehrsentwicklungsplanung der Stadt formuliert, wie die Winnender Pressesprecherin Emely Rehberger erklärt. Konkrete Projekte seien daraus indes noch nicht abgeleitet und realisiert worden. Weiter ist da schon Backnang mit seinem „Green City Masterplan“, den die Stadt im Rahmen eines Bundesförderprogramms für Kommunen mit zu hohen Stickstoffdioxidwerten vor ein paar Jahren aufgestellt und zuletzt 2018 aktualisiert hat, wie Tobias Großmann, der Leiter des Stadtplanungsamts, berichtet. So verfolge man bereits Radinfrastrukturprojekte, aus dem „Green City Masterplan“ und sei gerade dabei, digitale Verkehrsleitsysteme zu erarbeiten. Im Grunde entspricht die Backnanger Planung einer IMEP, trägt aber einen anderen Titel.

Waiblingen will das Thema in den kommenden Jahren angehen. Demnächst muss die Stadt ihren Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahr 2011 fortschreiben. „Hierbei wird es auch um die Integration der unterschiedlichen Verkehrsträger und den Umgang mit neuen Mobilitätsformen und -angeboten sowie deren Wechselwirkung mit dem städtischen Raum gehen. Themen wie Barrierefreiheit im öffentlichen Raum werden darin ebenfalls behandelt werden“, kündigt Patrik Henschel an, der Leiter des Fachbereichs Stadtplanung. Dabei suche man auch den Dialog mit der Bürgerschaft, man wolle den Menschen die Möglichkeit geben, sich mit Ideen einzubringen.

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