Hier geht’s lang: Ein Polizist winkt an der Raststätte Sindelfinger Wald einen Lastwagenfahrer raus. Foto: factum/Jürgen Bach

Die Ludwigsburger Verkehrspolizei hat am Donnerstag an der Raststätte Sindelfinger Wald Lastwagen auf Herz und Nieren geprüft. Die Aktion ist Teil der Kampagne „Brummis im Blick“.

Stuttgart - So ganz wollen der Lkw-Fahrer und sein Kollege im Führerhaus die Sache noch nicht wahrhaben. Die Ludwigsburger Verkehrspolizei hat die Weißrussen auf den Rastplatz Sindelfinger Wald an der A8 gelotst. Sie sind auf dem Weg ins italienische Piacenza. Das Delikt: zu geringer Abstand zum Vordermann. Freundlich, aber energisch teilen sie den Beamten teils auf Englisch, teils gestikulierend mit, dass ein anderes Fahrzeug sie geschnitten habe und sie deshalb den korrekten Abstand nicht einhalten konnten. Doch keine Chance.

„Die Kollegen schauen da ganz genau hin“, erklärt ein Beamter. Falls wirklich mal ein Auto vor einem Lkw reinziehe, würden sie das bemerken. Schließlich geben die beiden jungen Männer im Lastwagen nach. Die 105 Euro Strafgebühr haben sie nicht in bar dabei, müssen erst ihren Chef verständigen, damit dieser ihre Kreditkarte freischaltet.

20 Polizeibeamte im Einsatz

„Wenn es ans Zahlen geht, dauert es meistens ein bisschen länger. Viele Fahrer bekommen zwar Tankkarten von ihren Chefs, haben aber kaum Bargeld dabei“, sagt Markus Eggensperger. Solche Verzögerungen bringen den Leiter der Verkehrsüberwachung der Ludwigsburger Verkehrspolizei nicht aus der Ruhe. Ohnehin sind die festgestellten Delikte im Rahmen des Trucker Safe Day am Donnerstagvormittag noch recht überschaubar. Nur einen Laster mussten die Beamten in den ersten beiden Stunden ganz aus dem Verkehr ziehen, weil die Auflaufbremse des Anhängers nicht funktionierte. Im Rahmen der bundesweiten 24-Stunden-Verkehrssicherheitsaktion „Brummis im Blick“ beobachtet die Polizei, ob die Lkw-Fahrer gegen Abstandsvorgaben verstoßen, ob sie „fahrerfremden Tätigkeiten“ nachgehen, also beispielsweise auf ihrem Smartphone tippen, ob sie zu schnell fahren oder gesetzeswidrig halten, zum Beispiel auf dem Standstreifen. Knapp 20 Beamte sind im Einsatz, sowohl auf dem Rastplatz als auch in Streifenwagen und auf dem Motorrad.

Ruhezeiten? Da hat sich einiges verbessert

Die meisten der rausgelotsten Fahrer haben Abstandsverstöße begangen. Ein Messgerät, platziert zwischen der Anschlussstelle Rutesheim und dem Rastplatz Sindelfinger Wald, hat sie überführt. „Das ist ein ganz typisches Delikt. Es hat auch mit der Verkehrsdichte zu tun“, erklärt Einsatzleiter Jens Jäger. Nachdem die Polizei die Fahrer über ihr Vergehen informiert und die Strafgebühr kassiert haben, beginnt eine allgemeine Kontrolle: die Beamten überprüfen Frachtpapiere, Lieferscheine, Adressen von Fahrern und Unternehmen, Genehmigungsurkunden. Sie überprüfen die Ladungssicherung, den technischen Zustand des Fahrzeugs und werten den digitalen Tachographen aus, der aufzeichnet, ob sich die Fahrer an die vorgeschriebenen Ruhezeiten halten.

Zumindest in dieser Hinsicht habe sich in den letzten Jahren einiges gebessert, sagt Markus Eggensperger: „Besonders die Fahrer der großen Lkw wissen mittlerweile, dass das kontrolliert wird“, sagt er. Die Delikte gingen deshalb deutlich zurück.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: