Viele Autos, wenig Platz: Die Stadt will den Leonhardsplatz umgestalten. Foto: Cedric Rehman

Der Charakter des Quartiers könnte sich in Zukunft von Grund auf ändern, wenn der Stuttgarter Leonhardsplatz verkehrsberuhigt und umgestaltet wird. Doch die Geschäfte und Lokale im Leonhardsviertel reagieren verhalten.

S-Mitte - Veronika Kienzle, Chefin des Bezirks Mitte, fasst den Zweck des Vorhabens in einem Satz zusammen. „Es soll schöner werden am Leonhardsplatz“, sagt sie. Das gesamte Karree um die Leonhardskirche wünsche sie sich nach dem Abriss des Züblin-Parkhauses 2023 als verkehrsberuhigte Zone, meint sie. „Wir würden gerne schon mal schauen, was im Vorgriff bereits möglich ist“, sagt die Bezirkschefin.

Die Stadt scheint den Wunsch der Bezirksvorsteherin nun zu erhören. Der Autoverkehr soll laut Verwaltung an der Leonhardstraße zwischen Lazarettstraße und Jakobstraße sowie an der Jakobstraße zwischen Leonhardstraße und Hauptstätter Straße probeweise unterbrochen werden. Ein Straßenumbau sei noch nicht angedacht, heißt es. Johannes Dörrle vom Stadtplanungsamt präzisiert, dass eine Testphase für eine Verkehrsberuhigung zeitnah anstehe. Der Probelauf wäre laut Dörr eher auf Monate als auf Wochen angelegt und beträfe den Durchgangsverkehr, erklärt er.

Poser machen Lärm

Der Charakter des Quartiers könnte sich in Zukunft von Grund auf ändern, wenn ein verkehrsberuhigter Leonhardsplatz sich wieder mehr wie ein Platz anfüllt, glaubt Bezirkschefin Kienzle. „Im Moment ist das ja kein angenehmer Ort“, sagt sie. Sie spricht von Autos, die sich am Leonhardsplatz bisweilen Stoßstange an Stoßstange aneinander drängelten und Fahrern, die Kienzle als „Poser“ bezeichnet. Mit dem englischen Wort werden Autofahrer bezeichnet, die den Motor aufheulen lassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Solche „Poser“ nutzen das Karree rund um die Leonhardskirche für lautstarke Touren, beklagt die Bezirkschefin. Gerne hielten sie vor dem Lokal „Brunnenwirt“, um einen Imbiss zu bestellen, schildert die Bezirkschefin. Kienzle glaubt, dass es den Leonhardsplatz aufwerten würde, wenn er in der Stadt künftig mit mehr als „Posern und Würstchen“ identifiziert würde, meint Kienzle. Ein umgestalteter Leonhardsplatz könnte Geschäfte und Lokale anlocken, die mit dem Amüsierbetrieb im Leonhardsviertel nichts zu tun haben, ist sie überzeugt.

Stadt plant Test

Laut Stadt hat es auch schon Abstimmungsgespräche mit dem Gustav-Siegle-Haus und dessen Nutzern zu einer verkehrsberuhigten Zone gegeben. Es geht dabei um zwei Stellplätze am Leonhardsplatz für die 100 Philharmoniker. Das nach dem Industriellen Gustav Siegle benannte Haus beherbergt Stuttgarts Philharmonie und ist im Besitz der Stadt. Den Verlust von zwei Stellplätzen hält Albrecht Dürr von den Stuttgarter Philharmonikern für verkraftbar. Von einer Verkehrsberuhigung könnte das Gustav-Siegle-Haus dagegen profitieren, glaubt er. „Wenn der Leonhardsplatz eine schöne Fläche wird, käme uns das zupass“, sagt er.

Huth unterstützt Vorhaben

Heinrich Huth, Bezirksbeirat der SPD und Mitarbeiter der Jakobstube an der Jakobstraße, unterstützt das Vorhaben. Er störe sich auch an „PS-Boliden“, die rund um die Leonhardskirche Lärm um des Lärmes willen machten, sagt Huth. Er regt an, dass Lokalen und Geschäften die Vorteile einer verkehrsberuhigten Zone schmackhaft gemacht werden sollten. „Ich könnte mir vorstellen, dass Geschäfte ihre Waren in Auslagen vor den Läden verkaufen könnten, wenn mehr Platz ist“, schlägt er vor. Veronika Kienzle hält den Vorschlag für erwägenswert, sollte ihn die Verwaltung für umsetzbar halten.

Die Geschäfte und Lokale am Leonhardsplatz reagieren verhalten. Die Inhaberin des American Store am Leonhardsplatz, Heike Keupp, hält nichts von Warenauslagen vor ihrem Geschäft in einer möglichen künftig verkehrsberuhigten Zone. „Ich habe schlechte Erfahrungen mit Diebstahl gemacht“, sagt sie. Ein für den Durchgangsverkehr gesperrter Leohardsplatz sei schlichtweg ungünstig für sie. „Viele Kunden parken eben gerne vor dem Laden“, sagt Keupp.

Das Lokal „Brunnenwirt“ will die Pläne der Verwaltung derzeit nicht bewerten. „Wir warten erst einmal ab“, heißt es vom „Brunnenwirt“.

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