So könnte die Überdeckelung der Autobahn 81 in Freiberg am Neckar aussehen. Foto: Susanne Mathes

Offiziell beworben hat sich Freiberg für die Internationale Bauausstellung 2027 Stadtregion Stuttgart zwar noch nicht. Andreas Hofer sieht in einer Überbauung der A 81 aber visionäres Potenzial.

Freiberg am Neckar - Freiberg ist sicher ein naheliegendes Projekt für die IBA. Es stimmt einfach vieles.“ Diese Einschätzung von Andreas Hofer, dem künstlerischen Leiter der Internationalen Bauausstellung 2027 Stadtregion Stuttgart, dürfte dem Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible am Donnerstag heruntergegangen sein wie Öl.

Schneegestöber und Lärmgetöse

Zwar ist Hofers Eindruck noch keine Aussage darüber, ob die Stadt Freiberg am Neckar mit ihrer Überlegung zu einer Überdeckelung und Überbauung der A 81 wirklich IBA-kompatibel ist – zumal sie, im Gegensatz zu rund 30 anderen bereits feststehenden Bewerbern, ihren Hut noch gar nicht offiziell in den Ring geworfen hat. Doch dass sich der IBA-Chef samt dem Regionalpräsidenten Thomas Bopp und dem in Sachen Autobahn-Überdeckelung kräftig die Werbetrommel rührenden CDU-Landtagsabgeordneten Fabian Gramling bei Schneegestöber und Lärmgetöse auf der Autobahnbrücke selbst ein Bild davon macht, dass die A 81 „einzig und allein Fluchtgedanken auslöst“ (Dirk Schaible), schadet der Freiberger IBA-Liebäugelei gewiss nicht. Ein Projekt wie dieses, sagt Hofer, passe ins Portfolio der Ausstellung, das Wandlungsprozesse im städtischen Raum „mit frischen, zukunftsgerichteten Projekten“ begleiten wolle. Und dies weniger in Gestalt von „Mustersiedlungen auf der grünen Wiese“ als mit Vorhaben im Spannungsfeld von Verdichtung, Umwandlung, Mobilität und der Aufhebung von funktionalen Trennungen.

Die Stadtteile zusammenbringen

Die Freiberger Idee: Ein halber Kilometer der Autobahn, die das Zentrum durchschneidet und es mit Lärm- und Schadstoffproblemen plagt, könnte mit einer Landschaftsbrücke überdeckelt und mit Wohn- und Bürohäusern in Leichtbauweise sowie einem Grünzug bebaut werden. Andreas Hofer, der sich mit solchen Szenarien auskennt – in Zürich, wo er sein Architekturbüro hat, wird ebenfalls ein durch die Stadt führender Autobahnabschnitt überbaut – findet diese Utopie in mehrerlei Hinsicht progressiv. Was die angedachte Leichtbauweise und dafür benötigte Faserverbundstoffe angehe, „werden in den nächsten Jahren Märkte entstehen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können“. Das mache das Projekt auch auf der Ressourcen- und Nachhaltigkeitsebene interessant.

Gleichzeitig sieht er die Überdeckelung in einem größeren Kontext: Als Baustein auf dem Weg einer Kommune, die in den 70er-Jahren ein künstliches Zentrum schuf, aber den Anschluss an den auf der anderen Autobahnseite gelegenen Stadtteil nicht schaffte. Dieser Brückenschlag könnte mit dem überbauten Deckel gelingen – im Zusammenspiel mit dem Neubau der Oscar-Paret-Schule und der geplanten Umgestaltung der Stadtmitte.

„Wer etwas hinbekommen will, muss den Anfang machen“

All das ist aber – vom Schulneubau abgesehen – Zukunftsmusik. Eine Machbarkeitsstudie signalisiert zwar grundsätzlich grünes Licht, und das Wirtschaftsministerium bezuschusst zunächst Planungen mit 55 000 Euro. Es gibt aber bisher weder eine konkrete Kostendimension noch Aussagen des Bundes zu Planspielen über der Fahrbahn. Technisch, rechtlich und brandschutzspezifisch sind die Aufgaben immens. „Wer etwas hinbekommen will, muss aber irgendwann den Anfang machen“, sagt Dirk Schaible. „Wir bauen ein Stück Zukunft. Dafür stellen wir Weichen.“

Auch wenn die IBA 2027 mit viel Herzeigbarem renommieren will: Man müsse nicht unbedingt nur Vollendetes, sondern könne auch Werdendes zeigen, sagen Andreas Hofer und Thomas Bopp. Gut möglich, dass sich das für Freiberg günstig trifft.

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