Der Verkehrsstrom durch Sielmingen ebbt nie ab, sagen Angelika Müller und Andreas Gehrung, die Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Jahr und Tag rollen massive Autoschlangen durch Sielmingen. Wie viele Fahrzeuge es wirklich sind, wurde jüngst dank einer Baustellenampel sichtbar. Engagierte Bürger wünschen sich Linderung und sind enttäuscht von Stadtverwaltung und Gemeinderat.

Gleicher Ort, gleiche Akteure, gleicher Lärm: Wieder stehen Angelika Müller und Andreas Gehrung an der zentralen Laichkreuzung in Sielmingen, und wieder müssen sie fast brüllen, um akustisch gegen den Verkehr anzukommen. Die Fahrzeuge, die von allen Seiten heranpoltern, verursachen viel Krach, und dabei ist längst noch keine Rushhour.

 

Schon mehrfach hat sich unsere Zeitung mit den beiden Sprechern der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen, kurz BVS, getroffen, um über die Verkehrsströme zu sprechen, die wegen der Lage zwischen der A 8 und der B 27 täglich durch den Filderstädter Ortsteil rumpeln, doch seither hat sich die Situation nach deren Gefühl noch verschlechtert, was dem neuen A-8-Anschluss an die Nordumfahrung Neuhausen geschuldet sei. „Jetzt ist es für die Autofahrer noch perfekter“, sagt Angelika Müller. Belegen können die Aktivisten die Zunahme nicht, „weil keine Messungen gemacht werden“, moniert Andreas Gehrung.

Doch hätten sie Augen im Kopf. An der Reutlinger Straße etwa entwickeln sich in den Stoßzeiten schier nicht enden wollende Autoschlangen. Darunter, auch das kann jeder sehen, mischen sich zahlreiche Lastwagen, obwohl für sie an der Bahnhofstraße ein Fahrverbot gilt.

Schon lange wünscht sich die Initiative daher Kontrollen. „Aber man geht einfach nicht ran“, sagt Andreas Gehrung. Stattdessen seien an der Reutlinger Straße zugunsten des Radschutzstreifens einseitig Parkplätze entfallen. Nun sei die Straße noch einladender für Fahrzeuge, findet er. Von der Stadtverwaltung und vom Gemeinderat ist er enttäuscht, da in seinen Augen nichts unternommen werde, um die Lage für die Menschen in Sielmingen zu verbessern. „Der politische Wille ist einfach nicht da“, lautet Andreas Gehrungs Urteil. Für ihn steht fest: Solange es keine Umfahrung gebe, werde sich am Grundproblem nichts ändern, „außer die Stadt schafft es, die Durchfahrt durch Sielmingen unattraktiv zu machen“.

Initiative und Gemeinderat fordern Verkehrszählungen

Fürs neue Jahr hat die BVS Wünsche. Eine alte Zahl besagt, dass bis zu 18 000 Fahrzeuge jeden Tag durch Sielmingen rollen, die Initiative hoffe aber auf neue Verkehrszählungen. Zumindest hier hat sie Rückenwind aus dem Gemeinderat, denn auch das Gremium fordert im Zuge der Diskussion um einen möglichen Verflechtungsstreifen auf der B 27 zwischen der Einleitung der B 312 und der Ausfahrt Filderstadt-Ost neue Zählungen vom Regierungspräsidium. Es wird nämlich befürchtet, dass der fünfspurige Ausbau zusätzlich Verkehr nach Bernhausen und eben auch Sielmingen ziehen könnte. So sieht es auch Andreas Gehrung. „Je besser die B 27 läuft, desto schlechter für uns.“

Ein großes Anliegen sind der Initiative auch die anstehenden S-Bahn-Bauarbeiten. Chaos wird befürchtet. Einen Vorgeschmack haben die Anwohner jüngst mit einer Sperrung am Kreisel Richtung Neuhausen bekommen, die per Ampel geregelt wurde. „Da ging nichts mehr“, erzählt Angelika Müller.

Durch die Staus sei sichtbar geworden, mit welchen Automassen Sielmingen konfrontiert sei. Andreas Gehrung hat alles mit Fotos dokumentiert. „Wir brauchen ein Verkehrskonzept, bevor die Baustelle losgeht“, betont er. Es gehe darum, die Belastungen für die Menschen zu minimieren. Angelika Müller sagt: „Konzepte werden immer für die Autofahrer gemacht, nicht für den Bürger.“