Prinz Philip sitzt auch mit 97 Jahren noch hinter dem Steuer Foto: dpa

Der ADAC und der baden-württembergische Fahrlehrerverband sehen keine Notwendigkeit, ältere Autofahrer regelmäßig zu testen.

London - Der Autounfall von Prinz Philip (97) hat die Diskussion über Senioren am Steuer wieder befeuert. In Ländern wie Italien oder den Niederlanden sind regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfungen für Senioren vorgeschrieben, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. „Unsere Statistiken zeigen: Ältere Menschen bauen deutlich weniger schwere Unfälle als andere Autofahrer. Ob jemand sicher Auto fährt, hängt nicht vom Geburtsdatum ab“, sagte er der „Bild“.

Auch der ADAC lehnt regelmäßige Fahrtauglichkeitsprüfungen und Gesundheits-Checks ab. „Der ADAC als Verband fordert keine bundesweite einheitliche Fahrtüchtigkeitsprüfung für ältere Menschen, wir als Verband sind der Ansicht, Senioren gefährden die Verkehrssicherheit in keinem ­höheren Maß als andere Bevölkerungsgruppen“, sagte ADAC-Sprecher ­Michael Kock unserer Zeitung.

Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr sei nicht das Lebensalter, sondern neben dem Gesundheitszustand des Fahrers auch die erworbene Fahrroutine. Die Gruppe der älteren Fahrer zeichne sich in der Regel durch einen an die Situation angepassten Fahrstil sowie vorausschauendes Fahren aus. Gleichwohl empfiehlt der ADAC freiwillige Untersuchungen. „Dies gilt vor allem für das Sehvermögen, das naturgemäß mit zunehmendem Alter nachlässt.“ Der ADAC bietet einen Fahr-Fitness-Check an, der älteren Autofahrern zeigt, wie es um ihre eigene Fahrleistung bestellt ist, die Nachfrage in Baden-Württemberg ist jedoch überschaubar.

Fahranfänger machen mehr Sorgen als Senioren

Auch der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg lehnt eine Fahrtauglichkeitsprüfung ab. „Im Rahmen der Unfallstatistiken für den Straßenverkehr machen uns die jungen Leute beziehungsweise die Fahranfänger viel mehr Sorgen als ältere Autofahrer“, sagte Jochen Klima. „Wir dürfen die Senioren aber deshalb nicht außer Acht lassen, die Unfallzahlen in diesem Bereich steigen langsam, aber stetig.“ Waren 1997 nur 2,8 Prozent unter den Unfallverursachern im Land älter als 75 Jahre, lag die Quote 2017 bereits bei 6,8 Prozent.

Fakt ist aber auch, dass Menschen ab 65 Jahren, bezogen auf ihren Anteil an der Bevölkerung, seltener in Unfälle verwickelt werden als jüngere Menschen. In Baden-Württemberg waren 2017 unter allen Verunglückten 11,6 Prozent älter als 65 Jahre; unter der Gesamtbevölkerung machen sie aber fast 20 Prozent aus. Allerdings trugen bundesweit bei allen Unfällen, an denen Ältere beteiligt waren, diese bei 67 Prozent der Unfälle die Hauptschuld, bei den mindestens 75-jährigen Menschen waren es sogar 75 Prozent. Zum Vergleich: In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es 65 Prozent.

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