An der Etzelstraße sollen Gehwegnasen die Autofahrer ausbremsen und so die Sicherheit der Fußgänger erhöhen. Foto: Archiv/Nina Ayerle

An Tempo 30 in der Etzelstraße halten sich nicht viele Autofahrer. Seit Jahren wird im Bezirksbeirat diskutiert, wie man die Autos ausbremsen und so die Sicherheit für Fußgänger, insbesondere für Kinder, erhöhen kann. Nun ist die Entscheidung gefallen: im Sommer 2016 sollen Gehwegnasen aufgebaut werden.

Süd - Es sei eine historische Entscheidung, sagte der Bezirksvorsteher Raiko Grieb in der Oktober-Sitzung des Bezirksbeirats: nach rund 15 Jahren, in denen im Stadtbezirk über die Etzelstraße diskutiert wurde, hat der Bezirksbeirat nun für eine Umgestaltung der Straße gestimmt, um die Autofahrer zu bremsen.

Aufgrund der kerzengeraden Strecke und der Breite der Straße hielten sich viele Autofahrer nicht an das vorgeschriebene Tempo 30, bemängeln Anwohner und Bezirksbeiräte seit Jahren. Unzählige Möglichkeiten wurden diskutiert, um die Sicherheit für Fußgänger, insbesondere für die Kinder, die den Kindergarten und die Jugendfarm an der Etzelstraße besuchen, zu erhöhen. Unter anderem war eine Umgestaltung der Parkplätze im Gespräch, die die Straße verschmälern sollte, die Fraktion der Grünen sprach sich gar für eine Sperrung der Etzel­straße aus Richtung Hohenheimer Straße aus. Wolf-Dieter Wieland von der FDP schlug in der Bezirksbeiratssitzung im Januar vor, „grüne Verkehrsinseln“ zu installieren.

Mehr Sicherheit vor allem für Kinder

In eine ähnliche Richtung geht nun der Vorschlag der Stadtverwaltung: Sie möchte an zwei Stellen Gehwegnasen einrichten, um Engstellen einzubauen und den Verkehr dadurch auszubremsen. Rainer Wallisch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung stellte die Pläne im Bezirksbeirat vor. „Die Nasen sollen im Bereich der Jugendfarm und des Kindergartens oberhalb der Kreuzung mit der Alexanderstraße eingerichtet werden“, erläuterte Wallisch. Dadurch wird die Fahrbahn an diesen Stellen auf dreieinhalb Meter verengt. Der Verkehr, der von unten, also aus Richtung Neue Weinsteige kommt, soll Vorrang haben.

Sorgen bereitete den Bürgern und Bezirksbeiräten auch die Kreuzung Etzelstraße und Neue Weinsteige. Sie fragten, ob man die Sicherheit der Fußgänger, die an der Einmündung die Etzelstraße überqueren wollen, nicht verbessern könnte, etwa durch ein Geländer am Gehweg oder eine Verlegung des Überwegs weiter in die Etzelstraße hinein. Diese Notwendigkeit sah das Stadtplanungsamt nicht. „In den letzten drei Jahren gab es hier keine Unfälle mit Fußgängern“, sagte Wallisch. Es gebe schon jetzt „drei Niveaus“, die Fahrbahn, die gepflasterte Gehwegüberfahrt und den höheren Gehweg. Das genüge, um Autofahrer und Passanten auf kreuzende Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen. Ein Geländer komme nicht in Frage. „Wir möchten, dass die Fußgänger keinen Umweg nehmen müssen, sondern die Straße auf direktem Weg queren können“, so Wallisch. Direkt an der Einmündung der Neuen Weinsteige seien die Passanten außerdem für die Autofahrer, die in die Etzelstraße einbiegen, besser sichtbar, als wenn sie hinter der Einmündung queren, ergänzte der Bezirksvorsteher Grieb.

Allee-Charakter bleibt erhalten

Der Vorschlag der Stadtverwaltung stieß bei der Mehrheit der Bezirksbeiräte auf Zustimmung. Corinne Brenner (Grüne), Wolf-Dieter Wieland (FDP) und Ulrike Holch (SPD) fragten, was aus dem Vorschlag wurde, Quer- statt Längsparkplätze einzurichten, den man in der Sitzung im Mai zur Sprache gebracht hatte. Wallisch entgegnete, er sei der Auffassung gewesen, dass man sich im Mai gegen Querparker ausgesprochen hatte. „Die jetzt geplanten Engstellen verlangsamen den Verkehr ebenso, und das ist einfacher, als die Parkplätze neu zu gestalten“, so Wallisch. Grieb ergänzte: „Durch das weiterhin mögliche Längsparken wird der Allee-Charakter der Etzelstraße bewahrt.“ Das sei auch im Sinne der Anwohner, bestätigten Reinhold Weh und Isabell Pfleiderer, beide Anwohner der Etzelstraße, die der Sitzung beiwohnten. „Mit dieser Lösung bleibt die wunderschöne Allee“, sagte Pfleiderer. „Der städtebauliche Charakter wird erhalten“, sagte Weh.

Norbert Retlich von den Grünen schlug vor, die Gehwegnasen optisch auffälliger zu gestalten, etwa durch eine Erhöhung des Randsteins, seine Fraktionskollegin Brenner sprach sich für eine Begrünung der Nasen aus. Ernst Udo Abzieher (AfD) schlug vor, Findlinge auf den Nasen zu platzieren. Das lehnte Wallisch allerdings ab. Die Vorschläge zu Grünflächen und einer Erhöhung werde er allerdings mitnehmen. Ebenso die Anregung der Bezirksbeirätin Brenner, die Fahrbahn mit dem Schriftzug „Tempo 30“ zu markieren. Der Vorschlag von Ulrike Holch, einen zusätzlichen Zebrastreifen anzubringen, fand keinen Zuspruch. „Ein Zebrastreifen ist in Tempo-30-Zonen nur in Ausnahmefällen möglich, und so einer ist hier nicht gegeben“, erklärte Grieb.

Umsetzung für Sommer 2016 geplant

Wieland wünschte sich, die Gehwegnase beim Kindergarten unterhalb der Kreuzung Alexanderstraße statt oberhalb davon anzubringen, um die Erreichbarkeit der Bushaltestelle Falbenhennenstraße zu erhöhen. „Das wäre sicherer für die Fußgänger“, so Wieland. Dem stimmten die Bezirksbeiräte zu. Bei zwei Enthaltungen sprachen sich 13 Bezirksbeiräte für den Vorschlag der Stadtverwaltung mit Option auf Verlegung der Nase unterhalb der Alexanderstraße aus. „Damit wird die Etzel­straße nach 15 Jahren Diskussion nun sicherer“, schloss Grieb den Tagesordnungspunkt. Die Verwaltung werde beauftragt, die Pläne schnellstmöglich umzusetzen. Wallisch sicherte zu, dass das noch im Sommer 2016 geschehen werde.

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