Stefanie Riegger und Christoph Aichele haben sich bisher noch nie gesehen, aber sie verfolgen dieselbe Idee. Foto: Caroline Holowiecki

Die Kritik am Verkehr auf der Kirchheimer Straße in Stuttgart-Sillenbuch ist der Dauerbrenner schlechthin. Mehrere Vorschläge zum Bürgerhaushalt drehen sich um eine Beruhigung der Ortsdurchfahrt. Mal wieder. Zwei Einwohner erklären, was sie erreichen wollen.

Sillenbuch - Stefanie Riegger und Christoph Aichele wohnen beide in Sillenbuch, haben sich aber noch nie zuvor gesehen. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen haben sie sich dennoch viel zu sagen, denn sie verfolgen dasselbe Ziel: die Lebensqualität der Sillenbucher verbessern. Unabhängig voneinander haben die 38-Jährige und der 50-Jährige ähnliche Vorschläge zum Bürgerhaushalt eingereicht. Beide drehen sich um eine Verkehrsberuhigung der Kirchheimer Straße, der Hauptverkehrsader.

Stefanie Riegger weiß, wovon sie redet, wenn sie in ihrem Beitrag schreibt, „durch Sillenbuch rasen nachts Autos, Lastwagen und Motorräder, was zu einer erheblichen Lärmbelästigung führt“. Sie wohnt unmittelbar an der Kirchheimer Straße und berichtet von Fahrern, die auf Höhe der Tankstelle nochmals richtig Stoff geben, und von Lastwagen, die nachts zügig durch den Ort poltern, „um 23 Uhr müssen die da nicht durch“, findet sie. Stefanie Rieggers Vorschlag mit der Nummer 50936 sieht daher vor, durch ein Tempolimit und entsprechende Kontrollen zu „einer erheblichen Entlastung der Anwohner“ beizutragen. Auch einen Blitzer könnte sie sich vorstellen. „Ohne Kontrollen bringt es nichts“, stellt sie klar.

Sie wollen nicht zurück in die Steinzeit, aber sie wollen Veränderung

Direkter Anwohner ist Christoph Aichele als Alt-Sillenbucher zwar nicht, doch „unsere Tochter ist früher auf die Deutsch-Französische Grundschule gegangen, jetzt geht sie aufs Geschwister-Scholl-Gymnasium. Dadurch sind wir mit der Straße gut vertraut“. Er betont: Es gehe ihm nicht um eine Fundamentalkritik am Auto, „wir wollen nicht zurück in die Steinzeit“. Doch beobachte er als jemand, der in Sillenbuch aufgewachsen ist und bereits in allen drei Ortsteilen gewohnt hat, dass sich die Kirchheimer Straße zur Durchgangsstraße für Auswärtige entwickle. „Hier wird der Weg zur Autobahn gesucht, das nimmt seit Jahren rapide zu“, sagt Christoph Aichele. Er mahnt: In der Gegend seien besonders viele Kinder und Senioren unterwegs. Um sie zu schützen, sieht sein Vorschlag mit der Nummer 50266 unter anderem vor, ein Durchfahrtsverbot für Laster zu installieren und durchgängig Tempo 30 fahren zu lassen, „gegebenenfalls kombiniert mit stationären Blitzern oder mobilen Kontrollen“. Auch zielt sein Beitrag auf eine bessere Taktung für Fußgängerampeln und neue Radwege ab.

Die Kritik an der Kirchheimer Straße ist fast schon so alt wie die Sillenbucher Durchfahrtsstraße selbst. In regelmäßigen Abständen kommt das Thema im Bezirksbeirat auf. Bei den früheren Bürgerhaushalten war der Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung stets mehrfach dabei. Auch in diesem Jahr sind die Vorschläge von Stefanie Riegger und Christoph Aichele nicht die einzigen, die sich um die Situation dort drehen. So wird etwa geräuschärmerer Flüsterfahrbahnbelag in Nummer 50254 ins Spiel gebracht, um die Situation für die Menschen „erträglich zu machen“. Andere Bürger fordern an unterschiedlichen Stellen Straßenüberquerungen, die Fußgängern und Radlern mehr Schutz bieten. Christoph Aichele fasst zusammen: „Es geht um einen Zustand, der sich zuspitzt.“

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