Seit Jahren ein Provisorium: Teile des Geh- und Radwegs an der Lohäckerstraße befinden sich auf Flächen, die den Landwirten gehören. Foto: Alexandra Kratz

Der Stau am Fasanenhof-Kreisel ist ein Dauerärgernis. Aus Frust, wie die Verwaltung damit umgeht, hat ein Bauer nun einen Vetrag mit Stuttgart gekündigt. Doch was bedeutet das.

Fasanenhof - Es ist schon fast eine Drohung gewesen. Helmut Günther meldete sich in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats bei den „Fünf Minuten für die Bürger“ zu Wort. Ihm ging es um die Diskussionen über den Stau im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost. Und um die ursprüngliche Idee der Stadtverwaltung, die Kurt-Schumacher-Straße in Richtung Landhauskreuzung zu sperren, um das Problem zu entschärfen. Diese Idee gefällt dem Landwirt ganz und gar nicht. Denn ebenso wie die Mitglieder des Bezirksbeirats und des Gemeinderats befürchtet er, dass dann noch mehr Autofahrer den Weg durch das Wohngebiet Fasanenhof und die Lohäckerstraße in Richtung Nord-Süd-Straße nehmen würden.

„Ich habe Mittel und Wege, das aufzuhalten“, sagte Günter. Er verwies darauf, dass er und sein Vetter Klaus Brodbeck Grundstücke beiderseits der Lohäckerstraße haben. Das allein könnte der Stadt egal sein. Aber Teile des Geh- und Radwegs entlang der Lohäckerstraße verlaufen auf den Flächen der Landwirte. Die Stadt hat diese lediglich gepachtet – bis jetzt.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat

Denn Klaus Brodbeck hat der Stadt eine Kündigung geschrieben. Der Stau im Gewerbegebiet und die Idee, die Kurt-Schumacher-Straße zu sperren, waren dafür der Auslöser, sozusagen der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Als die Stadt vor mehr als 30 Jahren den einstigen Feldweg zu einer regulären Straße ausbauen ließ, mussten Brodbeck und Günther dafür Flächen zur Verfügung stellen. In dem Pachtvertrag war zu lesen, dass die Eigentumsverhältnisse in absehbarer Zeit neu geregelt werden. Soll heißen: die Stadt will die für den Ausbau erforderlichen Flächen von den Landwirten kaufen oder zumindest dauerhaft pachten. Bis 2009 war der Vertrag zwischen der Stadt und den Landwirten unantastbar. Seitdem kann er jederzeit von einer der beiden Seiten gekündigt werden – was Brodbeck nun gemacht hat.

Aus Ärger darüber, dass so gut wie nichts geschehen ist. Im Jahr 2011 habe das Tiefbauamt mit ihm vereinbart, die Planungen voranzutreiben, sagt der Landwirt. Damals hätten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung einen groben Entwurf für den Ausbau der Straße vorgelegt und die Anlieger ihre Vorstellungen geäußert. Seitdem sei nichts mehr passiert. Und das, obwohl nicht nur die Landwirte, sondern auch der Möhringer Bezirksbeirat immer wieder einen endgültigen Ausbau der Lohäckerstraße gefordert haben.

Die Stadtverwaltung verfolgt mittlerweile eine andere Lösung

Dabei geht es vor allem um die Verkehrssicherheit. Die Straße ist eng, die Gehwege sind schmal und die Landwirte, die hüben wie drüben Äcker haben, müssen an einer unübersichtlichen Stelle die Straße mit ihren großen Fahrzeugen und Traktoren queren. „Wenn noch mehr Verkehr auf der Straße ist, wird das sicher nicht besser“, sagt Brodbeck. Er habe daran erinnern wollen, dass es seit vielen Jahren am anderen Ende des Fasanenhofs noch ein offenes Projekt gibt, das abgeschlossen werden sollte, bevor die Stadt an anderer Stelle den Verkehr umlenkt. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept. Bisher ist es immer nur Flickwerk“, sagt Brodbeck.

Die Experten bei der Stadtverwaltung sind inzwischen wieder davon abgekommen, die Kurt-Schumacher-Straße auf Höhe der Körsch in Richtung Landhauskreuzung zu sperren. Nicht nur der Bezirksbeirat, sondern auch die Mitglieder des Umwelt- und Technikausschusses waren dagegen. Darum werde diese Lösung vorerst nicht weiter verfolgt, sagt der Stuttgarter Verkehrsplaner Andreas Hemmerich.

Stattdessen wird nun eine andere Variante genauer geprüft und ausgearbeitet. Bei dieser werden die Autofahrer, welche die Bundesstraße  27 an der Ausfahrt Fasanenhof verlassen, zunächst ein Stück durch das Gewerbegebiet gelenkt. Sie können also nicht mehr direkt in den Kreisverkehr und dann weiter in Richtung Landhauskreuzung fahren, sondern müssen einen Umweg in Kauf nehmen und sich ebenfalls in die Verkehrsschlange einreihen. So soll es den Autofahrern auf dem Schelmenwasenring leichter gemacht werden, in den Kreisel einzufahren, weil sie nicht mehr von dem von der B27 kommenden Verkehr blockiert werden. „Wir wollen dem Stuttgarter Gemeinderat im ersten Halbjahr 2019 eine entsprechende Beschlussvorlage vorstellen. Einen positiven Beschluss des Gremiums vorausgesetzt, kann das Konzept dann auch noch im ersten Halbjahr 2019 als Verkehrsversuch umgesetzt werden“, kündigt Andreas Hemmerich an.

Ein Weckruf für die Stadtverwaltung

Eine Sperrung der Kurt-Schumacher-Straße ist also bereits wieder vom Tisch, Brodbecks Kündigung ist es hingegen nicht. Er sieht sein Schreiben als einen Weckruf an die Stadtverwaltung. Er betont aber auch: „Ich bin zu Verhandlungen bereit, und das ist auch noch nie anders gewesen.“ Helmut Günther fügt hinzu, dass, sollte es sich die Stadt noch einmal anders überlegen und doch die Kurt-Schumacher-Straße sperren, auch er seinen Pachtvertrag kündigen werde. „Ansonsten warte ich noch ein bisschen damit“, so sein Schlusswort.

Zu Brodbecks Kündigung des Pachtvertrags lag unserer Zeitung bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

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