Von der B 27 kommend können Autofahrer nicht mehr nach links zum Bäcker abbiegen und nicht mehr direkt in den Kreisel einfahren. Foto: Jacqueline Fritsch

Die Kritik am Kreisverkehr im Gewerbegebiet in Stuttgart-Fasanenhof reißt nicht ab. Obwohl er umgebaut wurde. Anwohner und Gewerbetreibende schlagen Alarm. Die Bäckerei Treiber trifft es besonders hart: Sie zählt täglich 100 Kunden weniger.

Fasanenhof - Für Wolfgang Treiber ist es schlicht eine Katastrophe. So drückt sich der Seniorchef der Traditionsbäckerei aus, wenn er von der neuen Verkehrsführung im Gewerbegebiet Fasanenhof spricht. „Für uns ist das regelrecht geschäftsschädigend. Wir verlieren viel Umsatz“, sagt Treiber. Früher habe er unter der Woche etwa 600 Kunden täglich in der Filiale Heigelinstraße gehabt. „Jetzt kommen pro Tag mindestens 100 Menschen weniger“, sagt der Bäcker- und Konditormeister. Das heißt, etwa ein Sechstel der Kundschaft bleibt weg. „Wir haben in diese Filiale unheimlich viel Geld investiert, eine große Terrasse und einen großen Parkplatz gebaut. Wir wollten der Nahversorger für dieses Gewerbegebiet sein. Dieser Funktion können wir nun gar nicht mehr gerecht werden“, sagt Treiber.

Ausgangspunkt für seinen Unmut ist der umgestaltete Kreisverkehr. Wer von der B 27 kommt, kann nun nicht mehr direkt in das Rondell einfahren, sondern muss ein Stück durch das Gewerbegebiet fahren, bevor er wenden kann. Damit einher geht auch, dass wer von der B 27 kommt, nicht mehr nach links zur Bäckerei Treiber abbiegen kann. Wer ein Brötchen oder eine Brezel kaufen will, muss erst eine Runde auf der Schelmenwasenstraße drehen. Allein darauf haben viele offensichtlich keine Lust und suchen sich stattdessen einen anderen Bäcker. Noch viel umständlicher ist es aber, wenn die Kunden den Treiber-Parkplatz wieder verlassen wollen. Denn wenn dieser voll ist, ist die Ausfahrt in Richtung Körschtal versperrt. Dann muss der Autofahrer entweder warten, bis diese wieder frei wird oder aber wieder zurück auf die B 27 fahren. „Das ist wirr“, sagt Treiber. Er hat sich bei der Wirtschaftsförderung beschwert. Nun wartet Treiber auf Rückmeldung von der Stadt.

Die Kommentare bei Facebook sind eindeutig

Die Schreinerei Kiess befindet sich direkt neben der Bäckerei Treiber. Der Seniorchef Alfred Kiess beobachtet den Verkehr im Gewerbegebiet schon lang mit Argusaugen. „Das grundsätzliche Ziel ist erreicht“, sagt er. Die Beschäftigten im Gewerbegebiet könnten nun seiner Beobachtung nach pünktlich Feierabendmachen, der Stau in den Abendstunden sei passé. Aber warum von der B 27 kommend die Linksabbiegespur zu Bäckerei und Schreinerei aufgegeben wurde, kann auch er nicht verstehen. „Diese Zufahrt sollte man wieder so machen, wie sie früher war“, so seine Forderung. Kiess ergänzt, dass er täglich Autofahrer sehe, welche die neue Verkehrsführung einfach ignorieren, und dass es dadurch immer wieder zu gefährlichen Situationen komme. „Außerdem sieht dieses Provisorium nicht schön aus. Viele regen sich darüber auf“, sagt Kiess.

Auch die Menschen auf dem Fasanenhof sind alles andere als begeistert. Die Kommentare auf der Facebook-Seite des Bürgervereins sind eindeutig. „Das ist der größte Schwachsinn, den Stuttgart je gesehen hat. Noch blöder geht es nicht mehr. Da wird sich auch nichts „normalisieren“, schreibt zum Beispiel Sebastian Haag und bekommt dafür fünfmal einen Daumen nach oben. Michael Betz kommentiert: „Morgens mehr Stau – danke. Abends überhaupt keine Besserung – danke.“ Und Andrea McTaggart berichtet auf Facebook: „Fahrer von auswärts sind einfach nur total verwirrt. Also lange dauert’s da auch nicht mehr bis zum ersten Unfall.“ Felix Eger versucht, der Sache noch etwas Positives abzugewinnen und schreibt: „Jetzt stehen zumindest alle im Stau und nicht nur die, die Richtung EnBW wollen, fairer Deal würde ich sagen.“

Nur negative Rückmeldungen beim Bürgerverein

Günther Joachimsthaler hat bisher ebenfalls nur negative Rückmeldungen bekommen. „Der umgestaltete Schelmenwasenkreisel ist ein Riesenproblem“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins. Das im Straßenverkehr eigentlich verbindliche Reißverschlussverfahren funktioniere nicht. Zwischen Lidl und Kreisverkehr, wo der Verkehr von zwei auf eine Spur geführt werde, komme es immer wieder zu brenzligen Situationen. Und dort, wo die Autofahrer nach der Ehrenrunde auf der Schelmenwasenstraße endlich abbiegen und wieder in Richtung Kreisverkehr fahren können, würden sie von den Geradeausfahrern oft nicht reingelassen. Das mache es schwierig für die Menschen, die auf dem Fasanenhof wohnen und eigentlich nur noch mal schnell was einkaufen wollten.

„Für die Beschäftigten der EnBW hat man vielleicht etwas Gutes getan, aber für die Bevölkerung war das ganz schlecht“, so Joachimsthalers Fazit. Das Problem habe sich nur verlagert. Schon die Ampel, welche im Frühjahr 2017 als Verkehrsversuch am Kreisverkehr aufgestellt wurde, um den Verkehr von der B 27 zurückzuhalten, sei „ein Witz“ gewesen. „Es war völlig klar, dass das zu Stau auf der Bundesstraße führt“, sagt der Bürgervereinsvorsitzende. Und die neue Regel am Kreisel sei abermals rausgeworfenes Geld.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: