Einsatz für mehr Verkehrssicherheit: Mit Schildern haben Kinder und ihre Eltern an die Autofahrer appelliert. Foto: z

Im Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen sind selbst gemalte Schilder der Eltern und Kinder in der Veit- und in der Alten Aldinger Straße entfernt worden. Sie waren nach dem Protest aufgehängt worden. Eltern sind verärgert.

Mühlhausen - Mitte November vergangenen Jahres hatte es in Alt-Mühlhausen an zwei Stellen eine Protestaktion von Eltern und Kindern gegeben. Die Protestierenden hatten dabei sowohl in der Veitstraße als auch in der Alten Aldinger Straße die Autofahrer aufmerksam gemacht, dass sie die Anliegerstraße beachten und mehr Rücksicht auf die Kinder nehmen, wenn diese die Straße überqueren. Diese Schilder wurden nun entfernt.

 

Es war eine Protestaktion, die auch auf den Schleichverkehr durch Alt-Mühlhausen aufmerksam machen wollte und die dabei oft rücksichtslosen Autofahrer, die sogar über Gehwege fahren und dabei immer wieder auch Schüler in Gefahr bringen. Eltern wollten zeigen, dass sie Angst haben, wenn ihre Kinder auf diesen Wegen zur Schule unterwegs sind.

Ins Gewissen geredet

Stefan Betsch schrieb nun, nachdem die Schilder wieder abgehängt wurden, an die Stadtverwaltung: „Wir als besorgte Eltern haben diese Aktion, die auch von der Presse begleitet wurde, durchgeführt, da der Schleichverkehr durch die Veitstraße immer schlimmer wird. Die Schilder haben den Autofahrern ins Gewissen ,geredet‘ und waren effektiver als das ,Anlieger frei‘-Schild, das komplett ignoriert wird.“ Da nun diese Schilder fehlen, geht er davon aus, dass die Eltern auf andere Art von der Stadt und den Behörden unterstützt werden. „Ich rechne in Kürze mit erneuten Polizeikontrollen als Ersatzmaßnahme“, so Betsch.

Außerdem bemerkt er: Ein Verweis auf das kommende Verkehrskonzept sei unnötig, da sie wissen, dass das kommt. „Unsere Kinder müssen jetzt jeden Morgen dort die Straße überqueren und nicht in vier Jahren“, erklärt Betsch. Andreas Hemmerich vom Stadtplanungsamt, kümmert sich um den Verkehrsstrukturplan für Mühlhausen und Hofen, der im vergangenen Jahr mit Bürgerbeteiligung begonnen wurde. Er erklärt auf Nachfrage: Ziel sei, möglichst bald in Umsetzung zu gehen. Bei der Bürgerbeteiligung sei ein Einbahnsystem vorgeschlagen worden, daran arbeite die Verwaltung. „Sobald es konkret ist, wollen wir in den Bezirksbeirat gehen und uns einen Beschluss holen“, so Hemmerich. Geplant sei, dass das Thema noch vor der Sommerpause in den Bezirksbeirat gehe. Auch der gesamte Verkehrsstrukturplan für Mühlhausen und Hofen solle in diesem Jahr weiter ausgearbeitet werden und dann in den Bezirksbeirat Mühlhausen und den Technischen Ausschuss gehen. Betsch indes erwartet, dass die Stadt eine bessere Idee habe, um das Problem zu lösen.

Schilder werden ignoriert

Das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart war es jedenfalls nicht, welches die Schilder abgehängt hat, wie Joachim Streubel vom Tiefbauamt auf Nachfrage unserer Zeitung versichert. Weder das Tiefbauamt noch die Baubetriebsstelle habe diese Protestschilder entfernt. Streubel weiß auch, dass es sich um eine Abkürzungsstrecke des Schleichverkehrs handele und sowohl das „Anlieger frei“-Schild als auch das Spielstraßen-Schild nicht beachtet wird.

Auch der Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann wusste nicht, wer die Schilder entfernt hat. So bleibt unklar, ob es Seitens des Ordnungsamts, des Amts für Abfallwirtschaft (AWS) oder aber von Anwohnern geschehen sei. Vom Ordnungsamt war bislang noch keine Antwort zu bekommen. Auch bei der Polizei ist nichts bekannt, dass sie die Schilder abgehängt habe, wie Ilona Bonn, die Sprecherin der Polizeidirektion, auf Nachfrage erklärte.