Anwohner wehrten sich 2019 gegen die geplante Verkehrsberuhigung. Foto: Cedric Rehman

Anwohner und Verwaltung haben sich zu einem Ausspracheabend über das Leonhardsviertel im Stuttgarter Rathaus getroffen. Teilnehmer beschreiben die Atmosphäre als konstruktiv.

S-Mitte - Die Schärfe sei aus der Debatte genommen worden, meint der SPD-Bezirksbeirat Heinrich Huth. Er lobt die Informationsveranstaltung für Anwohner im Rathaus zu den Plänen für eine Verkehrsberuhigung rund um den Leonhardsplatz.

Es sei bei den rund 60 Teilnehmern (so seine Schätzung) gut angekommen, dass die Pläne noch nicht in Stein gemeißelt sind. „Die Stadt hat kommuniziert, dass die Vorschläge der Anwohner in das Verfahren mit aufgenommen werden und ein neuer Vorschlag dann wieder in den Dialog zurückgeht“, sagt Heinrich. Er habe Verständnis für die Skepsis vieler Anwohner , meint der Bezirksbeirat. „Die Leute im Viertel fühlen sich seit Jahrzehnten vernachlässigt“, sagt er.

Bezirksbeirat versteht Skepsis

Huth nennt eine Reihe von Hausaufgaben, die Anwohner den Vertretern der Verwaltung an dem Informationsabend mit auf den Weg gegeben hätten. „Wenn die Polizei nicht mehr mit dem Auto unterwegs sein kann, wünschen wir uns Fußstreifen“, sagt er. Huth verweist auf ein nicht zuletzt aufgrund einer Zunahme des Drogenhandels beeinträchtigten Sicherheitsgefühl bei vielen Anwohnern. Deshalb forderten viele Anwohner auch ein neues Beleuchtungskonzept.

Bezirksvorsteherin sieht Fortschritt

Bezirkschefin Veronika Kienzle sieht ebenfalls eine Versachlichung der Debatte als Ergebnis des Dialogs zwischen Verwaltung und Anwohnern. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte sie auch Gewerbetreibende, die im vergangenen Jahr ihren Protest gegen eine Verkehrsberuhigung auf einer Unterschriftenliste zum Ausdruck gebracht haben. „Ich hatte den Eindruck, dass nur sehr wenige jede Veränderung ablehnen“, meint Kienzle.

Auch der Bezirksvorsteherin ist im Gedächtnis geblieben, dass viele Anwohner eine Aufwertung des Quartiers wünschen. „Es gab den Vorschlag, dass es mehr Betriebe gibt, die nichts mit dem Nachtleben zu tun haben, zum Beispiel einen Bäcker“, sagt Kienzle.

Unternehmer äußert Kritik

Der Unternehmer John Heer hatte sich 2019 für die Unterschriftenliste gegen eine Verkehrsberuhigung am Leonhardsplatz eingesetzt. Er kritisiert, dass Einladungen zu der Veranstaltung zu spät erfolgt seien. Außerdem hätten nur die unmittelbaren Anwohner die Möglichkeit zur Aussprache erhalten, obwohl aus seiner Sicht Anwohner und Gewerbetreibende im ganzen Viertel von einer Verkehrsberuhigung betroffen wären.

Dennoch bewertet Heer es als „guten Ansatz“, dass Bürger bei der Veranstaltung ihren Bedenken Gehör verschaffen konnten. „Ich sehe bei vielen eine Angst um Parkplätze, gerade in Hinsicht auf die Zeit nach dem Abriss des Züblin-Parkhauses“, meint der Unternehmer. Das Gebäude soll 2023 weichen. Bezirkschefin Veronika Kienzle findet, dass die Stadt in dieser Hinsicht den Anwohnern Sorgen genommen habe. Der Bedarf an Stellplätzen im Züblin-Parkhaus sei von der Verwaltung errechnet worden und soll ersetzt werden, meint sie.

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