Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) macht sich ein Bild von der nun vorrangig Fahrradfahrern vorbehaltenen Eberhardstraße. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn beging die neue Fahrradstraße an der Eberhardstraße gemeinsam mit Vertretern der Fachbehörden. Künftig sind Autos nur noch in Ausnahmen geduldet.

S-Mitte - Beim Spaziergang mit Vertretern der Verwaltung durch die Eberhardstraße erzählt Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) eine Anekdote. Sie soll deutlich machen, wie stark sich manche in der nun vorrangig Fahrradfahrern vorbehaltenen Straße umgewöhnen müssen. Er kenne ein älteres Ehepaar, meint Kuhn. „Sie halten an der Eberhardstraße, wenn Markt ist. Die Frau steigt dann aus und geht einkaufen und der Mann bleibt im Auto sitzen“, sagt der Oberbürgermeister.

Susanne Scherz, Leiterin der Abteilung Straßenverkehr beim Amt für öffentliche Ordnung nach, macht klar, dass Kuhns Bekannte nun umdenken müssen. Zwei Banner hängen an den Einfahrten von der Torstraße und der Hauptstätter Straße. Das Wort „Fahrradstraße“ ist auf ihnen angebracht. Sie weisen darauf hin, dass die Eberhardstraße nun nicht mehr dem Autoverkehr oder auch motorisierten Zweirädern vorbehalten ist.

Verwaltung will Fahrer aufklären

Neue Regeln bräuchten ihre Zeit, bis sie den Verkehrsteilnehmern bewusst sind, meinte Scherz. „Dennoch, die neuen Verkehrsregeln sind eindeutig und gelten bereits“, sagte die Vertreterin der Stadt. Neben den beiden Bannern sollen auch verteilte Flyer für Aufklärung sorgen, erklärte Scherz. Außerdem machen Schilder Autofahrer auf die Ausnahmen von der neuen Regelung aufmerksam. Von morgens 5 Uhr biss 11 Uhr dürfen die Betriebe an der Eberhardstraße sich Waren mit dem Auto anliefern lassen. Diese dürfen in die Straße fahren und dort halten, um ihre Güter zu entladen. Auch Taxis sind weiterhin gestattet.

Autofahrer, die einen entsprechenden Parkausweis besitzen, dürfen außerdem Behindertenparkplätze ansteuern. Ganz „autofrei“ wird die Eberhardstraße also auch künftig nicht sein.

Eberhardstraße soll den Auftakt bilden

Oberbürgermeister Fritz Kuhn betont bei der Ortsbegehung dennoch, dass die neuen Regeln an der Eberhardstraße für die gesamte Innenstadt einen Wandel einläuten. „Die Eberhardstraße ist der Auftakt, wir werden in den nächsten Monaten innerhalb der City spürbar den öffentlichen Raum vom Autoverkehr entlasten“, meinte Kuhn.

Eine Verkehrsberuhigung der Dorotheenstraße soll folgen und schließlich soll in der gesamten Innenstadt der Autoverkehr weitgehend gebannt sein. Dies sieht ein Zielbeschluss des Gemeinderats unter dem Titel „Lebenswerte Stadt für alle“ aus dem Jahr 2017 vor. Er plant, die bestehende Fußgängerzone im Stadtzentrum auszuweiten und oberirdische Parkplätze abzubauen. Fritz Kuhn zieht einen Vergleich zu anderen Großstädten in Europa und nennt das spanische Málaga und die dänische Hauptstadt Kopenhagen als Beispiele. Touristen könnten auf Reisen die Ruhe in den beiden Städten bewundern und künftig soll die Landeshauptstadt Baden-Württembergs einen ähnlichen Eindruck auf ihre Gäste machen, meint Kuhn.

Es gibt mehr Flächen für Gastronomie

An der Eberhardstraße soll nun sichtbar werden, wie Stuttgarts autofreie Zone künftig einmal aussehen könnte. Jochen Huth, Leiter der Abteilung Straßen und Verkehr im Tiefbauamt, bleibt vor einer auf Gehwegniveau angehobenen Fläche am Straßenrand stehen. Sie diente bisher als Stellplatz für Autos. Künftig sollen dort aber Tische und Stühle stehen. Die Fläche steht nun den Cafés und Lokalen an der Eberhardstraße zur Verfügung. „In der Eberhardstraße gibt es jetzt zusätzlich 68 Quadratmeter für die Außengastronomie““, erläutert der Tiefbauer Huth.

Für insgesamt 260 000 Euro habe die Stadt außerdem 56 feste Radbügel und 23 Sitzwürfel installiert, erklärt Huth. Geplant seien noch spezielle Radbügel für Lastenräder, eine Fahrradservicestation mit Luftpumpe und Werkzeug sowie Baumtröge mit und ohne Sitzbänke, erklärt der Tiefbauer weiter.

Stephan Oehler, Abteilungsleiter Verkehrsplanung und Stadtgestaltung im für Städtebau, Wohnen und Wohnen lobte, dass an der Eberhardstraße der Zielbeschluss für eine autofreie Innenstadt nun sichtbar werde. „Wir werden neue Wege gehen, Erfahrungen sammeln und Änderungen vornehmen, wo es zwingend und angemessen ist“, meinte er.

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