Die Verwaltung meint, es gibt genug Parkplätze. Abnehmen dürfte der Parksuchverkehr wegen steigender Autozahlen nicht. Foto: / Granville

Ludwigsburg will seine innerstädtischen Parkhäuser besser auslasten. Was plant die Barockstadt ansonsten in Sachen Mobilität?

Der Individualverkehr ist nach der Energiewirtschaft und der Industrie der drittgrößte CO2-Emittent. Schon allein aus Gründen der Lebensqualität versucht die Stadt Ludwigsburg, die Mobilität zu verändern. Insgesamt sei man dabei auf einem guten Weg, befindet der Bürgermeister Sebastian Mannl. Ein Überblick.

 

Zukunft des Parkens Die „Umverteilung des öffentlichen Raums“ sei der größte und eigentlich auch einzig strittige Punkt beim Thema Mobilität in Ludwigsburg, sagt der Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, Matthias Knobloch. Was dahintersteckt: die einen wollen mehr Parkplätze, die anderen weniger. Dass es in der Innenstadt gar nicht genug Grün geben kann, darüber ist man sich aber wieder einig. Eine Stellschraube, an der die Verwaltung gemeinsam mit den Stadtwerken drehen will, sind die Parkhäuser. Um die Parkgelegenheiten, die etwas weiter vom Zentrum entfernt liegen, attraktiver zu machen, könnten die Tarife künftig entsprechend abgestuft werden. Wer einen weiteren Weg zu Fuß in Kauf nimmt, zahlt weniger. „Mobilitätssteuerung geht eigentlich immer nur über den Geldbeutel“, so Knobloch.

Weil die Parkhäuser tagsüber zwar voll sind, nachts aber leer stehen, will die Stadt das Konzept des Bewohnerparkens dorthin ausweiten. Ziel sei es, die Stellplätze nachts und in Zeiten, wo die Innenstadt weniger frequentiert ist, besser auszulasten. Um Autofahrer insgesamt besser zu freien Parkplätzen zu lotsen, wird das Parkleitsystem dynamisch. Zu den großen digitalen Anzeigetafeln gesellen sich bald noch 40 weitere, kleinere Tafeln, mit denen der Verkehr besser und in Echtzeit gelenkt werden kann.

E-Autos und Ladeinfrastruktur Wie sich die Zahl der E-Autos entwickelt, darauf hat man in Ludwigsburg kaum Einfluss. „Wir können eigentlich nur beraten“, sagt Knobloch. Firmen würden die Angebote – beispielsweise zu Förderungen – gut annehmen, im privaten Bereich laufe es „mittelmäßig“. Was Stadt und Stadtwerke jedoch tun können, ist genügend Lademöglichkeiten zu schaffen. In der Barockstadt gibt es mittlerweile 180 solcher Punkte. Konzentrieren will man sich künftig vor allem auf Schnellladesäulen, die beispielsweise an der Bärenwiese aufgestellt werden. „Wir sind bei dem Thema eher vorne dran“, sagt Sebastian Mannl, „die Autobauer kommen mit der Produktion von E-Autos aber nicht hinterher.“

Carsharing und E-Scooter Ob Mietautos für kurze Fahrten in Ludwigsburg funktionieren, da war sich der Anbieter Stadtmobil zu Beginn selbst nicht sicher. Inzwischen ist klar, dass sie das tun. 31 Autos zur Miete, die an 18 Stationen in der Stadt abgestellt werden können, stehen in Ludwigsburg zur Verfügung. Stadtmobil will das Angebot um drei oder vier weitere Fahrzeuge aufstocken. An den rund 300 E-Scootern, die Verleiher in der Barockstadt anbieten, scheiden sich zwar die Geister, abschaffen wird man sie aber definitiv nicht mehr. „Die Nachfrage ist da“, sagt Mannl.

Bus und Bahn In Ludwigsburg gilt bei den meisten Linien der Zehn-Minuten-Takt. Optimiert werden könne daher nur noch an der einen oder anderen Stelle. Die Busse seien voll, würden also gut genutzt, mehr Kapazitäten brauche es aber nicht, so Mannl. Das vom Land ausgegebene Ziel, die Fahrgastzahlen bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln, lässt sich so nicht auf Ludwigsburg herunterbrechen. „Wenn die Stadtbahn kommt, ist das noch mal etwas anderes“, sagt der Mobilitätsbürgermeister. Die Planungen sehen derzeit einen Betrieb ab Ende 2028 vor. Zwei Jahre später werden die Busverkehre neu vergeben.

Rad- und Fußverkehr Alternativen zum Auto standen bei den Planungen viele Jahre hinten an. Das ins Gleichgewicht zu bringen, ist Ziel der Stadtverwaltung. Sie hat erhoben, dass 24 Prozent der „innerstädtischen Wege“ zu Fuß gegangen werden, angepeilt werden 30. Der Anteil mit dem Rad macht bislang nur acht Prozent aus, er soll auf 20 Prozent ansteigen. Insgesamt sei die Radinfrastruktur aber besser geworden, findet Matthias Knobloch. Er macht das auch an den Ergebnissen des ADFC Radklima-Tests fest, bei dem Ludwigsburg in der Gunst von Radlern zuletzt gestiegen ist. „Insgesamt ist der Ausbau der Radwege ein mühseliges und kleinteiliges Geschäft“, sagt Knobloch. „Es gibt nicht eine Maßnahme, mit der schlagartig alles besser wird.“ Den größten Handlungsbedarf sieht er derzeit in der Friedrich-Ebert-Straße.

Busbahnhof und Bahnhof Dass die Kombination aus Rad und ÖPNV funktioniert, zeigt sich derzeit am Bahnhof, wo die Radständer oft nicht mehr reichen. An der Ostseite ist deshalb ein Radparkhaus geplant, ein weiteres könnte im Franck-Areal entstehen. Eine Halle hat die Stadt dafür schon reserviert. Praktisch wäre das vor allem, wenn der Bahnhof eine neue Unterführung bekäme, da die Pendler so einen kurzen Weg zum Bahn- beziehungsweise Bussteig hätten. Die Idee eines zweiten Zugangs ist nicht neu, nun haben die Gespräche mit der Bahn aber offenbar neuen Schwung bekommen. Mannl will sich nicht festnageln lassen, berichtet aber von „konstruktiven Gesprächen“. Konkreter ist die Sache beim Umbau des zentralen Busbahnhofs. Er werde vor 2030 fertig, so Mannl. Derzeit wird die Planung so überarbeitet, dass der Bereich nicht ein zweites Mal umgebaut werden muss, wenn die Stadtbahn kommt.

Die Luftqualität Die B 27 am Schloss gilt als Sorgenkind, der Messpunkt in der Schlossstraße war der einzige im Land, an dem Anfang des Jahres die Grenzwerte für Stickstoffdioxid noch überschritten wurden. Wegen des „überregionalen Charakters“ der Strecke ist das von der Stadt allein aber kaum in den Griff zu bekommen – sagt zumindest die Verwaltung.

Was derzeit dort gemessen werde, ist laut Matthias Knobloch auch nicht aussagekräftig. Zum einen ist das Verkehrsaufkommen an der Stelle wegen der Baustelle an der Sternkreuzung geringer, außerdem laufen mehr Luftfiltersäulen als im vergangenen Jahr. So kann die Wirkung der Pförtnerampeln an den Ortseingängen auch noch nicht eruiert werden. Eine Maßnahme bleibt aber auf jeden Fall: Tempo 40. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde nämlich formal wegen des Lärmschutzes und nicht wegen der Luftqualität verhängt.