Wie soll oder muss es weitergehen mit Fahrrad, Auto und so weiter? Das soll nun durchgespielt werden. Foto: Philipp Braitinger

Wie sieht der Verkehr der Zukunft in Leinfelden-Echterdingen aus? Diese Frage wird in den kommenden Monaten bei der Erstellung eines sogenannten Klimamobilitätsplans erörtert.

Noch ein Konzept? 388 000 Euro möchte Leinfelden-Echterdingen für seinen Klimamobilitätsplan (KMP) bis zum Jahr 2028 ausgeben. Der Technische Ausschuss stellte sich während seiner jüngsten Sitzung einstimmig hinter diese Idee und gab 114 000 Euro im Nachtragshaushalt 2026 frei. Das noch zu erarbeitende Strategiepapier soll die Stoßrichtung für die Verkehrsentwicklung in den kommenden Jahren, vielleicht Jahrzehnten vorgeben. Neben dem Fußgänger- und Radverkehr wird es dabei auch um die U5-Verlängerung, die Nord-Süd-Straße, die Nordspange und den innerörtlichen Autoverkehr gehen. Offene Fragen gibt es in Leinfelden-Echterdingen genug zu klären.

 

„Es ist ein Schritt in Richtung Klimaneutralität“, verdeutlichte die Mitarbeiterin des Amts für Verkehrsplanung und Mobilität, Natalia Loresch, während der Ausschusssitzung das Ziel des Plans. Immerhin habe sich die Stadt vorgenommen, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein. Ein wichtiger Bereich dafür ist der Verkehr, der momentan noch stark von Autos mit Verbrennermotoren geprägt und damit alles andere als klimaneutral ist. Das neue Strategiepapier solle auch dabei helfen, die Verkehrswende voranzubringen, sagte Natalia Loresch. „Es soll keine Schubladenstrategie werden“, hob sie hervor.

Der Klimamobilitätsplan als Konzept soll 232 000 Euro kosten

Für die Erarbeitung des Konzepts will die Stadt das Stuttgarter Büro Brennerplan beauftragen, für 232 000 Euro. Begleitet wird die Erstellung des Klimamobilitätsplans von dem Kommunikationsbüro Dialog Werke, ebenfalls aus Stuttgart. Die Einwohner sollen ihre Ideen während des Prozesses einbringen können. Für die Öffentlichkeitsarbeit werden 156 000 Euro eingeplant. Die Büros beginnen ab März mit ihrer Arbeit. Im Herbst 2027 soll das Papier vorliegen. Den Grundsatzbeschluss dafür fasste der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr. Damit verbunden war die Schaffung einer neuen Stelle auf dem Rathaus, die bereits besetzt ist.

Die Nord-Süd-Straße verbindet Leinfelden-Echterdingen mit Stuttgart-Vaihingen und Möhringen. Foto: Lichtgut

Warum nun neben vielen anderen Konzepten, bei denen es auch um Verkehr geht – beispielsweise das Fußverkehrs- oder das Radverkehrskonzept, auch der Lärmaktionsplan – zusätzlich noch ein Klimamobilitätsplan erstellt werden muss, diese Frage trieb Zuhörer und Stadträte während der Sitzung um. Laut Stadtverwaltung sollen mit dem neuen Papier ältere Empfehlungen überprüft und eingeordnet sowie Maßnahmen zu einem einheitlichen Gesamtpaket zusammengeführt werden. Am Projektende wird ein Umsetzungszeitplan erstellt, welcher der Stadt eine Grundlage dafür bietet, die Maßnahmen bis ins Jahr 2040 schrittweise umzusetzen.

Für den Klimamobilitätsplan sollen Fördergelder fließen

Der Klimamobilitätsplan liefere eine klare, datenbasierte Entscheidungshilfe für Stadtverwaltung, Politik und Öffentlichkeit, schreibt die Stadt. Dazu gehörten unter anderem eine quantitative Berechnung der CO2-Wirkung der Maßnahmen, Szenarienvergleiche zur Verkehrsentwicklung bis 2040, eine priorisierte Maßnahmenstrategie, ein förderfähiges Infrastrukturprogramm sowie ein modernes und aktuelles Verkehrsmodell. Somit diene der KMP nicht nur als Voraussetzung für Fördermittel, sondern auch als zentrales Planungs- und Steuerungsinstrument für die zukünftige Mobilitätsentwicklung der Stadt.

Der Bürgermeister Benjamin Dihm hob hervor, dass die Stadt mit einer hohen Fördersumme von maximal 90 Prozent für den Klimamobilitätsplan rechnen könne. Wenn die Fördergelder wie erhofft fließen, bekomme die Stadt also für knapp 39 000 Euro eine „nigelnagelneues“ und umfassendes Modell, in welches alle Mobilitätsarten einflössen. Hinzu komme, dass nur mit einem Klimamobilitätsplan in der Hand Förderungen für wichtige Verkehrsvorhaben in der Stadt mit Aussicht auf Erfolg beantragt werden könnten. Flapsig formuliert könnte gesagt werden, dass die Stadt ohne Klimamobilitätsplan gar nicht beim Regierungspräsidium auftauchen muss, um beispielsweise nach einer Förderung für die Nord-Süd-Straße zu fragen. Und ohne Förderung ist es wiederum fraglich, ob die Stadt in Zeiten klammer Kassen millionenschwere Straßenbauprojekte stemmen kann.

Der Klimamobilitätsplan

Verfahren
Zunächst werden alle vorhandenen Daten gesichtet und ausgewertet. Fehlende Informationen, wie etwa aktuelle Verkehrszählungen oder eine Haushaltsbefragung, werden neu erhoben. Auf Basis dieser Daten wird anschließend ein multimodales Verkehrsmodell (Autoverkehr, ÖPNV, Fahrrad- und Fußgängerverkehr) erstellt. Dieser aufwendige Modellierungsprozess nimmt rund eineinhalb Jahre in Anspruch.

Beteiligung
Der gesamte Prozess wird durch eine Öffentlichkeits- und Beteiligungsarbeit begleitet. Geplant sind unter anderem eine öffentliche Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung sowie Workshops für Wirtschaft und Gewerbe, politische Gremien, Kinder und Jugendliche. Ergänzend dazu sind Gespräche mit zentralen lokalen Akteuren wie dem Seniorenrat, der Landwirtschaft oder Barrierefrei LE geplant. Außerdem soll eine Online-Beteiligung erfolgen. Alle wichtigen Informationen, Einblicke in den Prozess sowie aktuelle Entwicklungen sollen auf einer eigenen Unterseite auf der städtischen Website transparent kommuniziert werden.