In der Pliensauvorstadt wird eine mögliche Südroute des Radschnellwegs Richtung Stuttgart heftig kritisiert. Nun teilt das Esslinger Rathaus mit, dass die Weilstraße nicht mehr in die Planung einbezogen wird. Ist damit die Südroute vom Tisch?
Das zähe Ringen um eine Route für den Radschnellweg zwischen Esslingen und Stuttgart geht weiter. Die Esslinger Stadtverwaltung reagiert nun auf heftige Kritik an der Südtrasse durch die Pliensauvorstadt, die Rathaus und Land zuletzt favorisiert hatten. Es sei von städtischer Seite klar, dass die Weilstraße nicht mehr in die Planungen einbezogen wird, teilt die Rathausverwaltung mit.
Die Nachricht im November, dass eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt Esslingen und des Regierungspräsidiums Stuttgart empfiehlt, den Radschnellweg zwischen Alicensteg und Stuttgart am Südufer verlaufen zu lassen, hat viele überrascht. Einige Monate zuvor hatte es noch so ausgesehen, als wäre die Nordtrasse Konsens. Doch ein erneuter Vergleich hatte laut Stadt ergeben, dass bei der Südtrasse weniger Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig seien als für die Nordroute.
Sorge vor der „Rad-Autobahn“
Während Vertreter von Radverbänden sich zwar positiv zu einer möglichen Radverbindung im Süden geäußert haben, den Radschnellweg am Nordufer aber für die bessere Variante halten, regte sich angesichts der neuen Pläne in der Pliensauvorstadt Widerstand. Unter anderem in einer öffentlichen Sitzung des Bürgerausschusses im Januar führten Bürgerinnen und Bürger eine hitzige Diskussion. Hauptkritikpunkt war die Trassenführung durch die verkehrsberuhigte Weilstraße, die unter anderem in einer Karte in einem Erläuterungsbericht von Stadt und Regierungspräsidium eingezeichnet und veröffentlicht worden war. Die Anwohnerinnen und Anwohner brachten unter anderem die Sorge um die Sicherheit von Fußgängern zum Ausdruck. Zudem monierten die Diskussionsteilnehmer, dass eine solche „Rad-Autobahn“ Veranstaltungen auf dem Roten Platz unmöglich mache, den Stadtteil zerschneide und in Richtung Weil zu Problemen für die Landwirtschaft führe. Auch im Gemeinderat wird eine Streckenführung südlich des Neckars kritisch gesehen. Vertreter aus den Fraktionen von Grünen, Freien Wählern, FDP, CDU und Linken sprachen sich zweifelnd aus, bei der SPD wollte man sich erst nach weiterer Beratung und einer Bürgerbeteiligung eine Meinung bilden.
Südroute ist nicht vom Tisch
Nun sagt Baubürgermeister Hans-Georg Sigel: „Die Weilstraße in der Pliensauvorstadt werden wir in den laufenden Planungen zum Radschnellweg nicht weiterverfolgen.“ Grund für diese Einschätzung sei nicht die Kritik aus dem Stadtteil, teilt der stellvertretende Pressesprecher der Stadt, Niclas Schlecht, mit, sondern vor allem technische Probleme wie die Fahrbahnbreite. Die Südvariante zwischen Alicensteg und Stuttgart ist damit allerdings noch nicht vom Tisch. Es sei auch eine Radwegeführung jenseits der Weilstraße denkbar – die mögliche Trasse sei in der Karte, die die hitzige Debatte ausgelöst hatte, nur exemplarisch eingezeichnet worden, die Arbeitsgruppe habe noch keinen konkreten Vorschlag zum Verlauf gemacht.
Ursprünglich stand das Thema für diese Woche im Mobilitätsausschuss zum Beschluss an, wurde aber wieder von der Tagesordnung genommen. Es liefen nach wie vor Gespräche zwischen dem Verkehrsministerium, dem Regierungspräsidium und der Stadtverwaltung, heißt es zur Begründung. „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir bis Anfang März umfassend informieren können“, schreibt die Pressesprecherin der Stadt, Nicole Amolsch. Daher plane man für Montag, 6. März, einen außerordentlichen Mobilitätsausschuss.