Nicht nur Stuttgarter Foto: Christoph Kutzer

Die autofreie Eberhardstraße kommt. Details der Planung sind noch diskussionswürdig. Das zeigte sich bei der Präsentation im Bezirksbeirat Stuttgart-Mitte.

S-Mitte - Sitzmöbel am urbanen Wegesrand sind eine Einladung, zu verweilen und urbanes Flair zu genießen. Nachts ziehen sie allerdings unerwünschte Klientel und Lärmbelästigung an. Begrünung erfreut das Auge, wird aber auch genutzt, um Flaschen zu entsorgen. Diese Themen wurden im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Eberhardstraße bereits ausgiebig diskutiert. Auch mit den Anwohnern.

Jetzt stand die Schaffung einer attraktiven, autofreien Zone, mit der im September/Oktober begonnen werden soll, im Bezirksbeirat Mitte auf der Tagesordnung. Wie wichtig die Maßnahme für die Bürger ist, belegten die zahlreich erschienenen Zuhörer, die ausdrücklich auch zu Wortmeldungen aufgefordert ­­waren.

Parklet mit essbaren Pflanzen

Ein zentrales Anliegen der Planer ist die Neubelegung der vorhandenen Pkw-Stellplätze durch Sitzgelegenheiten, Baumtröge oder ein Parklet mit essbaren Pflanzen, das vom Verein Stadtacker bereitgestellt werden soll. Eine Fahrradreparatur und -servicesäule wird sich künftig ebenso in der Eberhardstraße finden, wie „Hegels Bücherschrank“, der dazu dient, Lesestoff zu hinterlassen oder kostenlos zu entnehmen. Die Lektüretauschstation soll den Raum vor dem Hegelhaus aufwerten. Vom großen Fahrradständer bis zu würfelförmigen Pollern ist eine Fülle an unterschiedlichen Gestaltungselementen vorgesehen.

Ersin Ugursal (CDU) ist das alles beinahe zu viel des Guten. „Wir müssen aufpassen, dass die Straße am Ende nicht überladen wirkt“, mahnt er. Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle sieht das ähnlich: „Es ging darum, Luft zum Atmen zu schaffen“, erinnert sie. „Das erreichen wir nicht, wenn wir statt über Autos über Möbel stolpern.“ Julia Graser, Leiterin der Schwanenapotheke, möchte ungern fest installierte Sitze vor der Tür haben. Darüber hinaus stört sie sich an den ausgewählten Modellen. Die Sitzbügel, die zwischen ihrem Geschäft und Breuninger vorgesehen sind, seien nicht unbedingt auf die Menschen zugeschnitten, die sich dort träfen, gibt sie zu bedenken: „Wir haben viele Kunden im gesetzteren Alter. Die Sitzgelegenheiten sollten auch für Senioren attraktiv sein.“

Die Kraftfahrzeuge effektiv aus der Eberhardstraße fernzuhalten, ist offenbar auch nicht so einfach, wie gedacht. Neben Taxen für Menschen mit Behinderung, Medizinfahrzeugen und Feuerwehr ist aktuell auch uneingeschränkter Lieferverkehr vorgesehen. Zudem sieht die vom Amt für Stadtplanung vorgestellte Lösung eine beidseitige Befahrbarkeit der Straße vor. Der Bezirksbeirat sprach sich für eine Beschränkung des Lieferverkehrs auf die Zeit bis 11 Uhr und eine Einbahnstraßenregelung für Pkw aus.

Für richtige Bäume

Ein weiterer Diskussionspunkt ist der provisorische Charakter der Lösung mit Parklet und Baum-Bottichen. „Warum kann man die Bäume nicht gleich richtig pflanzen und eine feste Blumenrabatte mit Kräutern einrichten?“ fragt Rolf Pfander (CDU). Auch Rita Krattenmacher (SÖS/Linke-plus) möchte wissen, wie lang es bis zu endgültigen Baumpflanzungen dauern wird. „Wir wollen ein Interim schaffen und das so rasch wie möglich“, erklärt Rainer Wallisch vom Amt für Stadtplanung. Weitere Verzögerungen wolle man vermeiden.

Dass sich die Umsetzung der autofreien Eberhardstraße, die ursprünglich noch vor der Sommerpause in Angriff genommen werden sollte, nun auf den Herbst verschiebt, hatten zuvor Stadtrat Christoph Ozasek (Linke) und Philipp Lang (Grüne) kritisiert. Kienzle zeigte sich abschließend zufrieden mit der Diskussion und betonte, man habe nochmals einige wichtige Punkte herausarbeiten können. Auch eine mögliche Offenlegung des Nesenbachs wurde als Idee nochmals ins Gespräch gebracht.

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