Wer E-Mobilität will, muss auch für die notwendigen Ladesäulen sorgen. Und davon gibt noch viel zu wenige, besonders jenseits der Stuttgarter Stadtgrenzen. Foto: Jacqueline Fritsch

Ob Bewohner einer Stadt oder Pendler: Was passiert künftig in der Region in Sachen Mobilität? Die Überlegungen enden oft an der Stadtgrenze von Stuttgart.

Waldenbuch/Stuttgart - Kein Stau, keine Stickoxide, der Ausbau von Rad- und Gehwegen, vermehrt E-Autos und E-Bikes sowie pünktliche Busse und Bahnen. Wie schön wäre das? Wie Menschen in Zukunft von A nach B kommen und das so effektiv, nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich, daran arbeiten Kommunen, Politik, Stadtplaner, Automobilindustrie und Bürger. „Wir stehen vor der großen Herausforderung, wie wir künftig mit Stadtraum und Flächen umgehen”, sagte Michael Münter, der Leiter des Referats Strategische Planung und nachhaltige Mobilität bei der Stadt Stuttgart, beim Kamingespräch im Schloss Waldenbuch. Er hat dort zum Thema „Urbane Mobilität heute und morgen“ referiert und stellte den Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ vor.

Lösungen wie Park-and-Ride-Plätze, Fahrradboxen, Quartiersgaragen, E-Autos und E-Bikes, der Ausbau des ÖPNV, Umweltzonen sowie Sharing-Konzepte, seien in Stuttgart vorhanden. Virtuelle Schilder oder autonomes Fahren würden in Zukunft eine Rolle spielen. Münter deklarierte diese Bausteine als „Mosaiksteinchen“, die an der jeweils passenden Stelle eingefügt werden sollen. Das hierbei Nutzungskonflikte bei all den Interessengruppen in Stuttgart selbst – und nicht zu vergessen bei den rund 900 000 Pendlern täglich – aufkommen, sei der Stadt bewusst.

Früher habe es nur montags Stau auf der B 27 gegeben, sagt ein Gast

„An der Stadtgrenze zu Stuttgart enden die Überlegungen“, sagte Abraham Kustermann. „Wo kommt die Region vor, und was für eine Relevanz hat diese? Es müsste eine Regelung für die Region her, schließlich steht auch die Regionalwahl an.“ Eine solche Regelung hatte Münter nicht im Gepäck: „Auch wenn es ein gutes Konzept gibt, heißt das nicht, dass Bürgermeister aus anderen Kommunen mitziehen.“

„Mir liegt am Herzen, dass sich in naher Zukunft Verbesserungen einstellen. Früher gab es nur montags Stau auf der B27, heute ist das die Regel“, sagte Hartmut Gerwig.“ Aber: „Obwohl wir Staustadt Nummer Eins sind, ist die wirtschaftliche Gesamtleistung sehr gut. Noch besser wäre sie jedoch, wenn jeder pünktlich an seinem Arbeitsplatz ankommt.“ „Die Ideen und das Bild der Mosaiksteinchen sind hervorragend, das Gesamtbild aber noch nicht. Meiner Meinung nach wurden die Betroffenen zu wenig mit einbezogen. Das Fahrverbot war diesbezüglich eine brutale Maßnahme“, sagte Karl Heinz Roth.

Im Synergiepark ist ein Verkehrskollaps zu erwarten

Ein Gast sprach seine Bedenken in Sachen Synergiepark Vaihingen-Möhringen aus: „Dort werden mehr als 10 000 Arbeitsplätze geschaffen; ein Verkehrskollaps ist zu erwarten. Wie will man diesen zusätzlichen Verkehrsstrom in den Griff bekommen?” Das „Mosaiksystem“ nannte Michael Münter auch hier: „Wir brauchen ein Zusammenspiel aus verschiedenen Elementen; die Verkehrsplaner arbeiten bereits an einem Konzept.“ Die Stadt will Unternehmen beim betrieblichen Mobilitätsmanagement unterstützen und beraten.

Problematisch sieht es aus Sicht einiger Gäste in Bezug auf die Park-and-Ride-Plätze aus: „In Degerloch an der Albstraße braucht man es gar nicht erst versuchen, dort ist es immer voll. Wir in Waldenbuch haben bereits das Problem auf dem Parkplatz Auch-Areal, den Pendler belegen, die von hier aus zum Flughafen fahren und in den Urlaub fliegen”, sagte eine Rentnerin aus Waldenbuch. Am Bahnhof Leinfelden sei der Parkraum ebenfalls rar – vor allem zu den Hauptverkehrszeiten und seit das Dieselfahrverbot gelte.

Die Bahnen haben oft Verspätung

Parkraum fehle auch den Radfahrern: „Meine Tochter wollte sich ein E-Bike anschaffen und es in Leinfelden abstellen, um von dort aus die S-Bahn zu nutzen, aber die Fahrradboxen sind immer voll“, erzählte Anette Störrle. „In Oberaichen hatte sie auch angefragt – vergeblich. Es ist schade, weil man ja auf Alternativen umsteigen will.“ Der Umstieg auf Elektroautos war dementsprechend auch Thema: „Die E-Mobilität muss kommen, keine Frage. Aber wenn hier der große Schwung kommt, wie will man so schnell Flächen für Ladesäulen finden?“, fragte Günther Störrle vom Kulturwerk Waldenbuch. Zudem wollten die Gäste wissen, wie umweltfreundlich die Batterien seien und wie diese künftig entsorgt werden können.

Auch die Verspätungen der S-Bahn wurden angesprochen, die der überwiegende Teil der Pendler nutze. „Die S-Bahn ist nicht unser Zuständigkeitsbereich; sie bleibt aber vorerst eine Engstelle. Bei den Stadtbahnen gilt dasselbe; hier wurde deshalb die Buslinie X1 eingeführt”, sagte Münter. Die Schnellbus-Linie wurde von einem der Anwesenden kritisiert. „Eine komplette Fahrbahn wurde gestrichen. Da stellt sich mir die Frage: Will man Autos gar nicht mehr haben?“ Münter: „Die fehlende Spur wurde kaum genutzt, mehr Stau als zuvor gibt es hier auch nicht.”

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