Schilderwald auf der B 10: Die einseitige Sperrung auf der Höhe Plochingen wurde zwar aufgehoben, doch der Austausch der Leitplanken sorgt weiterhin für Behinderungen im Verkehrsfluss. Foto: Roberto Bulgrin

Staus, lange Wartezeiten, Tempo-Limits: Autofahrer brauchen auf der B 10 seit Monaten gute Nerven. Die Leitplanken im Mittelstreifen werden ausgetauscht, und das führt zu Behinderungen im Verkehrsfluss. Doch es gibt Hoffnungsschimmer...

Kreis Esslingen - Die Nerven liegen blank. Autofahrer brauchen auf der B 10 seit Monaten Geduld, Gleichmut und ein sonniges Gemüt. Denn der Austausch der Leitplanken im Mittelstreifen sorgt für Geschwindigkeitsbegrenzungen, Verkehrsbehinderungen, Staus, lange Wartezeiten. Die einseitige Sperrung bei Plochingen wurde zwar inzwischen aufgehoben, doch das Tempo-Limit zwischen Faurndau und Ebersbach in Richtung Stuttgart sorgt weiterhin für Einschränkungen im Verkehrsfluss. Das wird auch noch eine Weile so bleiben: „Der jetzige Bauabschnitt wird Ende November abgeschlossen sein“, teilt Pressesprecherin Andrea Wangner vom Landratsamt Esslingen nach Rücksprache mit den Straßenbauämtern der Landkreise Esslingen und Göppingen mit.

Besonderes Timing

Dauerstress auf der B 10. Schon lange vor Beginn der Bauarbeiten zum Austausch der Leitplanken galten und gelten auf den einzelnen Streckenabschnitten Tempo-Limits und Fahrbeschränkungen. Warum diese lange Vorlaufzeit? Eine umfangreiche Baustellenbeschilderung werde in der Regel meist gegen Ende der Vorwoche vor dem eigentlichen Baubeginn aufgestellt, konkretisiert Stefanie Paprotka vom Regierungspräsidium Stuttgart nach Rücksprache mit den Fachämtern. Dieses Timing wird aus verschiedenen Gründen eingehalten: Verkehrsteilnehmer müssten bei Eingriffen in den Straßenverkehr rechtzeitig informiert und gewarnt werden, damit sie sich auf die veränderte Situation einstellen können. Die Durchführung der Sicherungsmaßnahmen sollte zudem nach den Vorschriften des Regelwerks „Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen“ erfolgen. Und neben einer längeren Vorbereitungszeit ist auch ein längerer Anfahrtsweg nötig: „Auf Kraftfahrtstraßen beginnt die Beschilderung gemäß diesen Richtlinien bereits zwei Kilometer vor der eigentlichen Baustelle“.

Tempo-Limits auch während der Baupausen

Die Tempo-Limits bleiben aber auch in Kraft, wenn auf den Baustellen nicht gearbeitet wird. Ist das nötig? Hier verweist das Regierungspräsidium auf den Sicherheitsaspekt. Um die Verkehrsbehinderungen so gering wie möglich zu halten, werden die Arbeitszeiten der ausführenden Baufirma laut Behörde auf die verkehrsärmeren Zeiten zwischen 9 und 15 Uhr beschränkt. Doch die Schutzfunktion der Leitplanken im Mittelstreifen sei während der Bauarbeiten „ nicht vollumfänglich“ gewährleistet. „Daher verbleiben die Verkehrsbeschränkungen auch außerhalb der täglichen Arbeitszeiten aus Gründen der Verkehrssicherheit“, so Pressesprecherin Stefanie Paprotka. Das gelte auch bei bautechnischen Unterbrechungen, wie sie beispielsweise für Aushärtezeiten von Betonarbeiten erforderlich seien.

Neue Systeme für mehr Sicherheit

Trotz dieser Erklärungen fragen sich gestresste Autofahrer im Stau, warum ein Austausch der Leitplanken überhaupt erforderlich ist: „Muss das denn wirklich sein?“, ist eine häufig gestellte Frage der vielen Pendler auf der B 10. Die bisherigen Leitplanken, das bisherige „Fahrzeugrückhaltesystem“, wie es Andrea Wangner vom Landratsamt formuliert, ist veraltet und zum Teil schon stark korrodiert. Das neue System habe zudem eine „bessere Durchbruchsicherheit“. Mit der nun eingebauten Sicherung können laut der Behörde, „schwere Unfallfolgen, die durch Fahrzeug-Durchbrüche im Mittelstreifen auf die andere Fahrbahn verursacht werden können, verhindert werden“. Die Maßnahme erhöhe somit die Verkehrssicherheit. Das Fazit des Landratsamts: „Die bisherigen Erfahrungen mit diesen Systemen sind unseren Erkenntnissen nach sehr gut. Das neue System weist gerade für den Schwerlastverkehr eine deutlich verbesserte Durchbruchssicherheit auf.“ Sicherheit, die allerdings ihren Preis hat: Die Umrüstungskosten für den 5,2 Kilometer langen Abschnitt von Ebersbach bis zur Galerie bei Uhingen im Kreis Göppingen beispielsweise belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro. Geld, das der Bund bezahlt hat.

Verantwortliche für Tempo-Limits

Es sind aber weniger die Kosten als vielmehr die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 100, 80 oder 60 Stundenkilometer, die Verkehrsteilnehmer ärgern. Wer legt die Höhe der Tempo-Limits während des Austauschs der Leitplanken fest? Die Beschränkungen in der Geschwindigkeit werden natürlich nicht mit einem Würfel ausbaldowert oder nach groben Schätzungen festgelegt, sondern sind nach Angaben der beiden Behörden in den entsprechenden Regelwerken festgezurrt. Stefanie Paprotka vom Regierungspräsidium fügt noch hinzu, dass in Abstimmung mit der Polizei, der zuständigen Verkehrs- und Straßenbaubehörde für bestimmte Baumaßnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen festgelegt werden können. Und Andrea Wangner vom Landratsamt verweist hier zusätzlich auf „Geschwindigkeitstrichter“. Damit der Verkehr nicht abrupt auf 60 Stundenkilometer abbremsen muss, sind bereits 800 Meter vor dem direkten Baustellenbeginn Tempo-Limits eingeplant: „In der Regel von 120 auf 100 und weiter auf 80 oder teilweise auf 60 Stundenkilometer.“ Im Falle der B 10 wurde in Absprache mit der Polizei die niedrigere Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern gewählt. Denn die alten Schutzplanken werden bei den Arbeiten komplett entfernt und somit ist die Verkehrssicherheit beeinträchtigt.

Hoffnung ist in Sicht

Doch für Autofahrer ist Hoffnung in Sicht: Der jetzige Bauabschnitt zwischen Faurndau und Ebersbach in Richtung Stuttgart auf der B 10 wird Ende November abgeschlossen sein. 2021 werden die Umrüstungen der Leitplanken im Mittelstreifen nach der Winterpause in Richtung Ulm fortgesetzt. Die Bauzeit soll dann etwa zwei Monate betragen.

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