Die schnurgerade Etzelstraße verleitet viele Autofahrer zum Rasen. Eine bloße Anzeige der Geschwindigkeit bringt keine große Verbesserung. Foto: Nina Ayerle

Anwohner und Lokalpolitiker fordern mehr Sicherheit für Kinder. Wie die erreicht werden soll, darüber gehen die Meinungen allerdings weiterhin auseinander. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen worden.

S-Süd - Wenn Heinz Steinacker von seiner Wohnung in der Danneckerstraße aus in die Stadt möchte, fährt er meistens über die Etzelstraße. Für gewöhnlich hält sich der Rentner an das vorgegebene Tempo 30. „Häufig werde ich dann von ein bis zwei Autos überholt“, erzählt Steinacker. Und fügt hinzu: „Und das auf dieser kurzen Strecke.“ Die Straße, die knapp 400 Meter lang ist, lade geradezu zum Rasen ein. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Steinacker ist schon vor elf Jahren aus der Etzelstraße weggezogen, erinnert sich aber noch gut daran, wie davor Tempo 30 in der Etzelstraße eingeführt wurde. Geändert habe sich dadurch nichts. Steinacker sieht die Stadt in der Pflicht. Sie müsse stärkere und unvorhergesehene Kontrollen durchführen. Ob das alleine ausreicht? „Ha, freilich“, ist der Rentner überzeugt.

Geschwindigkeitskontrollen reichen nicht mehr aus

Mit dieser Meinung steht er allerdings alleine da. Zahlreiche Anwohner, die Mitarbeiter der Einrichtungen für Kinder und Jugendliche an der Straße sowie Lokalpolitiker fordern umfassendere Lösungen. Denn die schnurgerade Straße lädt laut Anwohnern vor allem in Richtung Hohenheimer Straße zur Beschleunigung ein. Daran änderten auch gelegentliche Kontrollen nichts. Im Bezirksbeirat Süd hat nun Rainer Wallisch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung drei neue Vorschläge präsentiert. Sie sollen die Verkehrssicherheit an der Etzelstraße erhöhen, indem die bisher 82 Parkplätze neu angeordnet werden. Variante eins, welche die involvierten Ämter vorschlagen, sieht schräge Parkplätze auf der Seite in Richtung Hohenheimer Straße vor. Die Parkplätze auf der anderen Seite sollen hingegen wegfallen, es bleiben 76. Der Effekt: Die Fahrgasse wird 1,50 Meter schmaler. „Erfahrungsgemäß geht die Geschwindigkeit der Autofahrer dadurch runter“, sagt Wallisch. Der Nachteil: Die gerade Straße bleibt.

Der „optische Durchschuss“ soll unterbrochen werden

Eine zweite Option zielt ebenfalls darauf ab, die Fahrbahn auf 4,50 Meter zu verengen. Dabei sollen die längs angelegten Parkplätze auf beiden Seiten erhalten bleiben, nur ein Platz entfällt. Talabwärts könnte laut Wallisch eine Art „Gehbahn“ – also ein etwas schmalerer Gehweg – angelegt werden. Dies ist jedoch auch der Nachteil, weil über die gesamte Länge der Straße ein neuer Bordstein gebaut werden müsste. Damit wäre dies auch die mit Abstand teuerste Möglichkeit. Der Favorit der Verwaltung ist deshalb eine dritte Möglichkeit, die auf der ersten aufbaut. Talaufwärts werden demnach die Parkplätze ebenfalls schräg angeordnet, allerdings nicht auf der gesamten Strecke. Vereinzelt sollen auf der linken Seite Parkplätze erhalten bleiben. Ziel ist, die gerade Straße aufzuheben, die Autofahrer müssten quasi Schlangenlinien fahren. „Der optische Durchschuss wäre unterbrochen“, sagt Wallisch. Zweiter positiver Nebeneffekt: Diese Option könnte die Stadt relativ zügig umsetzen, und sie wäre zugleich mit dem anstehenden Parkraummanagement gut vereinbar, so Wallisch. Die Anzahl der Parkplätze reduziere sich auf 79.

Der Bezirksvorsteher Raiko Grieb (SPD) könnte mit dieser Variante gut leben. Von einer Sperrung der Etzelstraße – wie sie zum Beispiel die Grünen-Fraktion bevorzugt – hält er nichts. „Der Verkehr verlagert sich dadurch nur. Die Autofahrer werden ja nicht weniger“, sagt er. Unterstützung bekommt Grieb von seiner Fraktion. „Unser Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit für Kinder, aber auch die Anliegen der Anwohner zu berücksichtigen“, sagt der SPD-Bezirksbeirat Arnim Emrich. Mit der Verschiebung der Sichtachse hält er beides für gegeben.

Manchem Lokalpolitiker ist an einer zügigen Verbesserung gelegen. Ernst Udo Abzieher von der AfD bevorzugt daher ebenfalls die dritte Variante. Diese sei zeitnah umsetzbar. „Nach zehn Jahren Diskussion ist das empfehlenswert“, so seine Meinung.

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