Hüben Acker, drüben Straße: Die Landwirte auf der Filderebene sehen sich immer mehr eingekesselt von der Infrastruktur. Foto: Thomas Krämer

Wenn die B 27 auf der Filderebene breiter wird, gibt es rechts und links des Asphaltstreifens etliche Verlierer. Die Landwirte büßen Felder ein und befürchten, dass dies den Verteilungskampf untereinander anfacht.

Filder - Viele Pendler und auch Anwohner auf den Fildern dürften diese Botschaft mit Erleichterung vernommen haben: Die B 27 soll zwischen dem Zubringer von Aichtal und dem Echterdinger Ei auf sechs Spuren plus Standstreifen verbreitert werden. Autofahrer erhoffen sich dadurch ein Ende lästiger Staus im Berufsverkehr, und Anwohner – vor allem in Bernhausen und Echterdingen – bauen auf weniger Verkehr vor ihren Häusern, wenn es auf der Bundesstraße wieder einmal stockt.

Doch es gibt auch Verlierer, also Menschen, die über die Entscheidung alles andere als glücklich sind: die Landwirte auf den Fildern. Zumindest die, deren Äcker an die Schnellstraße grenzen – und davon gibt es etliche. „Durch die kleinteilige Parzellierung wird so ziemlich jeder davon betroffen sein“, erklärt Ernst Schumacher, Obmann der Bernhäuser Landwirte und Filderstädter Stadtrat.

Die Straße soll hinterher 36 Meter breit sein

Schon der einstige Bau der Bundesstraße, die die alte B ­27 durch Echterdingen via Waldenbuch in Richtung Tübingen entlasten sollte, hatte die Landschaft und damit auch die Landwirtschaft verändert, es waren damals Dutzende Hektar Fläche verloren gegangen. 1979 war der Abschnitt zwischen Echterdingen und Filderstadt freigegeben worden, fünf Jahre später das Stück bis Kirchentellinsfurt und schließlich 1994 die letzten Kilometer nach Tübingen.

Und nun steht also ein weiterer Ausbau auf der Filderebene an. Die Straße soll dann 36 Meter breit sein. „Es ist erschreckend, dass zu den 14 Hektar für die Fahrbahnen noch 30 bis 40 Hektar für die Entwässerung und Ausgleichsmaßnahmen dazukommen sollen“, sagt Walter Vohl, Stadtrat aus L.-E. und Obmann des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Stetten. Dadurch würden nicht nur Ackerflächen wegfallen, sondern die Bewirtschaftung der nun kürzeren, sogenannten Kopfgrundstücke direkt an der B 27 würde schwieriger und teurer. „Von einer Flurbereinigung war bisher nicht die Rede“, bemängelt er.

Das Aus für mindestens einen Bauern

Zwischen 20 und 30 Hektar Fläche habe ein durchschnittlicher Betrieb, erklärt Schumacher. Die beiden Obmänner sind sich einig, dass der Ausbau der Straße für mindestens einen Vollerwerbslandwirt auf den Fildern das Aus bedeuten wird, vermutlich jemanden, der mit seiner Ackerfläche ohnehin schon am unteren Rand ist. „Da steht immer ein persönliches Schicksal dahinter“, sagt der Bernhäuser Landwirt. Und dazu komme noch ein weiterer negativer Nebeneffekt: der Konkurrenzkampf unter den Filderbauern um die immer knapper werdenden Flächen. „Der wird deutlich verschärft“, befürchtet er.

Bisher gab es keinen Bauernaufstand. Doch das soll sich ändern. „Wir werden uns in der nächsten Zeit schon artikulieren“, kündigt Schumacher an. „Sind wir solche Hinterwäldler, dass uns keine intelligentere Lösung als ein sechsspuriger Ausbau einfällt?“, fragt sich der Bernhäuser Landwirt. Sein Kollege Walter Vohl aus Stetten bestätigt, dass sich die Landwirte deutlich in die Diskussion einschalten werden. Denn beide Landwirte zweifeln den Sinn des ganzen Ausbaus grundsätzlich an.

Bauern glauben, dass der Ausbau nichts bringt

Schumacher zum Beispiel hatte bereits im Gemeinderat für den Bau einer Schienenverbindung in Richtung Tübingen und Reutlingen plädiert. Vohl befürchtet trotz eines Ausbaus weiterhin Staus zu Stoßzeiten zwischen Plattenhardt und Echterdingen. Die Autoschlangen würde es ohnehin nur im Berufsverkehr geben, weshalb er – wie kürzlich sein Stadtratskollege Frank Mailänder – für eine Freigabe der Standspur als drittem Fahrstreifen in der Hauptverkehrszeit geworben hat. „Das Nadelöhr an der A 8 bleibt als Problem bestehen“, ist er überzeugt. Das Ziel müsse vielmehr ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr sein, sagen die beiden Landwirte. Dann müssten sie nicht zuschauen, wie ihnen weiterhin Fläche für den Gemüse- und Getreideanbau flöten geht.

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