Im vergangenen Jahr kamen zahlreiche Besucher zu „Möhringen lädt ein“. Dieses Jahr entfällt die Veranstaltung. Foto: Archiv Rebecca Stahlberg

Das Straßenfest mit verkaufsoffenem Sonntag trägt sich nicht mehr, sagt der Gewerbe- und Handelsverein (GHV). Die Traditionsveranstaltung Möhringer Herbst hingegen soll auch weiterhin stattfinden.

Möhringen - Die Gründe sind einfach: „Es rechnet sich schlichtweg nicht“, sagt Christian Dempf, der Vorsitzende des Möhringer Gewerbe- und Handelsvereins (GHV). Bei den Vorbereitungen zum aktuellen Kassenbericht habe man die Zahlen überschlagen. Sie sprechen eine eindeutige Sprache: „Sämtliche solche Veranstaltungen sind für uns Draufzahlgeschäfte“, sagt Dempf. Das betreffe nicht nur „Möhringen lädt ein“, welches in diesem Frühjahr für den 14. Mai geplant war, sondern auch den „Möhringer Herbst“.

Die Sperrung der Filderbahnstraße für den Verkehr, die Aufstellung der Stände – das alles kostet mehr Geld als der GHV mit den Veranstaltungen einnimmt. „Wir haben auch mit den Einzelhändlern gesprochen, und auch sie sagen, dass sie bei den verkaufsoffenen Sonntagen unterm Strich draufzahlen, wenn sie ihre Geschäfte öffnen und Mitarbeiter bereitstellen“, sagt Dempf.

Die Vereine finden keine Helfer mehr

„Es ist wirklich schade, weil wir erst im vergangenen Jahr die große Diskussion wegen der verkaufsoffenen Sonntage hatten und letztlich grünes Licht für unsere beiden Veranstaltungen ,Möhringen lädt ein’ und den ,Möhringer Herbst’ bekommen hatten“, sagt Dempf. Die Gewerkschaft Verdi hatte vergangenen Sommer verkaufsoffene Sonntage in den Stadtbezirken unter die Lupe genommen. Nur unter bestimmten Voraussetzungen wurden weitere verkaufsoffene Sonntage für dieses Jahr genehmigt. Eine der Prämissen war etwa, dass diese in Verbindung mit einer traditionsreichen Veranstaltung stattfinden oder mit einer, die selbst mehr Besucher anzieht als die Tatsache, dass am Sonntag die Läden offen sind. Eine Tatsache, die die Möhringer für ihre beiden verkaufsoffenen Sonntage im Frühjahr und im Herbst beanspruchen konnten. Dennoch: „Schlussendlich bringt es nichts“, sagt Dempf.

Ein weiteres Problem sei, dass die Vereine, die sich auf den Straßenfesten präsentieren, immer weniger Helfer finden, die sich beteiligen. Das bestätigt Volker Grosser, der Vorsitzende des Bürgervereins. „Wenn die Helfer wegfallen, ist eine solche Veranstaltung für die Vereine schwer machbar.“ Zudem spiele das Wetter immer eine große Rolle: „Bei Regen bleiben die Straßen leer“, sagt Grosser. Im Mai und Juni sei die Wahrscheinlichkeit für schlechtes Wetter relativ hoch.

„Möhringen mobil“ fand 2014 das letzte Mal statt

Die Frühsommerveranstaltung in Möhringen stand bereits in der Vergangenheit auf wackligen Beinen. Lange Jahre hieß das Fest „Möhringen mobil“, Auto- und Motorradhändler präsentierten sich ebenfalls auf der Filderbahnstraße. Nach der Absage von immer mehr Händlern, die inzwischen ihre eigenen Tage der offenen Tür veranstalteten, fand „Möhringen mobil“ 2014 das letzte Mal statt. 2015 gab es keinen verkaufsoffenen Sonntag im Frühjahr, im Jahr 2016 dann wurde „Möhringen lädt ein“ ins Leben gerufen.

„Der Wegfall nun ist schade für die Möhringer Bürger, aber letztlich ist es für uns ein Kostenfaktor“, sagt der GHV-Vorsitzende. Auch Marie-Ann Heymann, die stellvertretende Bezirksvorsteherin, bedauert den Wegfall von „Möhringen lädt ein“ in diesem Frühjahr. „Vor allem für die Vereine ist es eine schöne Plattform, sich zu präsentieren“, sagt Heymann. Auch für die Bürger sei diese Entwicklung schade. „Solche Veranstaltungen sind auch immer ein Treffpunkt, eine Möglichkeit, mit anderen Möhringern ins Gespräch zu kommen“, sagt Heymann.

Maibaumfest und Möhringer Herbst sind gesetzte Termine

Im Gegensatz zu „Möhringen lädt ein“ soll der „Möhringer Herbst“ allerdings auch weiterhin stattfinden. „Das ist für uns ein gesetzter Termin“, versichert Christian Dempf. „Der ,Möhringer Herbst’ hat Tradition. Da werden wir auch in Zukunft dran festhalten.“ Lieber wolle man eine solche Veranstaltung im Jahr ausrichten, „dafür aber richtig“, sagt Dempf. Auch das feierliche Aufstellen des Maibaums soll in diesem Jahr wie gewohnt stattfinden.

Für die Zukunft könnte sich der GHV vorstellen, auswärtige Firmen, die sich bei den Festen präsentieren wollen und nicht Mitglied im Gewerbe- und Handelsverein sind, verstärkt zur Kasse zu bitten. „Sie dürfen nach wie vor gerne kommen, sollen aber dafür mehr zahlen als unsere Mitglieder“, sagt Dempf. So könnte man das Minusgeschäft, das die Feste mit verkaufsoffenen Sonntagen sind, zumindest teilweise auffangen.

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