Das Wetter machte zum Glück mit bei den Vorführungen unter freiem Himmel. Foto: Gottfried Stoppel

Schlendern, shoppen, sich für eine gute Sache stark machen: Beim Maikäferfest mit verkaufsoffenem Sonntag war eine große Bandbreite geboten. Und das Traditionsfest war trotz Lücken ein Magnet.

„Platz nehmen“, hieß es vor dem Friseurgeschäft in der Bahnhofstraße – und sich einen neuen Haarschnitt abholen. Friseurmeister Ali Okcu hat familiäre Wurzeln im Erdbebengebiet in der Türkei und sorgte für einen neuen Look und eine gute Sache. Denn statt zu bezahlen, waren die Besucher aufgerufen, für die stark von der Katastrophe betroffene Provinz Hatay zu spenden.

 

Die Flaniermeile ist sehr unterschiedlich – teils mit Lücken, teils mit Gedränge

Beim Maikäferfest mit verkaufsoffenem Sonntag in Fellbach war eine große Vielfalt geboten – auch wenn es auf der langen Meile immer wieder deutliche Lücken gab. „Das Fest hat sich schon verändert“, meinte eine Besucherin, man spüre den Strukturwandel. Doch wo es Vorführungen gab, bildeten sich schnell Menschentrauben. Und auf manchen Abschnitten war kaum ein Durchkommen. Immer wieder ging der Blick nach oben, wo sich Wolken türmten – doch es blieb trocken zur Erleichterung aller Beteiligter. Einige bummelten schon vor dem offiziellen Start auf der langen Fußgängermeile.

Zahlreiche Betriebe nutzten die Plattform, um sich zu präsentieren – und einige feierten auch ihre Premiere. Etwa der neue Waschsalon, der in der Eberhardstraße in die Räume des früheren Fahrradgeschäfts Tretkurbel eingezogen ist. Neu dabei war auch Tatjana Krösel, die vor gut einem halben Jahr den Kiosk am Cannstatter Platz übernommen hat. Die Bandbreite war groß: vom kostenlosen E-Lastenradverleih, der vorgestellt wurde, bis zu fair hergestellter Mode, die der Fellbacher Weltladen präsentierte.

Die Bilanz der Händler fiel unterschiedlich aus. „Die Leute kommen in den Laden, schauen sich um, aber kaufen nichts“, hieß es in einem Bekleidungsgeschäft. In Ulli’s Confiserie dagegen herrschte Gedränge. Ulrike Maurer hatte ihre eigens kreierten Schoko-Maienkäfer präsentiert. „Sie kommen prima an“, sagte sie erfreut. Beim Wollgeschäft Strick-Mit zeigte man sich zufrieden. „Es ist eine gute Plattform, viele Leute kommen und schauen sich um“, hieß es dort. Das Organisationsteam des Generationencafés, das neu zum Austausch einlud, freute sich über das Interesse. Allerdings liege der Platz am Schaugarten etwas abseits der Flaniermeile. Das nächste Projekt gehe um digitale Teilhabe, kündigten die Macherinnen an.

Die Bigband Freiberg zaubert begeisterte Gesichter in der Menge

Eines des musikalischen Highlights war die Bigband Freiberg unter Leitung des Fellbachers Boris Degen. „Everyday I have the Blues“ kam etwa klasse an und sorgte für begeisterte Gesichter in der Menge. Doch manche Klassiker und Magnete wie der Schreibfant wurden vermisst, die dieses Jahr nicht dabei waren. Und nicht alle Gewerbetreibende sind angetan, dass die Flaniermeile vom Bahnhof bis zum Rathaus ab der Maicklerstraße verkürzt wurde. Auch manche Besucher zeigten sich darüber verwundert.

Dominik Henzler drückte seinen Ärger aus: „Es ist wichtig, die unteren 200 Meter vom Bahnhof wieder ins Boot zu holen.“ Es sei wenig innovativ, die Strecke einfach einzudampfen anstatt sich neue Konzepte zur Belebung des Traditionsfestes auszudenken. Zu kurzfristig sei die Verkürzung kommuniziert worden, kritisiert der Geschäftsmann. So hätte er eine Oldtimerausstellung absagen müssen, die vor seinem Betrieb „Mack – das Haus der guten Dinge“ geplant gewesen wäre. Auch andere Betriebe seien mit der Verkürzung unglücklich.