Weil es anderen nicht so gut gehe wie ihr, verkauft die neunjährige Nina im Leo-Center in Leonberg ihre Fundstücke aus Südfrankreich. Der Erlös geht an die Lebenshilfe.
Samstagnachmittag im Leo-Center: Kurz vor Weihnachten herrscht reges Kommen und Gehen, die Kundinnen und Kunden sind auf der Suche nach Geschenken – sei es für sich selbst oder für ihre Lieben. Aus den Taschen schauen Geschenkpapierrollen heraus, mit denen dann alles eingepackt wird. Mittendrin, im Erdgeschoss, steht vor dem festlich geschmückten Center-Aktionsstand ein langer Tisch, auf dem viele Muscheln liegen, solche, wie sie Urlauber oft an den Stränden des Mittelmeeres finden.
Wie so viele Kinder, liebt es auch die neunjährige Nina aus Leonberg, diese zu sammeln und mit nach Hause zu nehmen. Doch sie hatte noch eine Idee: wie sie mit den Fundstücken aus Südfrankreich anderen Menschen helfen kann.
„Ich habe keine Beschwerden“, sagt sie zur Begründung
„Ich lebe in einem schönen Haus und habe gar keine Beschwerden“, sagt die Viertklässlerin auf die Frage, warum sie eine große Muschel-Verkaufsaktion kurz vor Weihnachten gestartet hat. „Anderen Menschen geht’s nicht so gut wie mir, da muss ich helfen“, erläutert sie. Also bringt sie die Muscheln für einen guten Zweck an die Frau oder den Mann. Schon im vergangenen Jahr hat sie die Teile mit einer Art Bauchladen in ihrer Nachbarschaft und auf dem Spielplatz angeboten. Damals war die Hilfe für Kinder in Not in Afrika ihre Herzensangelegenheit. „Doch viele Leute haben auf dem Spielplatz kein Geld dabei“, war ihre Erfahrung. Immerhin kamen an die 100 Euro zusammen, ihre Eltern Anita und Torsten Wohlauf legten noch etwas drauf und überwiesen das Geld an Hilfsorganisationen.
In diesem Jahr ging Nina mit Unterstützung ihrer Eltern auf das Leo-Center zu. „Unser Center-Leiter Serge Micarelli war sofort Feuer und Flamme für die Idee von Nina und hat sie aufgenommen“, erzählt seine Vertreterin Alexandra Heinke. Die Muschelverkaufsaktion im Einkaufszentrum sollte einen Bezug zu Leonberg haben, etwa zur Lebenshilfe, die immer wieder von dem Unternehmen unterstützt wird.
Die Muscheln kosten entweder einen Euro oder 1,50 Euro
Und so kam es, dass Nina an diesem Samstag zusammen mit ihren Freundinnen Eva, Louise, Mathilda und Marie an einem langen Tisch vor einem Display der Lebenshilfe stand und Muscheln anbot. Rund 500 Stück hat sie mitgebracht; kleine und große, glatte und gerippte und dann auch noch bunt bemalte. Einen Euro oder 1,50 Euro kosten sie.
Weil eigentlich alle schön sind, haben die Kunden die Qual der Wahl. Ein älterer Herr braucht eine Weile, bis er sich für vier bemalte Muscheln entscheidet. „Opa Gerhard“, wie ihn sein kleiner Enkel hinterher strahlend begrüßt, hat eigentlich schon alle Geschenke zusammen. Als er im Vorbeilaufen den Verkaufsstand sah, habe er gedacht, „so eine Muschel in den Geschenktüten für die Enkelkinder wär‘ nicht schlecht“, erzählt er. Außerdem sei die Aktion super.
Am Ende gehen 400 Euro an die Lebenshilfe
Das meint auch Elisabeth Kolofon von der Lebenshilfe Leonberg. „Ich finde es sehr berührend“, sagt sie mit Blick auf die Mädchen, die auch nach fast drei Stunden noch ausharren, obwohl sie schon ihre Beine vom langen Stehen spüren, wie sie zugeben. „Wir werden Nina demnächst mal zu uns in die Lebenshilfe einladen“, sagt sie. Für das Engagement hat auch Tamia, die erwachsene Schwester von Nina, nur Bewunderung übrig. „Ich finde die Aktion gut und auch mutig“, sagt sie vom Rand des Geschehens aus. „Ich weiß nicht, ob ich den Mut dazu gehabt hätte.“ Schließlich muss Nina, um auf diese Weise anderen helfen zu können, selbst in die Öffentlichkeit gehen. Allerdings geschieht das unter den wachsamen Augen ihrer Eltern, die einen Blick auf die Verkaufsaktion haben.
Nach drei Stunden, als die Einnahmen aus dem „Muschelgeld“ zusammengezählt werden, liegen rund 300 Euro in der Kasse. „Viele Leute haben den Verkaufspreis aufgerundet, haben fünf Euro oder sogar 20 Euro bezahlt“, erzählt Nina. Und Aufrunden tut jetzt auch das Leo-Center, sodass 400 Euro an die Lebenshilfe überwiesen werden können.