Das ehemalige Offizierskasino beim Römerkastell – die Stadt wollte es nicht Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wieder geht es um den Umgang mit historischer Bausubstanz in Stuttgart. Wieder geht von der Stadt Stuttgart keine Initiative aus. Warum eigentlich nicht?, fragt sich Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Manche Fragen sind ganz einfach zu beantworten. Zum Beispiel diese: Soll der Gemeinderat ein Wörtchen mitreden können, wenn der Stadt Immobilien zum Kauf angeboten werden? Oder präziser: Soll er mehr mitsprechen können als heute, wo er erst dann eingeschaltet werden muss, wenn der Wert der angebotenen Objekte 1,6 Millionen Euro übersteigt? Alles, was preislich darunter liegt, fällt bisher in die Entscheidungshoheit von Finanzbürgermeister Michael Föll.

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares Ja! Der Gemeinderat soll mehr mitsprechen und mitentscheiden können. Das ergibt sich aus dem vielfach unsensiblen Umgang der Stadt mit ihrer historischen Bausubstanz, etwas das in Stuttgart auf eine merkwürdige Weise Tradition hat – zuletzt bei dem inzwischen ausgebeinten Hajek-Haus. Und auch im aktuellen Fall – dem Verkauf des ehemaligen Offizierskasinos beim Römerkastell. Der Besitzer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, hatte der Stadt das denkmalgeschützte Gebäude zum Kauf angeboten. Diese lehnte in Person des Finanzbürgermeisters dankend ab. Begründung: Nutzungszweck nicht vorhanden.

Das klingt befremdlich in einer Stadt, die an allen Enden und Ecken Raumbedarf hat und mit geschichtlichen Bauten nicht (mehr) reich gesegnet ist. Es wäre also nicht nur den Schweiß eines Edlen – Michael Föll – wert gewesen, sondern des Schweißes der 60 Stadträte, Fantasie zu entwickeln und sich über ein Nutzungskonzept für das stadtbildprägende Haus Gedanken zu machen. Der Gemeinderat hat es glücklicherweise selbst in der Hand, die Frage der Mitsprache in seinem Sinne zu beantworten; er legt die Wertgrenzen fest. Schon im Sinne einer breiten öffentlichen Diskussion über den Umgang mit der Stadtgeschichte sollte er sich mehr Gehör verschaffen.

jan.sellner@stzn.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: