Ende April hat es in Bernhausen ein verheerendes Feuer gegeben. Die Bäckerei Panificio Etna wurde komplett zerstört. Was hat das Inferno ausgelöst, wie geht es dort weiter?
Maria Cristina Coppola leuchtet mit dem Handy in ein schwarzes Loch. „Das war mein kleines Büro“, sagt sie, doch tatsächlich sieht man nicht mehr als undurchdringbares Schwarz und weiter hinten im Raum eine verkohlte Rührmaschine. Der Rest: undefinierbarer Schutt, Ruß, Trümmer. Von der kleinen italienischen Bäckerei Panificio Etna ist nichts mehr übrig. Alles verbrannt. „Ich habe dreieinhalb Minuten mit der Feuerwehr telefoniert. Danach war meine Bäckerei nicht mehr da“, sagt sie.
Es ist der 30. April, ein Donnerstag, als am frühen Morgen das Feuer ausbricht. Der Notruf erreicht die Einsatzkräfte gegen 7.30 Uhr. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei rückten aus. Während die Polizei ringsherum die Straßen absperrt, beginnt die Feuerwehr zu löschen. Sie wird den Vormittag über damit beschäftigt sein.
Drei verletzte Personen – der 44-jährige Salvatore Zito, er ist ein Mitarbeiter der Bäckerei und der Cousin der Inhaberin, sowie zwei Bewohner des Wohn- und Geschäftshauses an der Nürtinger Straße im Alter von 28 und 48 Jahren – werden wegen Rauchvergiftungen vom Rettungsdienst versorgt und dann ins Krankenhaus gebracht.
Polizei äußert sich zu Bäckerei-Brand in Bernhausen
Durch das Feuer ist das Haus mit den zwei Wohnungen in den oberen Geschossen unbewohnbar, und auch der unmittelbar an die Bäckerei grenzende Döner-Imbiss ist nach wie vor zu. Maria Cristina Coppola berichtet von einem Wasserschaden, zudem gebe es im Haus aktuell keinen Strom. Die Polizei geht von einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus, „auf jeden Fall“, sagt Maria Cristina Coppola dazu. Wie durch ein Wunder ist das Nebengebäude mit dem Weltladen unten verschont geblieben.
Rund zwei Wochen ist das nun her. Während die Polizei auf Anfrage berichtet, dass die Ermittlungen andauerten, dass jedoch keine Anhaltspunkte auf ein strafbares Verhalten bestünden, spricht Maria Cristina Coppola von einem technischen Defekt an einer Kühleinheit, der das Inferno ausgelöst habe. Sie und ihr Vetter seien zu dem Zeitpunkt im hinteren Teil des Geschäfts gewesen und hätten Pizza vorbereitet.
Salvatore Zito habe einen seltsamen Geruch wahrgenommen. „Als er gedacht hat, dass die Apfeltaschen verbrennen, bin ich nachschauen gegangen. Da kamen mir schon die Flammen entgegen“, erzählt Maria Cristina Coppola.
Explosion bei Brand in Bernhausen
Salvatore Zito hat in seiner Heimat Italien zehn Jahre bei der Berufsfeuerwehr gearbeitet, wie er sagt. Er habe sofort gesehen: Da ist nichts mehr zu retten. „Hier war viel Holz, Plastik und Papier“, erklärt er, die Materialien hätten rasend schnell gebrannt. Zum Löschen sei es zu spät gewesen. Daher seien er und seine Cousine nach oben zu den Nachbarn gerannt, um sie rauszuholen. Wenig später habe es eine Explosion gegeben, vermutlich ausgelöst durch einen Kühlschrank. Sämtliche Schaufenster seien dadurch geborsten.
Noch immer stehen verkohlte Stühle vor dem Gebäude. Die Fassade ist teils verrußt, die Schaufenster sind mit Holzplatten verbarrikadiert. „Schlimm, ich habe meine Existenz verloren. Ich habe alles verloren, was ich hatte“, sagt Maria Cristina Coppola. Im September 2024 erst hatte sie ihre Panificio Etna – zu Deutsch: Bäckerei Ätna – an der Ortsdurchfahrt eröffnet. Dort verkaufte die gebürtigen Sizilianerin Spezialitäten aus ihrer süditalienischen Heimat, zudem Feinkost sowie Backwaren.
„Ich kann mich nicht beschweren“, sagte sie Anfang 2025 im Gespräch mit unserer Zeitung, vor allem der Mittagstisch werde gut angenommen. „Das war nicht nur eine Bäckerei, das war mein Leben“, sagt sie nun mit versteinertem Gesicht. Sie schlafe seit dem Unglück schlecht.
Die Wohnungen in den Obergeschossen werden bereits renoviert. Männer in roten Overalls und Schutzmasken arbeiten dort. Die Bewohner sind derweil in städtischen Notunterkünften untergekommen, berichtet Maria Cristina Coppola. Sie sagt, ihre Versicherungen hätten ihre Arbeit aufgenommen. Die Renovierung werde aber gut sechs Monate dauern. Dann aber will sie ihre italienische Bäckerei wieder aufbauen. Maria Cristina Coppola betont: „Die Panificio Etna bleibt.“