Lkw-Brand im Engelbergtunnel: Der Rauch wird nach oben abgesaugt. Foto: KS-Images/Andreas Rometsch

Beim Lkw-Brand im Engelbergtunnel bei Leonberg sind Anfang März zwei Personen verletzt worden. Ein Fachmann der Autobahn GmbH erklärt nun, was dabei offenbar schief gelaufen ist.

Der Engelbergtunnel bei Leonberg ist vollgestopft mit Technik. Sie soll verhindern, dass im Falle eines Brandes Menschen zu Schaden kommen. Als im Engelbergtunnel am 3. März der Auflieger eines Lkw brannte, wurden jedoch zwei Personen verletzt. Sie zogen sich schwere Rauchgasvergiftungen zu. Ist also etwas schiefgelaufen?

 

Bei der Autobahn GmbH gibt es eine Person, die sich mit allen Sicherheitsaspekten auskennt. Sie drängt jedoch nicht in die Öffentlichkeit. Ganz im Gegenteil. Der Name des Mannes ist der Redaktion bekannt, wird mit Blick auf die kritische Infrastruktur jedoch im Folgenden nicht genannt. Sicher ist: Er hat Antworten.

Fachmann nach Brand im Engelbergtunnel: Lkw hat zu spät angehalten

Mit Blick auf einen der Verletzten sagt der Experte: „Dabei ist einiges falsch gelaufen.“ Der Betroffene stoppte seinen Lkw erst kurz vor dem brennenden Anhänger, also mit wenig Abstand – viel zu spät in den Augen des Fachmannes. Dann blieb er zunächst zudem etwa 40 Minuten in seinem Führerhaus und wurde schließlich von der Feuerwehr gerettet.

„Im Tunnel gibt es ja Durchsagen: Es brennt, es besteht Lebensgefahr, lassen Sie Ihr Fahrzeug stehen und begeben Sie sich in Sicherheit“, sagt der Fachmann. Diese Durchsagen seien unmissverständlich und würden zudem in mehreren Sprachen abgespielt. Weiterzufahren sei keine gute Option.

Allerdings sieht der Experte die Gegebenheiten realistisch: „Natürlich erwartet man auf der Autobahn keine roten Ampeln und schon gar keine Durchsagen zur Lebensgefahr. Es ist eine absolute Ausnahmesituation, die Stress verursacht.“ Im Tunnel anzuhalten und sein Auto zu verlassen, das sei völlig ungewöhnlich. Deshalb sei eine kontinuierliche Information über das richtige Verhalten auch so wichtig.

Rauchwolke: Der Qualm quoll aus dem Nordportal und der Lüftung des Engelbergtunnels. Foto: KS-Images

Zu den wichtigen Informationen gehören:

  • Grundsätzlich eine hohe Aufmerksamkeit bei der Einfahrt in einen Tunnel: Die Lage der Notausgänge beachten, zulässige Geschwindigkeit einhalten, vielleicht ein etwas größerer Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug als vorgeschrieben.
  • Wenn Ampeln am Portal aufleuchten, unbedingt stehenbleiben. „Natürlich ist ein gesperrter Tunnel mit Wartezeit verbunden“, sagt der Fachmann, „aber lieber brauche ich eine halbe Stunde länger, als mich in Lebensgefahr zu begeben.“
  • Auch im Tunnel gilt, sobald die Durchsagen kommen: Anhalten, Motor abstellen, Schlüssel beim Verlassen des Autos im Fahrzeug lassen und nicht abschließen.
  • An der Innenwand des Tunnels finden sich Pfeile, die zum nächsten Notausgang (Querschlag in die dann ebenfalls gesperrte, sichere Nebenröhre) weisen. Sollte eines der Portale der nächste Ausgang sein, ist auch dies ein geeigneter Fluchtweg.
  • Sobald ein Sensor einen Brand wahrnimmt, wird die Beleuchtung im Tunnel voll aufgedreht. Das soll die Orientierung erleichtern.
  • Über den jeweiligen Notausgängen werden als Signale orangefarbene Rundumleuchten aktiviert.

Feuer wird sehr früh erkannt“ – dafür sorge die Technik im Engelbergtunnel

„Grundsätzlich glaube ich, dass der Mann unglaubliches Glück gehabt hat“, sagt der Experte. Denn es sei grundsätzlich vermeidbar, dass ein Fahrzeug erst quasi auf Höhe eines Brandes stoppe. „Feuer wird sehr früh erkannt, deshalb haben wir ja die ganze Technik.“ Brenne es, gehe auch sofort die Lüftung in Betrieb und sauge den Rauch nach oben ab. „Der Bereich, in dem Menschen unterwegs sein könnten, wird so schnell und so lange wie möglich frei gehalten.“

Nasses Tuch gegen den Rauch?

Feuer
Hilft bei viel Rauch ein nasses Tuch vor Mund und Nase? „Nun, das ist eher eine urbane Legende“, erklärt der namentlich nicht genannte Fachmann der Autobahn GmbH. Es helfe vielleicht gegen größere Ruß-Partikel. „Aber in diesem Fall geht es ja vielmehr um Kohlenmonoxid und den fehlenden Sauerstoff.“ Und dagegen helfe es nicht.