Bei den Wohnungspreisen nach den Mietspiegeln schneidet die Landeshauptstadt erneut schlecht ab. Doch der Vergleich hinkt womöglich – wie schon die vorausgegangene Auswertung durch ein Hamburger Unternehmen.
Stuttgart - Für Wohnungssuchende ist am Donnerstag eine neue Schreckensmeldung gekommen. Stuttgart sei für Mieter deutschlandweit die teuerste Großstadt, vermeldete das Hamburger Forschungs- und Beratungsunternehmen F+B nach einer Auswertung von Mietspiegeln für 2020. Demnach blieb Stuttgart auch im Coronajahr 1 das teuerste Großstadtpflaster mit durchschnittlich 10,38 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter für eine typische Normalwohnung von 65 Quadratmetern. In der Liste aller 352 betrachteten Kommunen lag nur Karlsfeld (Landkreis Dachau) vor Stuttgart. Dahinter folgten Leinfelden-Echterdingen auf Platz 3, Tübingen auf Platz 5, Ludwigsburg auf Platz 8. München kam mit 9,72 Euro auf Platz 7. Die SPD im Stuttgarter Rathaus reagierte prompt.
Die hiesigen Bestandsmieten lägen um 46 Prozent über den 7,11 Euro pro Quadratmeter, die F+B deutschlandweit im Schnitt ermittelt habe. Das unterstreiche, dass der Wohnungsbau im Rathaus Chefsache werden und man dringend gegen Grundstücksspekulation vorgehen müsse. Aber wie belastbar ist die Studie? Als Stuttgart 2019 an München vorbeizog, erklärte der Verein Haus und Grund München gegenüber unserer Zeitung, der Mietspiegel 2019 sei in München noch unrealistischer als die Vorgänger. Die Verwaltung habe die Mietspiegelwerte quasi kleiner gerechnet, die Wohnungen seien aber nicht preisgünstiger geworden.
München hat noch keinen neuen Mietspiegel
Dieser Mietspiegel lag nun wieder bei der Auswertung vor. In München existiert auch kein neueres Werk. In Stuttgart ist zwar seit 2021 ein neuer Mietspiegel in Kraft, wonach die Durchschnittsmiete quer durch alle Kategorien im Schnitt um 7,7 Prozent gestiegen ist, doch F+B hat nur die bis 31. Dezember 2020 geltenden Mietspiegel erfasst. Für München und für Stuttgart wurden die Werte der Mietspiegel 2019 sogar um die Entwicklung der Verbraucherpreise bereinigt, wie es auch bei Mietspiegeln zulässig ist. Die Preise sanken um ein paar Cent. Sollte München bis Ende 2021 immer noch keinen neuen Mietspiegel haben und das neue Stuttgarter Werk berücksichtigt werden, wird die Schere zwischen Stuttgart und München wohl ganz weit aufgehen.
Überhaupt bezweifeln Experten den Nutzen solcher Auswertungen, auch Till Heinsohn von der Stadt Stuttgart, der den Mietspiegel erstellt. Diese Werke würden nach unterschiedlichen Methodiken erstellt, und ein Mietspiegel bilde nicht den kompletten Mietwohnungsmarkt ab, nur das Segment mit Veränderungen. Auch ohne die Auswertung sei klar, dass die Mieten in Stuttgart und in München so hoch seien wie nirgendwo sonst.