In der Nähe dieses Spielplatzes wurde das Mädchen vergewaltigt. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Fünf Jugendliche sollen in Mülheim eine junge Frau vergewaltigt haben. Der Kriminologe Christian Pfeiffer (75) sagt, das sei kein neues Phänomen.

Stuttgart - Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim an der Ruhr wurden drei 14- und zwei Zwölfjährige ausgeforscht. Die Kinder und Jugendlichen mit bulgarischer Staatsbürgerschaft seien dringend tatverdächtig, hieß es von der Polizei.

Herr Pfeiffer, wie kommt es dazu, dass Kinder solche gewalttätige Übergriffe begehen?

Das können wir nicht sagen, ohne den sozialen Hintergrund der Jugendlichen zu kennen. Generell sind Gruppenvergewaltigungen eher typisch für sozial randständige, bildungsmäßig am unteren Spektrum angesiedelte Menschen. Oft sind es also Jugendliche, die nicht im prallen Leben stehen, sondern Zuschauer davon sind, dass es anderen gut geht. Ein weiterer Faktor ist: Sie sind aufwachsen in einer Machokultur. Sie sind gefrustet, halten aber als Gruppe zusammen. Das sind die Faktoren, die solche Gruppenphänomene entstehen lassen.

Sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt?

In einer Gruppensituation macht man mit, weil man den Status nicht einbüßen möchte, zur Gruppe zu gehören. Wenn dann einer die Führung übernimmt, wagen die Schwächeren nicht zu widersprechen und spielen mit. Gemeinsam fühlt man sich stark genug. Es entstehen Verhaltensweisen, die der Einzelne nicht bringen würde. Das ist aber so alt wie die Menschheit. Allerdings sind diese Fälle eindeutig weniger geworden. Wir hatten solche Gruppendelikte, auch im Bereich sexueller Gewalt, 2007 deutlich häufiger, damals gab es die höchste Gewaltrate unter Kindern und Jugendlichen. Seitdem haben sich die Dinge insgesamt gut entwickelt, und trotzdem gibt es immer wieder solche Fälle.

Was tun mit den Tätern?

Je jünger man ins Gefängnis kommt, desto höher ist das Risiko, dort Opfer von Gewalt zu werden – und damit auch die Rückfallquote. Aber die Haftfrage hängt auch davon ab, wie gefährlich sie eingeschätzt werden, ob sie früher schon mal auffällig geworden sind und Verfahren hatten. Wir werden aber abwarten müssen, was wir über die Täter und deren Hintergrund erfahren.

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