Was spielte sich im Schatten des Volksfestes ab? Foto: Achim Zweygarth

Die Tat beschäftigt seit Tagen die Volksfestbesucher: Eine 18-Jährige wurde am Feiertag des 3. Oktober von einem Unbekannten auf dem Wasengelände vergewaltigt. Nun ist die Tat offenbar geklärt: Nach Informationen unserer Zeitung soll es ein 26-jähriger Festzelt-Mitarbeiter gewesen sein.

Stuttgart - Die Vergewaltigung einer 18-Jährigen am Feiertag des 3.  Oktober auf dem Cannstatter Volksfest ist offenbar geklärt: Die Tat soll nach Informationen unserer Zeitung von einem 26-jährigen Mitarbeiter jenes Festzelts begangen worden sein, das die junge Frau zuvor mit einer Gruppe besucht hatte. Der Verdächtige stellte sich der Polizei, machte aber keine Angaben zu den Vorwürfen. Ein Richter setzte den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug.

Die Tat sorgt seit Tagen für Gesprächsstoff unter Volksfestbesuchern. Der Täter hatte letzten Samstag gegen 23 Uhr die 18-Jährige angesprochen, nachdem diese mit ihrer Gruppe des Festzeltes verwiesen worden war. Er versprach, ihr wieder Zutritt zum Zelt verschaffen zu können, lockte sie in Richtung Campingplatz – wo sich dann die Vergewaltigung abgespielt haben soll.

Warum sich die junge Frau aus dem Raum Frankfurt dem Mann überhaupt anvertraute, blieb zunächst unklar. Dass dies offenbar nicht nur einer Alkoholisierung von über 0,8 Promille geschuldet war, wird mit der Identifizierung des Tatverdächtigen nunmehr plausibel: Es soll sich um einen 26-jährigen Mitarbeiter des Festzelts handeln, mit dem die junge Frau zuvor zu tun gehabt hatte. Die Polizei hatte daher auch einen begrenzten Täterkreis.

Verdächtiger stellt sich mit Anwalt

Offenbar fühlte sich der 26-Jährige unter einem hohen Fahndungsdruck – und stellte sich mit einem Anwalt der Polizei. Weil der Mann aus Hamburg kommt und sich wegen seines Volksfest-Jobs nur noch bis zum Wochenende in Stuttgart aufhält, beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Beschuldigten. Der zuständige Richter erließ den Haftbefehl, setzte ihn aber gegen Auflagen außer Vollzug. Die weiteren Ermittlungen müssen nun ergeben, was sich in jener Nacht abgespielt hat. Nicht selten erklären Beschuldigte in solchen Fällen, dass die Handlungen einvernehmlich erfolgt seien.

Festwirt hat Pech mit Mitarbeitern

Der Festzeltwirt hat offenbar viel Pech mit seinen Mitarbeitern: Am Freitag gingen sieben Beschäftigte in Haft, die aus einem verschlossenen Schrank im Büro Verzehrgutscheine mitgehen ließen. Der Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt: Die Wertmarken, die zumindest teilweise gegen Bargeld eingelöst worden sein sollen, haben einen Gesamtwert von mehreren Zehntausend Euro. Der Schaden könnte sogar sechsstellig sein. Als Hauptverdächtiger gilt ein 37-Jähriger. Die sieben montenegrinischen, deutschen, österreichischen, kroatischen, bosnischen und kosovarischen Männer kamen hinter Gitter.

Wird alles immer schlimmer mit der Kriminalität auf dem Wasen? Thomas Engelhardt, Leiter des Bad Cannstatter Polizeireviers und der Wasenwache, sagt Nein. „Es war ein friedliches Volksfest, wir hatten einen Rückgang der Anzeigen um zehn Prozent.“ 2015 hat es bisher 643 Anzeigen gegeben, 2014 waren es 738, im Jahr davor 944. Die Gewaltdelikte gingen von 218 Fällen auf 171 zurück, die gefährlichen Körperverletzungen, also etwa Hiebe mit dem Bierkrug, von 69 auf 52 Fälle. Gestiegen ist aber die Zahl der Diebstähle von 54 auf 87. Auch Taschendiebe griffen öfter zu – die Zahl stieg von elf auf 32 Anzeigen.

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