Nach einem Zwischenfall in Schorndorf sind zwei Polizisten dienstunfähig geschrieben (Symbolbild). Foto: Weingand / STZN

Ein Autofahrer flieht vor einer Polizeikontrolle und wird erst nach mehreren Kilometern gestoppt. Dabei wehrt er sich heftig. Als die Polizisten ihn schließlich überwältigen, offenbart sich der Grund für seine Flucht.

Alfdorf - Was als Routinekontrolle begonnen hatte, endete am Samstagabend in einer Verfolgungsjagd und einem Handgemenge, bei dem drei Polizisten verletzt wurden. Zwei der Beamten sind jetzt dienstunfähig geschrieben.

Laut der Polizei war der Besatzung eines Streifenwagens gegen 23 Uhr in der Leineckstraße in Alfdorf ein VW aufgefallen, den sie kontrollieren wollte. Der Fahrer beachtete die Anhaltesignale nicht, sondern gab Gas. Erst mit der Unterstützung weiterer Streifenwagen gelang es der Polizei, den Wagen beim rund sieben Kilometer entfernten Kloster Lorch zu stoppen.

Zwei Beamte sind nun dienstunfähig geschrieben

Als der 30 Jahre alte Fahrer durchsucht werden sollte, wehrte er sich heftig, schlug einem Polizisten ins Gesicht und zog ihn an den Haaren. Als mehrere Beamte den Mann gemeinsam überwältigten, wehrte sich der 30-Jährige weiter. Ein 33 Jahre alter Polizist erlitt eine Knochenabsplitterung am Handgelenk und eine Beamtin Prellungen und Schürfungen. Beide wurden ins Krankenhaus gebracht und waren am Montag und Dienstag nicht dienstfähig.

Wie sich herausstellte, war der 30-Jährige betrunken und besaß keinen gültigen Führerschein – doch das war nicht alles. An dem VW, dessen Herkunft ungeklärt ist, waren falsche Nummernschilder angebracht. Der 30-Jährige ist vielfach vorbestraft und steht unter Bewährung. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Das Polizeipräsidium Aalen, das für die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch-Hall zuständig ist, beklagt seit längerer Zeit, die Gewalt gegen Beamte nehme immer mehr zu. Im Jahr 2017 – so die offizielle Jahresstatistik – wurden Polizisten in den drei Landkreisen 287 Mal zu Opfern körperlicher Gewalt. Im Jahr 2014 war dies noch 201 Mal geschehen.

Gewalt gegen Beamte: Die Polizei hat ein Präventionsprogramm gestartet

Die meisten dieser Fälle ereigneten sich im Rems-Murr-Kreis. Der Anstieg hier lag bei fast 13 Prozent – dies steht dem Landestrend entgegen, denn in Baden-Württemberg war Gewalt gegen Polizisten eigentlich etwas seltener geworden. Oft trifft es Beamte auf einem vermeintlichen Routineeinsatz, und immer wieder spielt Alkohol eine Rolle: Knapp zwei Drittel derer, die den Beamten gegenüber handgreiflich werden oder sie bedrohen, sind betrunken.

Um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, hat das Präsidium vor zwei Jahren ein Präventionsprogramm gestartet. Dazu gehört nicht nur, dass Beamte entsprechende Situationen eingehender trainieren, sondern auch, die Zusammenarbeit mit der Justiz zu vertiefen. Eine Online-Befragung unter Polizisten sollte 2017 helfen, Probleme und Lösungen aufzuzeigen. Auch Vorträge sollen – zum Beispiel an Schulen – dabei helfen, dass Polizisten als Menschen und – so das Konzept – als „Träger des staatlichen Gewaltmonopols“ wahrgenommen und respektiert werden.

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