Bisher geht es nur per S-Bahn zum Flughafen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bei der Erörterung der Pläne für die Gäubahnzüge auf den Fildern und am Flughafen prallen Gegensätze aufeinander mit Blick auf den Bauablauf und die Leistungsfähigkeit der Bahn-Lösung.

Stuttgart - Beim sogenannten Erörterungstermin zu den Stuttgart-21-Plänen am Flughafen sind am Mittwoch Differenzen klar zu Tage getreten. Nicht ausschließlich eingefleischte Gegner des Bahnvorhabens halten die vorgelegten Pläne für mangelhaft. Auch Vertreter der Stadt Leinfelden-Echterdingen haben Bedenken formuliert. Die Bahn verteidigte ihre Pläne.

 

Am dritten Tag der öffentlichen Diskussion über den von der Bahn 1.3b genannten Abschnitt, der die Führung der Gäubahnzüge über den Flughafen vorsieht, standen die Auswirkungen während der Bauphase aber auch die Frage der Leistungsfähigkeit im Mittelpunkt der mitunter harsch geführten Debatten.

Debatte über S-Bahnunterbrechung während des Baus

Während des Baus der von der Bahn vorgelegten Planung kann die S-Bahn für ein Jahr nicht zum Flughafen und weiter nach Filderstadt fahren. Die Geister schieden sich an der Frage, ob es ausreichend sei, dass Fahrgäste bereits in Echterdingen auf Ersatzbusse umsteigen sollen oder es einen vorübergehenden Bahnsteig kurz vor Einfahrt in den Flughafentunnel geben soll. Gerd Maier vom Ordnungsamt der Stadt Leinfelden-Echterdingen präferiert den sogenannte Interimshalt. Es sei ihm unklar, wie der ohnehin schon gut ausgelastete Busbahnhof in Echterdingen die bis zu 13 zusätzlichen Busse in der Stunde bewältigen solle, die der Bahn-Gutachter Stefan Tritschler vom Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart (VWI) an Tagen mit gut besuchten Messeveranstaltungen für notwendig erachtet, wenn man auf den Interimshalt verzichte. Dies gelte an 30 bis 35 Tagen im Jahr. Für die prognostiziert Tritschler mehr als 22 000 tägliche Nutzer des Interimshalts, den abseits dieser Tage rund 2200 Fahrgäste nutzen würden. Unterstellt war, dass die Stadtbahnlinie U 6 zum Flughafen fährt, wie es vom Jahresende 2021 an vorgesehen ist, ergänzt um eine neue Linie U 17 von Vaihingen zum Airport, die dank einer neuen Verbindungskurve bei Möhringen möglich wird, die derzeit in Bau ist und künftig die SSB-Streckenäste nach Leinfelden und Flughafen auf der einen Seite mit jenen nach Vaihingen und Dürrlewang auf der anderen Seite miteinander verbindet. Der geforderte Interimshalt im Bereich des Westzugangs der Messe, habe keinen Mehrwert, beschied Bahn-Anwalt Peter Schütz den Kritikern. „Wir meinen, dass er nicht gerechtfertigt ist.“

Bahn unterstreicht die Wirkung der neuen Streckenführung

Welche Auswirkungen die im Finanzierungsvertrag von Stuttgart 21 festgeschriebenen Führung der Gäubahnzüge über den Flughafen haben wird, hat die Bahn von zwei Gutachtern untersuchen lassen. Deren Erkenntnisse fasste Florian Bitzer von der Bahnprojektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) zusammen: „Die Untersuchung zeigt, dass unsere Antragstrasse der Gäubahnführung über die Panoramastrecke eindeutig überlegen ist.“ Die Führung der Gäubahn über den Flughafen bringe 5000 zusätzliche Fahrten im öffentlichen Verkehr mit sich. Die Lösung trage zur Verkehrswende bei, es entstehe eine „einzigartige Mobilitätsplattform im Südwesten“. Dort würden künftig 60 000 Aus-, Ein- und Umsteiger gezählt. Der S-Bahntunnel zwischen Schwabstraße und Österfeld wird um mehr als 3000 Fahrgäste entlastet.

Leinfelden-Echterdingen drängt auf Verbesserungen

Eine Sichtweise, für die Bitzer in der Folge reichlich Kritik einstecken musste. Die Erwartungen an die „Verkehrsdrehscheibe sei völlig überzogen“, sagte Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, aus Filderstadt. Wer in deren Genuss kommen wolle, müsse zunächst überhaupt einmal an den Flughafen gelangen. Eva Noller, Erste Bürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, stieß sauer auf, dass der zum Jahresende beschlossenen 15-Minuten-Takt auf der Filderbahn mit dem Pferdefuß versehen ist, dass nur noch eine S-Bahnlinie fährt. Die S 3 endet künftig in Vaihingen. Das sei mit der Entwicklungsdynamik auf den Fildern nicht vereinbar. Allein Leinfelden-Echterdingen, sei in den zurückliegenden acht Jahren um zehn Prozent gewachsen. Die Zahl der Einpendler habe sich von 22 000 im Jahr 2014 auf mittlerweile 28 000 erhöht. Vor diesem Hintergrund kritisierte sie die prognostizierte „Betriebsqualität“. Statt weniger S-Bahnlinien müssten es mehr werden, sagte Noller und redete einer neuen Tangentiallinie das Wort. Nur so würden Mobilitätswende und Klimaschutz gelingen. Leinfelden-Echterdingens Anwalt Armin Wirsing resümierte, die Planungen könnten nicht genehmigt werden.

Dem hielt Peter Schütz entgegen, dass die Gutachter der Bahn bestätigt hätten, dass die Gäubahnführung über den Flughafen verkehrliche Wirkung entfalte und dass sich der Verkehr auf der diskutierten Antrags-trasse gefahren werden könne. „Das sagen unsere Gutachter und die sind nicht widerlegt worden“.

Am Donnerstag wird die Diskussion von 9 Uhr an fortgesetzt. Dann geht es unter anderem um den vom Bund vorgeschlagenen Gäubahntunnel, der die Bahn-Planungen obsolet machen könnte.