Nur für Frauen: die Ausstellung Ladies Lounge im Mona in der tasmanischen Hauptstadt Hobart. Foto: Mona/Jesse Hunniford

Ein Museumsbesucher fühlt sich diskriminiert, weil er die Installation „Ladies Lounge“ im Mona in Tasmanien nicht besuchen darf. Das Urteil steht noch aus.

Ein Kunstmuseum auf der australischen Insel Tasmanien zeigt eine Installation, zu der nur Frauen Zutritt haben. Damit soll auf geschlechtsspezifische Diskriminierung aufmerksam gemacht werden. Einen männlichen Besucher verärgerte dies so sehr, dass er das Museum nun verklagt.

 

Das Museum ist bekannt für provozierende Kunst

Das Museum für neue und alte Kunst – kurz MONA genannt – ist kein Museum, das man im verschlafenen Hobart, der Hauptstadt der australischen Insel Tasmanien, erwarten würde. Passend zum Namen des Museums gibt es dort ägyptische Sarkophage zu sehen, aber auch kontroverse moderne Kunst. Zu nennen wäre da eine „Maschine“, die echte, stinkende Exkremente produziert oder ein Gang, in dem über Hundert in Porzellan gegossene weibliche Geschlechtsteile hängen. Die Künstler und Kuratoren wollen mit vielen ihrer Ausstellungsstücke aufwühlen. So auch mit einer aktuellen Ausstellungen, bei der Männer draußen bleiben müssen – mit Ausnahme der männlichen Butler, die den weiblichen Gästen Champagner in hohen Gläsern servieren. Zu sehen gibt es in der Installation „Ladies Lounge“, eine in dunkelgrüne Samtvorhänge gekleidete Oase, Originalwerke von Picasso und Sidney Nolan.

Wie andere Männer durfte auch Jason Lau die von der amerikanischen Künstlerin und Kuratorin Kirsha Kaechele ersonnene Ausstellung nicht betreten, als er das Museum im April 2023 besuchte. Dies verärgerte den Besucher so, dass er beim Antidiskriminierungsbeauftragten Tasmaniens eine Beschwerde einreichte. Er sei aufgrund seines Geschlechts diskriminiert worden.

Inzwischen wurde die Angelegenheit vor einem Gericht in Hobart verhandelt. Während dieser Gerichtsverhandlung argumentierte der Mann, dass er 35 Australische Dollar Eintritt bezahlt habe und erwartete, Zugang zum gesamten Museum zu haben. „Ich war überrascht, als mir gesagt wurde, dass ich eine Ausstellung nicht sehen könnte“, sagte Lau laut Berichten lokaler Medien.

Kaechele gesteht, dass die Ausstellung diskriminiere: „Wir sind so tief in der Herrschaft des Mannes verankert, dass wir nicht einmal die unzähligen Arten sehen, mit denen wir an seiner Herrschaft festhalten und sie vervielfachen“, schrieb Kaechele in einer E-Mail. Die „Ladys Lounge“ sei ein „friedlicher Rückzugsort für Frauen; ein Zufluchtsort, um klar zu denken und die reine Gesellschaft von Frauen zu genießen“.

Was ist eigentlich das Kunstwerk?

Kaechele selbst nutzte die Verhandlung im März für einen medienwirksamen Auftritt: Gemeinsam mit einer Gruppe anderer Feministinnen schritt sie – mit roten Lippen, Perlenketten und in dunkelblaue Anzüge gekleidet – aus dem Gerichtsgebäude. Kaechele, die mit dem Gründer des Museums, David Walsh, liiert ist, demonstrierte damit, dass ihr das Verfahren recht kommt, es ist quasi Fortsetzung ihrer Kunst.

Mit seinem Museum wollte Walsh, ein Mathematiker, der ein enormes Vermögen beim Glücksspiel erspielte, das er dann in sein Museum steckte, schon immer aufwühlen und überraschen. Die Arbeit sei notwendigerweise diskriminierend, sagte Catherine Scott, die Anwältin von Kaechele vor Gericht. Indem Männern der Zutritt zur Ausstellung verweigert werde, ermögliche dies ihnen erst, etwas zu erleben. Auch Kaechele betonte, dass die Erfahrung der Ablehnung das Kunstwerk sei.

Die „Ladys Lounge“ ist von ausschließlich für Männer zugänglichen Bereichen inspiriert. So erlaubte Australien es Frauen erst ab 1965, öffentliche Bars zu betreten. Zuvor waren sie – wenn sie überhaupt Zutritt hatten – in die sogenannte Ladys Lounge verbannt worden, einen kleineren Bereich, in dem oft teurere Getränke verkauft wurden.

Eine Entscheidung des Gerichts wird für die kommenden Wochen erwartet.