Menetekel in der Fellbacher Stadt-Silhouette: Die seit zehn Jahren im Rohbau stehende Tower-Ruine. Foto: Gottfried Stoppel

Michael Georg Warbanoff und sein Sohn Mark müssen sich wegen Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation vor dem Landgericht verantworten. Das Verfahren startet noch im Frühjahr.

Fast zehn Jahre nach der Insolvenz beim noch immer nicht fertiggestellten Wohnhochhaus Schwabenlandtower müssen sich die beiden Erfinder des Pleiteprojekts in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) doch noch in einem Prozess verantworten. Das hat ein Sprecher des Stuttgarter Landgerichts am Mittwoch mitgeteilt.

 

„Die zuständige Strafkammer hat das Verfahren gegen einen heute 79-Jährigen und einen heute 46-Jährigen zur Hauptverhandlung in vollem Umfang zugelassen“, heißt es in einer kurzen Mediennotiz über die bereits in den nächsten Wochen anstehende Eröffnung des Verfahrens.

Mehrere hundert Investoren wurden um teilweise erhebliche Summen gebracht

Verantworten müssen sich Michael Georg Warbanoff und sein Sohn Mark Georg neben dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung auch für eine mutmaßliche Marktmanipulation. Sie hatten bei dem seinerzeit noch unter dem Namen „Gewa-Tower“ laufenden Großprojekt aus Sicht der Stuttgarter Staatsanwaltschaft mehrere hundert Kleinanleger getäuscht und um teilweise erhebliche Summen gebracht.

Zur Finanzierung des Gesamtprojekts aus Wohnturm, Hotel und Randbebauung hatte die „Gewa 5 to 1“ eine Anleihe im Gesamtwert von 35 Millionen Euro ausgeschrieben. Obwohl der Verkauf der Appartements in dem 107 Meter hohen Wohnprojekt längst ins Stocken geraten war und die für den Bau gegründete Gesellschaft wirtschaftlich zunehmend in Schieflage kam, ließen Vater und Sohn die Investoren über die finanzielle Lage im Unklaren.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte deshalb im Sommer 2024 Anklage gegen die einstigen Bauherren erhoben. Vater und Sohn – so der Vorwurf der Ermittler – hätten „falsche und irreführende Angaben“ über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse verbreitet, um den Börsenpreis der Gewa-Anleihe zu stabilisieren.

Noch im September 2016 fand ein feierliches Richtfest für das Großprojekt statt, zwei Monate später stellte der beauftragte Generalunternehmer die Bauarbeiten an dem Fellbacher Hochhaus wegen ausbleibender Zahlungen ein. Nach Baustopp und Insolvenz brach der Kurs der Gewa-Anleihe drastisch ein, die enttäuschten Anleger mussten noch froh sein, Jahre später wenigstens 40 Prozent der investierten Summe zurück zu erhalten.

Durch die Pleite des Großprojekts geriet Fellbach bundesweit in die Schlagzeilen, die nach wie vor im Rohbau stehende Tower-Ruine wartet nach wie vor auf ihre Vollendung. Fast zehn Jahre nach Insolvenz und Baustopp steht in Stuttgart nun die juristische Aufarbeitung des Skandals an. Das Verfahren vor dem Landgericht soll noch in diesem Frühjahr beginnen, konkret festgelegte Prozesstermine gibt es aktuell noch nicht.