Der Ruf von Bill Cosby ist ruiniert. Nun ist auch seine Freiheit in Gefahr. Foto: AP

Dem US-Entertainer Bill Cosby (78) wird wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs der Prozess gemacht. Es gebe ausreichend Beweise, entschied Richterin Elizabeth McHugh. Opfer von einst versuchen, sich zu erinnern.

Norristown - Seinen Ruf hat er nicht mehr zu verlieren, aber seine Freiheit. Bill Cosby, der ehemalige Superstar des US-Unterhaltungsfernsehens, muss sich einem Strafverfahren wegen sexueller Nötigung stellen. Dem ehemaligen Komiker, der seine Ansichten über Familienleben und Kindererziehung gerne mit der Öffentlichkeit teilte und deswegen als moralische Instanz wahrgenommen wurde, drohen bis zu zehn Jahre Haft – wenn ihm die Vorwürfe nachgewiesen werden sollten, was nicht einfach wird.

Den ersten Schritt dazu hat jetzt eine Richterin in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania gemacht. Fünf Monate lang hatten die Anwälte Cosbys, der Mitte Juli 79 Jahre alt wird, versucht, ihren Mandanten vor einer Verhandlung zu bewahren. Doch Richterin Elizabeth McHugh entschied: „Der Fall geht weiter.“ Ende Juli ist der nächste Termin, dann könnte die Anklage verlesen werden.

Der Fall führt zurück ins Jahr 2004. Andrea Constand, die Angestellte einer Universität in der Nähe von Cosbys Wohnort Philadelphia, sagte damals aus, der Entertainer, der in den 80er Jahren in Deutschland als Hauptdarsteller in der Sitcom „Bill Cosby Show“ bekannt wurde, habe ihr erst Beruhigungspillen verabreicht und sich dann sexuell an ihr vergriffen.

Wie viel Cosby bezahlt hat ist unbekannt

Zu einer Anklage kam es damals nicht, weil der zuständige Staatsanwalt glaubte, nicht genügend Beweise gegen Cosby zu haben. Zudem wurde dem TV-Star zugesichert, dass es auch in Zukunft keine Anklage geben werde, sollten sich Cosby und Constand außergerichtlich einigen. Das geschah auch. Der Entertainer zahlte eine Geldsumme, deren Höhe bis heute nicht bekannt ist.

Doch aus dieser Zeit stammt auch eine eidesstaatliche Erklärung Cosbys, die ein Nachfolger des damaligen Staatsanwalts vor einigen Monaten zum Anlass nahm, noch kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist Anklage zu erheben. „Ein geheimes Abkommen, dass es einem reichen Angeklagten erlaubt, sich aus einem Strafverfahren herauszukaufen, das ist nicht rechtens“, sagte Staatsanwalt Kevin Steele.

Die Erklärung aus dem Jahr 2005 blieb lange unter Verschluss. Erst nach Klagen von US-Medien wurde öffentlich, dass Cosby damals eingeräumt hatte, Frauen Beruhigungspillen verabreicht, um mit ihnen Sex zu haben. Das sei allerdings einvernehmlich geschehen, ließ der Entertainer später über seine Anwälte mitteilen. Andrea Constand dagegen sagte damals vor der Polizei aus, Cosby habe ihr die Tabletten gegen ihren Willen eingeflößt: „Meine Beine waren wie Pudding. Ich konnte nicht mehr sprechen.“

Aussage steht gegen Aussage

Es steht Aussage gegen Aussage, physische Beweismittel gibt es nicht. Das macht die Beweisführung im Fall Cosby besonders schwierig, sagen Rechtsexperten. Einen Einblick, wie er seinen Mandanten verteidigen will, gab Cosbys Anwalt Brian McMonagle jetzt während der Anhörung in Norristown: „Wenn Ihnen jemand sagen würde, dass ihm vor elf Jahren jemand etwas über einen Vorfall vor zwölf Jahren erzählt hat, und jetzt gibt es einen Prozess – das ist unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die Verteidigung wird also voraussichtlich versuchen, Andrea Constands Glaubwürdigkeit zu vernichten. Die Anklage dagegen dürfte während des Verfahren auf die mehreren Dutzend Frauen verweisen, die ähnliche Anschuldigungen wie Constand gegen den Entertainer erhoben haben. 58 Frauen sind es mittlerweile, schreibt die „Washington Post“. Weil die meisten Fälle allerdings verjährt sind, dürfte Bill Cosbys um weitere Strafverfahren herumkommen. Es bleiben allerdings die Zivilklagen wegen Verleumdung, die diese Frauen gegen ihn anstrengen. Denn Cosby lässt seit Beginn der Affäre vor fast zwei Jahren einen Anwalt nach dem anderen aufmarschieren und die Frauen als geldgierige Lügnerinnen diskreditieren.

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