Foto: Pascal Thiel

An diesem Donnerstag soll das Ende des Kleintierzuchtvereins in Schorndorf-Weiler beschlossen werden. Einzelne Mitglieder sehen das Prozedere kritisch.

Schorndorf - Die mehr als 70-jährige Geschichte des Kleintierzuchtvereins im Schorndorfer Teilort Weiler könnte am Donnerstagabend dieser Woche ­beendet werden. In dem Verein, der seit mehr als zwei Jahren ohne einen handlungsfähigen Vorstand ist (wir berichteten), steht der Beschluss zur Liquidation bevor. Die als Notvorstand eingesetzte Schorndorfer Anwältin Sabine Hautz-Hilgart hat die verbliebenen zwölf Mitglieder zu einer Sitzung eingeladen, die laut der Einladung nur einen Tagesordnungspunkt hat: Auflösung des Vereins.

Der Waldkindergartenverein Waldwichtel, der seine Bauwagen neben dem Gelände der Kleintierzüchter stehen hatte, nutzt deren Ausstellungshalle offenbar bereits für den Kindergartenbetrieb. Sie habe mit den Waldwichteln eine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen, sagt die Anwältin auf Anfrage, der Verein zahle für die Halle Gebühren. Beschlossen worden sei dies auf einer informellen Mitgliederversammlung des Kleintierzuchtvereins, zu der sie Mitte August eingeladen habe. Mit großer Mehrheit hätten die dort erschienenen Mitglieder zugestimmt.

„Hohe Werte“ in den Bauten des Areals

Ein Mitglied des Vereins, das seinen ­Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erhebt gegen die Anwältin Vorwürfe. „Sie vertritt nicht uns, sondern den Waldkindergarten“, behauptet er. In dem Gelände der Kleintierzüchter steckten große Werte, die er auf „mindestens 300 000 Euro“ schätze. Alle Mitte der 1990er Jahre errichteten Hütten seien massiv gebaut, unterkellert und an Wasser und Strom angeschlossen. Etliche Mitglieder hätten „mehrere Zehntausend Euro“ an Eigenleistungen und finanziellen Mitteln in die Hütten gesteckt. Auch die Ausstellungshalle, die jetzt vom Waldkindergarten verwendet werde, habe man „mit Festen mühsam ­abgestottert“. Zudem sei sie vom Landesverband der Kleintierzüchter mit 30 000 Mark (rund 15 000 Euro) gefördert worden – auch ein Betrag, der wohl nie zurückgezahlt werde, befürchtet das Mitglied.

Die Anwältin weist die Vorwürfe zurück. Sie habe vom Amtsgericht Stuttgart den klaren Auftrag bekommen, als Notvorstand den Verein aufzulösen, erklärt sie. Ob für die Mitglieder ein Ausgleich bezahlt werde, könne erst in der Phase der Liquidation geklärt werden – und ob sie als Liquidatorin bestimmt werde, sei noch nicht festgelegt. Nach jetziger Rechtslage sehe sie aber ­wenig Chancen, dass die Mitglieder einen Ausgleich erhalten. Die Buchführung des Vereins habe in den vergangenen Jahren „nicht dem entsprochen, was für einen ­Verein üblich ist“, sagt Hautz-Hilgart. Der stellvertretende Vorstand habe die Unterlagen in zwei Bananenkisten gelagert. Man habe bereits umfangreich forschen ­müs­sen, wer überhaupt Mitglied sei – der stellvertretende Vorsitzende behauptete zwischenzeitlich, bereits ausgetreten zu sein.

Stadt fördert Waldkindergarten

Sie sehe es jedoch nicht als ihre Aufgabe an, etwaige Versäumnisse der früheren Vorstände rechtlich zu ahnden, sagt Sabine Hautz-Hilgart. Zwar sei das Vereinsrecht als Rechtsgebiet neu für sie, da sie jedoch seit vielen Jahren ehrenamtlich im Vorstand eines Vereins in Ebersbach an der Fils tätig sei, habe sie einige Erfahrungen in diesem Bereich.

Sabine Hautz-Hilgart war von der Stadt Schorndorf als Notvorstand für den Kleintierzüchterverein vorgeschlagen worden. Bei Sitzungen zum Thema Kindergartenbedarfsplanung hatte es der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich begrüßt, dass der Verein Waldwichtel künftig räumlich besser ausgestattet wird. Der Verein wird in der Stadt auch zur Deckung der Zahl der Kindergartenplätze benötigt.

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