Nach dem Verkauf der Stuttgarter Sportklinik an das städtische Klinikum löst sich der Verein Sporthilfe Württemberg auf – nach 72 Jahren. Die Frage ist: Was wird aus dem Millionenvermögen des Vereins?
Im November 1952 wurde sie gegründet zur Unterstützung von verletzten Sportlern, um deren finanzielle Lage abzusichern. Bald gehört der Verein Sporthilfe Württemberg aber der Vergangenheit an, er löst sich auf. „Fast auf den Tag genau 72 Jahre nach der Gründung haben wir das Ende des Vereins eingeläutet“, sagt der Noch-Vereinsvorsitzende Michael Hurler. Nach dem Verkauf der Sportklinik-Beteiligung an das Klinikum der Stadt Stuttgart sei dieser Schritt „so gut wie unausweichlich“ gewesen, begründet Hurler das Vorgehen. Die Sorge der 38 Vereinsmitglieder, allesamt gemeinnützige, teils kleine Sportverbände, sei wegen des starken Wandels im Krankenhauswesen groß gewesen, angesichts „finanzieller Unwägbarkeiten bei größeren Investitionen womöglich in Haftung genommen zu werden“, erklärt Hurler.
Nach der Gründung der Selbsthilfeorganisation im November 1951 begannen bald die Planungen einer Fachklinik für Sportverletzte. Damals gab es „in keinem Krankenhaus der Region eine Abteilung für Sportverletzte“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Im August 1954 wurde die Sportklinik Stuttgart in Bad Cannstatt eröffnet. Sie entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer bundesweit angesehenen Einrichtung.
Bis im Sommer 2022 war die Württembergische Sporthilfe mit einem Anteil von 51 Prozent noch Hauptgesellschafter der Sportklinik gewesen. Die anderen 49 Prozent hatte man schon 2008 an das städtische Klinikum verkauft. Die Hoffnung war, zusammen mit der Stadt einen Klinikneubau im Neckarpark finanzieren zu können. Der Plan erwies sich als unrealistisch, weil viel zu teuer. Vom kommenden Jahr an wird die Sportklinik in dem disziplinären Verbund „Sportklinik, Orthopädie und Unfallchirurgie des Klinikums Stuttgart“ den Betrieb im Krankenhaus Bad Cannstatt aufnehmen.
Doch was wird aus dem noch vorhandenen Vermögen der Sporthilfe, das der Vereinsvorsitzende mit „rund acht Millionen Euro“ angibt? Das Geld werde „nach dem nun anstehenden Liquidationsjahr satzungsgemäß an den Württembergischen Landessportbund (WLSB) übergehen“, erklärt Michael Hurler. Die Sporthilfe hat aber recht klare Vorstellungen, was mit dem Geld passieren soll. Die Mittel sollten jedenfalls „nachhaltig“ verwendet werden und „nicht einfach in der Kasse verschwinden“.
So werden fünf Millionen Euro in die Sportstiftung des WLSB eingebracht. Die verbleibenden drei Millionen Euro sollen in die „Transformation und energetische Sanierung der beiden Landessportschulen in Albstadt und Ruit“ fließen. Ziel seien „Leuchtturmprojekte“ in diesem Bereich. Man sorgt sich bei der Sporthilfe, dass der Tagessatz in den Sportschulen, die auch Übernachtungszimmer bieten – zurzeit betrage der Satz 52 Euro, bei etwa 100 000 Übernachtungen im Jahr –, wegen der hohen Energiekosten deutlich steigen könnte. Dies könnte sich negativ etwa auf die Ausbildung von Trainern auswirken, erklärt Michael Hurler. Hier will die Sporthilfe eine Unterstützung bieten.
Das umfangreiche „Verwendungskonzept“, das der Verein formuliert hat, sieht in Anlehnung an sein bisheriges Aufgabenfeld auch vor, dass im Angebot künftig etwa sportmedizinsche Seminare mitberücksichtigt werden. Und man will helfen, das Schwimmbad in der Sportschule Ruit zu erhalten. Ebenso schwebt dem Verein vor, dass die Bewässerung der dortigen Sportplätze erneuert wird, etwa durch Einrichtung von Zisternen.
Vom heutigen Charakter des unabhängig handelnden 75-Betten-Hauses Sportklinik Stuttgart wird nichts übrig bleiben. Die renommierten Chefärzte, VfB-Mannschaftsarzt Raymond Best sowie seine Kollegen Frieder Mauch und Ulrich Becker, die neben dem VfB Stuttgart unter anderem zwei Handball- und Basketball-Bundesligisten, den Olympiastützpunkt sowie das Nationalmannschaftszentrum der Rhythmischen Sportgymnastik betreuen, haben gekündigt. Sie wechseln nicht mit an das Krankenhaus Bad Cannstatt. Ob, wo und wie sie weitermachen werden, ist nicht bekannt.