Verein in Stuttgart-Degerloch Die Stadt erspart Degerloch Solar die Insolvenz

Von Judith A. Sägesser 

Wird sich der Verein Degerloch Solar auflösen? Foto: Archiv Rebecca Stahlberg
Wird sich der Verein Degerloch Solar auflösen? Foto: Archiv Rebecca Stahlberg

Was zunächst gar nicht gut aussah, hat sich nun für Degerloch Solar in eine erfreuliche Richtung entwickelt: Die Stadt investiert 60 000 Euro, um den Verein zu retten – doch dieser wird sich nun vermutlich auflösen.

Degerloch - Seit der vergangenen Woche steht fest: Der Verein Degerloch Solar ist schuldenfrei und nicht mehr von der Insolvenz bedroht. Der Verwaltungsausschuss hat das Schulverwaltungsamt dazu ermächtigt, die Solaranlage, die auf dem Dach der Filderschule und der angrenzenden Sporthalle installiert ist, zu erwerben. Für den Kauf haben die Räte 24 200 Euro bewilligt, für die rein rechnerisch entgangenen Einnahmen durch die Anlage weitere 22 637,89 Euro sowie 11 519,20 Euro für den Abbau und die Entsorgung der Module.

Die Stadt Stuttgart bewahrt den Degerlocher Verein damit mit einer Summe von knapp 60 000 Euro vor einem Schuldenberg. „Der Stadt ist das Thema einfach wichtig“, sagt Jürgen Görres vom Amt für Umweltschutz, das die Koordination in dieser Sache übernommen habe. „Wir haben uns alles genau angeschaut“, sagt Görres. „Der Verein hat nicht unredlich gewirtschaftet.“ Deshalb habe die Stadt ihn nicht hängenlassen wollen.

Eigentlich sollte die Anlage bis 2020 laufen

Im vergangenen Jahr sah es hingegen zunächst gar nicht gut aus für Degerloch Solar. Zum Hintergrund: Der Verein hatte sich im Jahr 2000 gegründet, um eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Filderschule und der angrenzenden Sporthalle zu installieren und zu betreiben. Im Frühjahr 2017 wurde Degerloch Solar von der Stadtverwaltung schriftlich aufgefordert, die Anlage auf eigene Kosten zu entfernen, weil das Dach dringend saniert werden müsse. Der Verein war alarmiert, fürchtete er doch durch diese Forderung nichts Geringeres als die Insolvenz.

Die Solaranlage sollte laut dem ursprünglichen Gestattungsvertrag mit der Stadt Stuttgart bis zum Jahr 2020 laufen, auf diesen Zeitraum war deshalb auch die gesamte Kalkulation des Vereins ausgelegt. Ein Anwalt wurde eingeschaltet, und sogar der Oberbürgermeister Fritz Kuhn wurde kontaktiert. Nach Wochen der Ungewissheit hat sich dann aber eine Verhandlungslösung abgezeichnet, der die Mitglieder des Verwaltungsausschusses vergangene Woche mit ihrer Zustimmung den Weg geebnet haben.

Die Teile wurden fachgerecht entsorgt

Bereits im November 2017 ist die Anlage vom Dach der Filderschule abgebaut worden. Die Module auf der Turnhalle produzieren nach wie vor Strom. Sobald das Dach der Schule saniert sei, werde die Stadt dort eine neue Anlage installieren, sagt Görres. Die Anlage des Vereins sei zum Teil kaputt gewesen, zum anderen würden modernere Module schlicht mehr Strom produzieren. Deshalb seien die alten Teile fachgerecht entsorgt worden.

Stefan Clarenbach, der Vorsitzende von Degerloch Solar, äußert sich zufrieden mit der jetzigen Lösung. „Das Thema ist für uns durch“, sagt er auf Nachfrage. Weil die Solaranlage der Vereinszweck gewesen ist, liegt es nun nahe, dass sich der Verein auflösen wird. Ob es so weit kommt, soll die Generalversammlung Mitte März zeigen, sagt Clarenbach. „Da soll besprochen werden, wie das alles abgewickelt wird.“ Neben der Auflösung gebe es die Option, dass sich der Verein einen neuen Zweck gibt. Doch mehr kann und will Clarenbach momentan noch nicht sagen.

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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