Heinz Lenz mit der CS Beat Band im Stettener Bädle – und heute Foto: Eva Herschmann

Heinz Lenz, Gründungsmitglied der CS Beat Band und des Vereins für Kunst und Kultur in Kernen, ist 75 Jahre alt geworden – und kein bisschen leiser.

Heinz Lenz hat sich an seinem 75. Geburtstag feiern lassen. Wie auf der Bühne, nur, dass seine Fans zugleich Familie und Freunde waren. Und wie bei einem Auftritt hat der Stettener, Gründungsmitglied und Frontmann der CS Beat Band, die Mitte der 1960er Jahre das Remstal aufmischte, sowie langjähriger Vorsitzender des Vereins Kunst und Kultur in Kernen, jede Minute genossen.

1962, mit 14, gründete Heinz Lenz, der am 10. März 1948 geboren wurde und in Schnait aufwuchs, mit Bernd Brosig und anderen das Colombo Swingtett. Erst seien sie eher „Schwiegermuttertypen“ gewesen, sagte er später. Bald benannten sich die Teenager in CS Twist Band und 1964 in CS Beat Band um. Nur das Kürzel CS blieb von den braven Anfängen – und schmückt, auch nachdem sich die Band nach mehr als 50 Jahren auflöste, bis heute das Nummernschild seines Autos.

Politische und tiefgründige Gedichte

Der Bub besuchte die Volksschule und war in seiner Freizeit mit Gymnasiasten zusammen. „Ich habe gemerkt, dass die sprachlich gewandter waren als ich“, sagt Heinz Lenz. Also ging er auf die Höhere Handelsschule und danach auf die Wirtschaftsoberschule bis zum Abitur. Eine Zeit lang schwebte ihm vor, Journalist zu werden. „Ich wollte schreiben, das war immer eine Vision für mich.“ Heute tut er es, und seine Gedichte sind oft politisch und immer tiefgründig.

Damals, in jungen Jahren, bewarb sich Heinz Lenz bei dpa und bekam eine Zusage aus Hamburg. „Dann hatten wir eine Bandprobe, und die Jungs meinten, dass ich das nicht machen könne.“ Heinz Lenz ließ sich überzeugen und machte stattdessen eine Lehre als Verlagsbuchhändler. Während seiner Ausbildung arbeitete er auch im Lektorat und fand diese Beschäftigung bereichernd.

Weil ein Lektor studiert haben muss, schrieb sich Heinz Lenz 1970 an der Universität Stuttgart ein. Sein Studiengang: Germanistik mit Schwerpunkt Linguistik und Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft. Der Student Heinz Lenz, „schon immer politisch und rebellisch angschuggt“, war in Stuttgart einer der Aktivposten der Studentenbewegung. Der Remstäler wurde zum Geschäftsführer des AStA, des Allgemeinen Studierendenausschusses, gewählt und vier Semester freigestellt, um Politik zu betreiben. „Da habe ich ein stückweit das Reden gelernt.“ Die Zeit in der studentischen Bewegung, die sich an der Arbeiterbewegung orientierte, aus der Heinz Lenz kommt, gebar einen neuen Berufswunsch. „Ich war als Geschäftsführer aufklärerisch tätig, das kommt dem Lehrerberuf schon recht nahe.“

Heinz Lenz wählte „bewusst“ eine Stelle an der Beruflichen Schule in Esslingen. Später arbeitete er für das Regierungspräsidium, begleitete und coachte Schulleiter. Dieses „Dazwischensein“, sagt er, sei sein Lebensthema. Dazu passt, dass der Künstler und politische Aktivist gern im beschaulichen Stetten lebt, das eine große widerständische Vergangenheit besitzt: mit dem ersten selbstverwalteten Jugendzentrum und Hitler-Kabelattentäter Hermann Medinger.

Zehn Jahre als Vorsitzender des Vereins

Auch sein Engagement im Verein Kunst und Kultur in Kernen ist stimmig. Es habe eine Aufbruchsstimmung geherrscht, erinnert sich Heinz Lenz an die Gründungsversammlung 2005, in der er zum Vorsitzenden gewählt wurde. „So viele wollten sich einbringen, hatten Freude daran, etwas Neues auf die Beine zu stellen.“ Und das, obwohl Künstlerinnen und Künstler eigentlich eher weniger mit Vereinen zu tun haben, sondern individuell unterwegs seien, sagt er augenzwinkernd. „Der KuKuK ist eben eine Ausnahmeerscheinung.“ Zehn Jahre, bis zum Februar 2015, war Heinz Lenz Vorsitzender des Vereins. Musik macht er noch immer, mit seiner Combo Sündikat spielt er unter anderem Songs von den Beatles „unter Jazzeinfluss“. Gedichte schreibt er auch noch. Bei „Gartenkultour“, der KuKuK-Veranstaltung am 21. Mai, ist Heinz Lenz dabei – als Musiker und Poet tritt er im Garten von Familie Wilhelm in der Mühlstraße auf.

Als Kind sei er kein Cowboy gewesen, sondern Indianer, erzählte Heinz Lenz einmal. Ihn faszinierten Moralvorstellungen und Werte der indianischen Gesellschaft. Bis heute, sagt er, schwinge davon etwas nach.