Männerrechtler Kuhla über Feministinnen, Frauen am Herd und Kleinkinder in der Krippe.

Stuttgart - Er will kein Männerrechtler sein, aber wie sonst soll man einen nennen, der die Diskriminierung von Männern beklagt? Vor knapp zwei Jahren hat Eckhard Kuhla mit anderen den Verein Agens gegründet - eine "Arbeitsgemeinschaft zur Verwirklichung der Geschlechterdemokratie". Ein Gespräch darüber, wie weit Mann gekommen ist.

Herr Kuhla, nächsten Donnerstag ist Weltmännertag. Was machen Sie da?
Ich werde im Nachbarort einen Vortrag über Männer- und Jungenarbeit halten.

Wir dachten, Sie fordern vielleicht wieder die Abschaffung von allen Männer- und Frauentagen, weil solche Tage eher polarisieren als zusammenführen.
Der Gag ist verbraucht, man muss nicht jedes Jahr das Gleiche fordern.

Anderseits ist so ein Männertag eine gute Gelegenheit für Männerrechtler wie die von Agens, ihre Anliegen vorzubringen.
Wir sind keine Männerrechtler. Wir haben zwar als Männerbewegung angefangen, aber je mehr weibliche Mitglieder wir bekamen und je mehr Erfahrung wir mit radikalen Frauenrechtlerinnen gesammelt haben, desto mehr haben wir gesagt: Nee, so nicht.

Wie meinen Sie das?
Wir werden von der Gegenseite abgestempelt und diffamiert als welche, die nur borniert Männerbastionen verteidigen. Das ist deren einziges Argument, ansonsten gibt es Diskursverweigerung. Deshalb haben wir von dem Begriff "Männerrechtler" Abstand genommen.

Sie packen die Gegenseite aber auch hart an. Sie sprechen von einer Feminismusindustrie, die den Steuerzahler jedes Jahr zig Millionen Euro koste, und beklagen eine Benachteiligung insbesondere von Vätern und Jungen.
Ja, aber das steht nicht im Vordergrund. Ich will kein Vorstand eines Männerjammervereins sein. Wir argumentierten positiv, wir wollen Männer und Jungen stärken. Wir kämpfen gegen den regierungsamtlichen Feminismus, der sich in die Privatsphäre einmischt. Mann und Frau sollen selber entscheiden können, wie sie leben.

"Wir wollen das Rad nicht zurückdrehen"

Man hat nicht den Eindruck, dass sich Jungen und Männer geschwächt fühlen.
Mein größtes Problem sind in der Tat nicht die Radikalfeministinnen, sondern das Schweigen und die fehlende Empörung der Männer.

Empörung worüber?
Über die Männerfeindlichkeit in unserem Land. Über die Versuche in Kindergärten und Schulen, Jungs zu Mädchen umzuerziehen. Das sind oft schleichende, kaum wahrgenommenee Prozesse, und darüber will Agens aufklären. Es ist ein mühseliges Geschäft, aber ich glaube an unsere Botschaft. Denn die Zeichen einer Wende sind zu erkennen, allein bedingt durch den Generationswechsel in der Frauenlobby.

Monika Ebeling ist auch bei Agens. Sie hat sich als Gleichstellungsbeauftrage von Goslar für Männerrechte starkgemacht und wurde dann abgesetzt. Was hat sie falsch gemacht?
Nichts! Das Interessante ist ja, dass eine männliche Mehrheit im Stadtrat sie abgesetzt hat, weil sie angeblich zu viel Männerarbeit gemacht hat. Was sind denn das für Männer! Ich kapiere das nicht.

Die haben vielleicht die Anliegen der Frauenbewegung verinnerlicht.
Ich glaube eher, dass es daran liegt, dass das Männerbild bei uns seit Jahrzehnten in den Dreck gezogen wurde.

Ihr erklärtes Ziel ist es, politisch Einfluss zu nehmen. Wie kommen Sie da voran?
Wir führen viele Gespräche mit Abgeordneten in Bund und Ländern. Die winken ja oft jeden Unsinn durch, der von der Frauenlobby kommt. Ein männlicher Abgeordneter begründete mir das mal so: Wenn er aufbegehre, sei er den ganzen nächsten Tag damit beschäftigt, Kritik von Frauenrechtlerinnen abzuwehren. Deshalb lasse er es.

Ein Drittel Ihrer Mitglieder sind Frauen. Warum engagieren die sich bei Ihnen?
Weil sie sich Sorgen machen um die Männer. Und weil sie sich nicht von ein paar Frauenrechtlerinnen vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben. Die allermeisten Frauen wollen gar keine Karriere machen in dem Sinn, dass sie ihr ganzes Leben diesem Ziel unterordnen. Da sind sie den Männern voraus. Die meisten Frauen wissen, dass man nicht alles haben kann: Kinder, die man selbst betreut, und dann noch einen Führungsposten.

Das klingt aber doch ein bisschen nach: Frauen zurück an den Herd.
Wir wollen das Rad nicht zurückdrehen. Wir sind nicht für die Frau am Herd bis zum Lebensende. Die ersten zwei Jahre nach der Geburt sollte die Frau aber bei ihrem Kind sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass Fremdbetreuung Kleinkinder stresst mit Langfristfolgen.

Es könnte doch auch der Papa zu Hause bleiben. Hauptsache eine feste Bezugsperson.
Das kann auch mal der Papa machen, das ist richtig. Hauptsache keine Krippe.

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